Informationen

  Kurt Vorhofer
Urverbindung: Norica (28.11.1947)
Geboren: 28.07.1929, Salzburg
Gestorben: 25.05.1995, Aflenz (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Steiermark)
Position: Chefredakteur-Stellvertreter (Kleine Zeitung)

Lebenslauf

Vorhofer absolvierte 1947 das Gymnasium in Salzburg und begann anschließend das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, wo er der Norica beitrat (Couleurname Mozart). Um sein Studium zu finanzieren, war er als Vertreter tätig. Da er dieses aber nicht beendete, mußte er die Verbindung verlassen, um dann Mitte der sechziger Jahre wieder in die Norica aufgenommen zu werden.

Über Vermittlung von Karl Hans Haysen (Nc) fand Vorhofer eine Anstellung als Redakteur bei der zum Druck- und Verlagshaus Styria gehörenden „Kleinen Zeitung“ in Graz, wo damals Karl Maria Stepan (Nc) und später Hanns Sassmann (Trn EM) Generaldirektoren waren. Zuerst in der Lokalredaktion und Außenpolitik tätig wechselte Vorhofer in die Innenpolitik und wurde 1959 Leiter der Wiener Redaktion der „Kleinen Zeitung“, die er aufbaute. 1968 wurde er unter Beibehaltung dieser Funktion zum stellvertretenden Chefredakteur ernannt.

Vorhofer machte sich recht bald einen Namen als gründlich recherchierender und klug kommentierender innenpolitischer Journalist. Er gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des österreichischen Journalismus seiner Zeit und war ein kenntnisreicher Chronist sowie kritischer Kommentator der österreichischen Innenpolitik. Seine Analysen und Berichte sind unverwechselbare Zeugnisse des Geschehens, wobei er immer wieder versuchte, auch historische Zusammenhänge herzustellen. Nicht zuletzt seine regelmäßigen Kommentare (auf Seite 3) halfen mit, daß die „Kleine Zeitung“ über die Steiermark und Kärnten hinaus österreichweit Beachtung fand.

Vorhofer erwarb sich durch sein abwägendes Urteil, seine persönliche Bescheidenheit, seine katholische Grundsatztreue und seinen Patriotismus eine hohe moralische Autorität, die über die Parteigrenzen hinaus geachtet wurde. Er wurde bereits Ende der sechziger Jahre als Doyen der innenpolitischen Journalisten bzw. als innenpolitisches Gewissen bezeichnet und übte eine prägende Vorbildfunktion vor allem auf die Wiener Redakteure der Bundesländer-Tageszeitungen aus. Der Sitz der Wiener Redaktion der „Kleinen Zeitung“ bzw. des Wiener Büros der Verlags Styria am Lobkowitzplatz 1, einem Otto-Wagner-Bau, wurde zum Treffpunkt vieler politischer Beobachter und Akteure.

Vorhofer erlebte und kommentierte auf seinem Posten die Endphase von Bundeskanzler Julius Raab (Nc), dann die kurze Ära von Bundeskanzler Alfons Gorbach (Cl), schließlich den Höhenflug der ÖVP unter Bundeskanzler Josef Klaus (Rd) sowie deren Absturz 1970. Zum SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky hatte er ein ambivalentes Verhältnis. Zum einen bewunderte er dessen politisches Talent, das er als Ausnahmeerscheinung in der jüngeren österreichischen Geschichte wertete, zum anderen stand er zu vielen seiner politischen Entscheidungen distanziert gegenüber. Bezüglich der ÖVP hatte Vorhofer ein kritisches Verhältnis zu deren Bundesparteiobmann Karl Schleinzer und forcierte schon früh Josef Taus (Baj). Hingegen war er bezüglich Alois Mock (Nc) anfänglich skeptisch eingestellt, was sich aber dann wandelte.

Vorhofer war mit Leib und Seele Journalist, und so fiel ihm der berufliche Abschied besonders schwer. Dieser fand Ende 1994 zusammen mit einem Generationenwechsel bei der Styria statt, von dem Generaldirektor Sassmann aber auch der langjährige Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“, Fritz Csoklich, betroffen waren. Diese drei wurden wenige Tage vor Weihnachten noch durch einen Empfang beim Bundespräsidenten Thomas Klestil (Baj) geehrt. Anschließend saßen mit Vorhofer noch einige Weggefährten und Freunde zuerst im „Kupferdachl“ zusammen, wo man spürte, daß es um ihn nun langsam einsam wurde. Schließlich blieben im „Hawelka“ nur mehr er und Gerhard Hartmann (Baj) übrig.

Vorhofer konnte weiterhin gelegentlich für die „Kleine Zeitung“ schreiben. Daneben hielt er auch Vorträge. Er war seit längerem herzleidend und fuhr im Mai 1995 aus diesem Grund zur Kur nach Aflenz. Von dort machte er einen Abstecher nach Graz, um bei der Carolina einen Vortrag zu halten. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt. Kurz danach, am Christi-Himmelfahrts-Tag, erlag er in der Kur einem Herzversagen. Für viele, Kollegen und Freunde, war diese Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, zwar ein großer Schock, jedoch eigentlich keine Überraschung, weil man gesehen hatte, wie schwer es Vorhofer gefallen ist, in den Ruhestand zu gehen, der schließlich nicht einmal ein halbes Jahr gedauert hatte.

Vorhofer erhielt 1969 den Dr. Karl-Renner-Publizistikpreis, 1991 den René Marcic Preis, benannt nach René Marcic (R-J EM), und kurz vor seinem Tod den Leopold-Kunschak-Pressepreis, benannt nach Leopold Kunschak (Nc EM). Seit 1996 wird von der Journalistengewerkschaft in Zusammenarbeit mit der „Kleinen Zeitung“ der Kurt-Vorhofer-Preis vergeben.

Vorhofer war ein Liebhaber der Musik, vor allem der klassischen Musik wie auch der altösterreichischen Marschmusik. Legendär waren seine Erzählungen zu den verschiedenen Dirigenten, wie Clemens Krauss, Bruno Walter, Wilhelm Furtwängler oder Hans Knappertsbusch. Legendär war auch seine Schilderung, wie er als Zwölfjähriger am 22. Juni 1941 gespannt am Radio saß, um der Übertragung des Endspiels zur „großdeutschen Meisterschaft“ lauschen. Rapid Wien und Schalke 04 standen sich gegenüber, das Rapid in einer dramatischen Schluß-Viertelstunde für sich entscheiden konnte. Daß seit der Früh die Deutsche Wehrmacht in Rußland einfiel, war für ihn kein Thema.

VVorhofer wurde auf dem Friedhof Wien-Neustift begraben. Die Einsegnung nahm Franz Kardinal König (Rd EM) vor.

Quellen und Literatur

Freihofner, Gerald (Nc): Patriot und Journalist, in: Österreichische Academia 46 (1995), Heft 3, S. 34f.
König, Franz Kardinal (Rd): In memoriam Kurt Vorhofer, in: Das Fenster. Zs. der KAV Norica und der KAV Norica Nova. 1/1996, S, 13f.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 15.07.2017
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 11.12.2017