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Eugen Graf Ledebur-Wicheln

Eugen Graf Ledebur-Wicheln

Ehrenmitgliedschaften: Saxo-Bavaria-Prag in Wien

Geboren: 14.11.1873, Petersburg (Petršpurk, Bezirk Laun, Louny, Böhmen)
Gestorben: 12.11.1945, Theresienstadt (Terezin, Tschechoslowakei)
Senator (Tschechoslowakei), Gutsbesitzer
Politische Haft: 1945 ehemaliges KZ Theresienstadt

Lebenslauf:

Eugen Rudolf Maria Graf Ledebur-Wicheln wurde als Sohn des Johann Graf Ledebur-Wicheln und der Karoline, geb. Gräfin Czernin von und zu Chudenitz, auf dem Schloß des Gutes Petersburg geboren, das den Grafen Czernin gehörte. Die Familie Ledebur-Wicheln ist westfälischer Uradel, die ab 1160 nachweisbar ist. Ledebur-Wicheln gehörte innerhalb der Familie dem Stamm A, Linie I, 2. Ast an, der 1807 in den österreichischen Grafenstand erhoben wurde.

Der Vater Johann Graf Ledebur-Wicheln war unter dem k. k. Ministerpräsidenten Kasimir Graf Badeni von 1895 bis 1897 k. k. Ackerbauminister sowie böhmischer Landtagsabgeordneter und Mitglied des Herrenhauses. Politisch war er katholisch-konservativ ausgerichtet. Ihm gehörten die Güter von Kostenblatt (Kostomlaty pod Milešovkou) und Krzemusch (Kremýž) bei Teplitz (Teplice) sowie Mileschau (Milesov) bei Lobositz (Lovosice)

Ledebur-Wicheln wurde durch seinen Vater katholisch-konservativ geprägt und studierte Rechtswissenschaften (Dr. iur.). Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung der Tschechoslowakei engagierte er sich in der 1919 gegründeten Deutschen Christlichsozialen Volkspartei (DCV). Er kandidierte bei den ersten Wahlen in der Tschechoslowakei im Jahr 1920 für den Senat, wurde gewählt und gehörte diesem nach Wiederwahl bis 1929 an.
Ledebur-Wicheln befaßte sich in der DCV besonders mit wirtschaftlichen und außenpolitischen Fragen. Zugleich stand er an der Spitze des Deutschpolitischen Arbeitsamtes. Das war die Dachorganisation der sudetendeutschen Parteien. Er gehörte zu den Anhängern des national orientierten Flügels des DCV und machte ab 1933 aus seiner Sympathie für die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins keinen Hehl. So vertrat er 1936 die Meinung, daß es keine Berechtigung mehr für eine konfessionelle Partei gäbe, und schlug die Fusionierung der DCV mit der Sudetendeutschen Partei vor. 1938 kritisierte er den Bischof von Leitmeritz, Anton Alois Weber (Fd EM), weil er diese Partei ablehnte.

Nach dem München Abkommen bzw. der Annexion der Sudetengebiete durch das Deutsche Reich im September 1938 zog sich Ledebur-Wicheln ganz aus der Politik zurück und widmete sich nur mehr seinen Gütern. Nach dem Kriegsende wurde er im Mai von den Tschechen verhaftet und im ehemaligen KZ Theresienstadt interniert, wo er aufgrund von Mißhandlungen verstarb. Er war mit Eleonore Gräfin Larisch von Moennich verheiratet.

Ledebur-Wicheln gehörte neben Emil Bobek (Fd EM), Josef Böhr (Fd EM), Wenzel Feierfeil (Va EM), Karl Hilgenreiner (Fd EM), Johann Krumpe (Va), Hans Lokscha (Nc), Felix Luschka (Va EM), Robert Mayr-Harting (S-B EM), Friedrich Öhlinger (AIn), Robert Johann Schälzky (NdP EM) u. a. zur nicht unbedeutenden Riege der CVer, die politische Mandate (Minister, Abgeordnete, Senatoren, Parteivorsitzende) in der ersten tschechoslowakischen Republik bekleidetet. Sie taten dies in der 1919 gegründeten Deutschen Christlichsozialen Volkspartei, die insgesamt einen kooperierenden Kurs gegenüber den Tschechen fuhr, der damals „aktivistisch“ (im Gegensatz zu nationalistisch) genannt wurde.

Werke:

Friedensvertrag mit Rumänien (1918).
Außenpolitik und Volkstum (1927).

Quellen und Literatur:

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1912. Gotha o. J. (1912), S. 526f.
Šebek, Jaroslav: Sudetendeutscher Katholizismus auf dem Kreuzweg. Politische Aktivitäten der sudetendeutschen Katholiken in der Ersten Tschechoslowakischen Republik in den 30er Jahren (= Kirche und Gesellschaft im Karpaten-Donauraum Bd. 2). Münster 2010, S. 28, 55, 56, 149 und 211.
Hemmerle, Rudolf: Sudetenland-Lexikon. Würzburg o. J., S. 268.
https://cs.wikipedia.org/wiki/Eugen_Ledebur-Wicheln (Abruf 6. 11. 2018)