Informationen

  Hans Lokscha
Urverbindung: Norica (26.02.1914)
Bandverbindungen: NbB, Elb
Geboren: 25.02.1895, Marienberg (Mariánské Hory a Hulváky, nunmehr Stadtteil von Märisch-Ostrau bzw. Ostrava)
Gestorben: 04.05.1975, Dorf Tirol (Bezirk Meran, Südtirol)
Position: Abgeordneter (Tschechoslowakei), apl. Hochschulprofessor (Pflanzenbau), Ministerialrat (Landwirtschaftsminister)
Politische Haft: 1945 bis 1048 in der Tschechoslowakei

Lebenslauf

Lokscha wurde als Sohn eines Bauern geboren. Dessen Vorfahren stammten aus Schlesien und optierten nach dem Siebenjährigen Krieg für Österreich. Er absolvierte 1913 die Realschule in Mährisch-Ostrau. Danach begann er das Studium der Landwirtschaft an der Hochschule für Bodenkultur (Dipl.-Ing. 1919, Dr. Bdk.), wo er der Norica beitrat und dort das Amt eines Schriftführers bekleidete. Im März 1915 wurde er zur k. u. k. Armee eingezogen und diente beim k. u. k. Infanterieregiment König Gustav V. von Schweden, der Goten und Wenden Nr. 10, mit dem er zuerst an der russischen Front und dann im Ortler-Gebiet (Südtirol) eingesetzt war. Nach dem Krieg setzte er sein Studium fort und engagierte sich in der Deutschen Studentenschaft (Vorgängerin der ÖH). Dort war er bis Jun 1919 Obmannstellvertreter des Hochschulausschusses.

1919 zog Lokscha nach Brünn, mußte einige Monate in der neuen tschechoslowakischen Armee dienen (Hauptmann d. R.) und nahm danach die Stellen eines Sachbearbeiters bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und eines Assistenten an der Lehrkanzel für Landwirtschaft an der dortigen deutschen Technischen Hochschule einzunehmen. Doch bereits Anfang 1921 wurde er Landwirtschaftsinspektor bei der deutschen Sektion des mährischen Landeskulturrates (Vorgänger der Landwirtschaftskammer). Diese Tätigkeit bekleidete er auch nach dem September 1938 bzw. März 1938 im Protektorat Böhmen und Mähren.

Lokschas Spezialgebiet war der landwirtschaftliche Pflanzenbau. 1924 hätte er an der Technischen Hochschule ein Professur bekommen sollen, wurde aber nicht berücksichtigt, da er damals dem aktivistischen Flügel der Deutschen Christlichsozialen Volkspartei angehörte, der für eine konstruktive Mitarbeit in der Tschechoslowakei eintrat. Er habilitierte sich daher 1929 für das gesamte Gebiet des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus als Privatdozent. 1943 wurde er zum außerplanmäßigen Hochschulprofessor ernannt.

Lokscha engagierte sich nach dem Kriegsende in der katholischen Volksbewegung bzw. der neu gegründeten Deutschen Christlichsozialen Volkspartei (DCV) der Tschechoslowakei (CSR). 1920 war er bei der Reaktivierung der Nibelungia Brünn beteiligt, die dann 1921 in den CV aufgenommen wurde. Lokscha war dann dort von 1921 bis 1936 dort Philistersenior. Er organisierte ab 1919 auch den Philisterzirkel für Mittel- und Südmähren, dessen Vorsitzender er einige Jahre war. Bei der Gründung des Sudetendeutschen CV (SCV) im Jahr 1933 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Altherrenbundes des SCV gewählt, welche Funktion er auch nach 1945 bis kurz vor seiner Pensionierung bekleidete. Ebenso war er Bandphilister bei der 1922 gegründeten Verbindung Elbmark in Tetschen-Liebwerd (nunmehr Duisburg).

Lokscha hatte entsprechend enge Kontakte zu den verschiedenen katholischen Verbänden und Vorfeldorganisationen der DCV in Mähren bzw. in Brünn. Daher wurde er bereits 1929 aufgefordert, für DCV bei den Parlamentswahlen zu kandidieren, was er aber wegen seiner Habilitation ablehnte. Bei den letzte Wahlen in der CSR im Jahr 1935 wurde er wieder gebeten, die Listenführung zu übernehmen, was er dann tat und auch gewählt wurde. Die DCV trat 1935 wieder in die Regierung ein, und Lokscha war als Minister im Gespräch, was er aber ablehnte. Bei diesen Wahlen erreichte die kryptonationalsozialistische Sudetendeutsche Partei (SdP) Konrad Henleins eine deutliche absolute Mehrheit, die zu Lasten der anderen Parteien ging, die teilweise halbiert wurden, so auch die DCV.

Lokscha gehörte neben Emil Bobek (Fd EM), Josef Böhr (Fd EM), Wenzel Feierfeil (Va EM), Karl Hilgenreiner (Fd EM), Johann Krumpe (Va), Eugen Graf Ledebur-Wicheln (S-B EM), Felix Luschka (Va EM), Robert Mayr-Harting (S-B EM), Friedrich Öhlinger (AIn), Robert Johann Schälzky (NdP EM) u. a. zur nicht unbedeutenden Riege der CVer, die politische Mandate (Minister, Abgeordnete, Senatoren, Parteivorsitzende) in der ersten tschechoslowakischen Republik bekleidetet. Sie taten dies in der 1919 gegründeten Deutschen Christlichsozialen Volkspartei, die insgesamt einen kooperierenden Kurs gegenüber den Tschechen fuhr, der damals „aktivistisch“ (im Gegensatz zu nationalistisch) genannt wurde.

Nach der Angliederung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich im Herbst 1938 blieb Lokscha in Brünn und vertrat weiter als Abgeordneter die Interessen der in Rest-Mähren lebenden Deutschen. Allerdings mußte er nun in die verbliebene Fraktion der Sudetendeutschen Partei überwechseln, weil er der einzige DCV-Abgeordnete gewesen wäre. Dieses Mandat endete mit Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939. Danach zog er sich zwar von jeder politischen Tätigkeit zurück, stellte aber im Juni 1939 einen Aufnahmeantrag in die NSDAP und wurde rückwirkende mit 1. April 1939 aufgenommen. Er widmete sich dann aber ausschließlich seinem Beruf, d. h. dem Ausbau des landwirtschaftlichen Versuchswesens.

Im Mai 1945 wurde Lokscha von den Tschechen verhaftet und saß drei Jahre in Untersuchungshaft. Seine Familie konnte jedoch 1945 ausreisen und zog nach Dorf Tirol (Südtirol), die Heimat seiner Frau, die dort eine kleine Pension aufmachte. Lokscha selber wurde dann 1948 von einem tschechischen Volksgericht freigesprochen und konnte 1949 nach Wien ausreisen. Dort wurde er in den Personalstand des Bundesministeriums für Landwirtschaft übernommen und1954 zum Ministerialrat ernannt.

Nach 1949 bemühte sich Lokscha um eine Reaktivierung der Nibelungia Brünn in Wien, was jedoch wegen der bereits der sich in Wien angesiedelt habenden Saxo-Bavaria nicht mehr möglich war. Ebenso zerschlugen sich Überlegungen einer Reaktivierung in Leoben als zweite CV-Verbindung. Daher wurde die Nibelungia in Darmstadt, wo sich eine Technische Hochschule befindet, wiederbegründet.

1960 ging Lokscha in Pension und lebte dann in Dorf Tirol, wo er starb und auch begraben wurde.

Werke

Der Zuckerrübenbau unter besonderer Berücksichtigung der Wasserökonomik (1924).
Pflanzenbauliche Verhältnisse im Tätigkeitsgebiete der deutschen Sektion des mährischen Landeskulturrates, mit besonderer Berücksichtigung des Getreidebaues (1927).
Wie werden die Kalidüngesalze gewonnen und verarbeitet? (1931).
Pflanzenbauliches aus Holland (1932).
Die Getreidehalmfliege und ihre Schäden am Getreide (1933).

Quellen und Literatur

Verbindungsarchiv Norica. Eigenhändiger Lebenslauf von Hans Lokscha, von Georg Schmitz am 8. 10. 1913 übermittelt.
Academia 33 (1929/21), S. 241.
Schieweck-Mauk, Siegfried: Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. Die Korporationen und Vereinigungen des Cartellverbands der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV) und des Cartellverbands der katholischen österreichischen Studentenverbindungen (ÖCV) in geschichtlichen Kurzdarstellungen. Vierow 1997, S. 492.

Šebek, Jaroslav: Sudetendeutscher Katholizismus auf dem Kreuzweg. Politische Aktivitäten der sudetendeutschen Katholiken in der Ersten Tschechoslowakischen Republik in den 30er Jahren (= Kirche und Gesellschaft im Karpaten-Donauraum Bd. 2). Münster 2010, S. 178, 182 und 185.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 07.06.2014
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 06.11.2018