Informationen

  Karl Maria Stepan
Urverbindung: Norica (14.10.1913)
Bandverbindungen: Cl, BbG, GlL
Geboren: 24.06.1894, Wien
Gestorben: 11.09.1972, Graz
Position: Landeshauptmann (Steiermark), Bundesleiter der Vaterländischen Front, Verleger
Politische Haft: 1938 Polizeigefängnis und LG Graz, 1939 KZ Dachau, 1939/40 KZ Mauthausen, 1944 KZ Mauthausen, 1944/45 KZ Dachau

Lebenslauf

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Stepan wurde in Wien-Gumpendorf als Sohn eines Kunsthandwerkers (Graveurs) geboren. Sein Vater starb früh (vor 1899), so daß seine Mutter einen Herrn Tillmann heiratete. Von dort rührt die gelegentliche Schreibweise „Stepan-Tillmann“ her, die aber namensrechtlich nicht gedeckt war.

Stepan besuchte die Gymnasien in Wien-Meidling, Wiener Neustadt und Mödling (dort Matura 1913) und begann danach in Wien mit dem Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1924), wo er der Norica beitrat (Couleurname Teut). Im Sommer 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, kam zuerst zum Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 und dann zum Infanterieregiment Frhr. von Hess Nr. 49.

Nach Absolvierung des Einjährig-Freiwilligenjahres wurde Stepan im Juli 1915 Fähnrich der Reserve. Er kam aber bereits am 1. März 1915 an die russische Front, geriet dort am 17. September 1915 bei Dubno (südlich von Luck) in russische Gefangenschaft (letzter Dienstgrad Oberleutnant der Reserve; Auszeichnungen: Silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse, Karl-Truppenkreuz) und kam in ein Lager in Sterjetensk östlich des Baikalsees (Sibirien).

In den Wirren der russischen Revolution konnte Stepan aus Sibirien fliehen, geriet aber in Moskau erneut in Gefangenschaft, aus der er erst im Juli 1920 nach Wien zurückkehren konnte, wo er dann sein Studium fortsetzte. Unterstützt wurde er dabei u. a. von P. Nivard Schlögl SOCist (Nc). Im Herbst 1921 setzte er sein Studium an der Universität Graz fort und wurde bei Carolina aktiv.

STEPANS EINSTIEG IN DIE POLITIK

Nach seiner Promotion am 24. Januar 1924 in Graz begann Stepan das Gerichtsjahr, trat aber bald in die Rechtsanwaltskanzlei seines späteren kurzzeitigen Nachfolgers als Landeshauptmann, Rolf Trummer (Cl), ein. Aber schon am 15. September 1924 wurde er als Nachfolger von Rudolf Seehofer (Nc) Generalsekretär der Christlichsozialen Landesparteileitung der Steiermark, was sicherlich auf Fürsprache des damaligen Landeshauptmanns Anton Rintelen (ehemals Trn) geschah.

Aufgrund landespolitischer Ereignisse (u. a. Insolvenz der Steirerbank) und durch das Auftreten einer eigenen Liste der Anhänger von Johannes Ude (Cl) gingen die Landtagswahlen von 1927 für die Christlichsozialen ungünstig aus.

Daher wechselte Stepan am 15. Februar 1928 als Direktionssekretär in die sog. „Anstalten des Katholischen Preßvereins in der Diözese Graz-Seckau“ (später dann Druck- und Verlagshaus Styria bzw. Styria Medien AG), um wegen der schweren Erkrankung des bisherigen Direktors Franz Puchas (ehemals Cl EM) nach wenigen Monaten bereits dessen Nachfolger bzw. dann ab 1929 Generaldirektor zu werden.

In dieser Zeit baute Stepan diese „Anstalten“ zu einem führenden Medienunternehmen Österreichs aus („Grazer Volksblatt“, „Kleine Zeitung“, Druckerei, Buchverlag, Buchhandlungen). 1930 wurde er auch Vorsitzender des CV-Altherrenlandesbundes Steiermark.

STEPAN IM STÄNDESTAAT UND ALS LANDESHAUPTMANN

Obwohl Stepan 1932 aus der Christlichsozialen Partei ausgetreten war, intensivierte sich im Laufe des Jahres 1933 der Kontakt zwischen ihm und Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (F-B). Er griff wieder stärker in die Politik ein, als er an der Ablöse des steirischen Landeshauptmanns Anton Rintelen (ehemals Trn EM) mitwirkte.

Dollfuß konnte nun Stepan für die Vaterländische Front (VF) gewinnen, deren Bundesleiter (= Generalsekretär) er im Februar 1934 wurde. Damit war er einer der engsten Vertrauten von Dollfuß, durch dessen Tod er aber auch den wichtigsten Rückhalt verloren hatte. Das Verhältnis zwischen ihm und dem neuen Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg (AIn) war von gegenseitiger Abneigung geprägt, wiewohl sie denselben Couleurnamen trugen. So wurde Stepan Ende Oktober 1934 als Bundesleiter der VF abgelöst und am 2. November 1934 zum Landeshauptmann der Steiermark berufen.

Stepan war drei Jahre und vier Monate in diesem Amt. Als Parteisekretär und Generaldirektor der Styria kannte er natürlich dieses Bundesland. Obwohl aus Wien stammend verinnerlichte er für sich persönlich die besondere steirische Eigenart und förderte diese als Landeshauptmann vor allem kulturell und im Brauchtum („Heimatpflege“).

Nicht zuletzt durch Stepan wurde die steirische Tracht (Steirer-Anzug) in gewissem Sinn salonfähig gemacht. Damit begann eine Entwicklung, die nach 1945 vor allem unter dem steirischen Kulturpolitiker Hanns Koren (Cl EM) eine besondere Ausprägung fand, die nicht selten auch politisch eingesetzt wurde.

Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus ist Stepan nach dem Berchtesgadener Abkommen vom 12. Februar 1938 in Bedrängnis gekommen, nachdem es in Graz – der „Stadt der Volkserhebung“ – zu Unruhen gekommen war. Am 3. März 1938 mußte er als Landeshauptmann zurücktreten, nachdem sein Vorschlag, militärisch gegen die Nationalsozialisten vorzugehen, keine Unterstützung gefunden hatte.

Sein kurzfristiger Nachfolger wurde Rudolf (Rolph) Trummer (Cl). Stepan wurde dafür – ebenso nur für kurze Zeit – am 4. März 1938 in den Staatsrat berufen (nachdem er nicht mehr Landeshauptmann war, schied er ja aus dem Länderrat aus).

STEPANS LEIDENSWEG 1938 BIS 1945

Bereits am 12. März 1938 um drei Uhr in der Früh wurde Stepan verhaftet, war zuerst im Grazer Polizeigefängnis, dann ab 25. Mai im Grazer Straf-Landesgericht in offizieller Untersuchungshaft. Denn es wurde gegen ihn ein Verfahren wegen Verdachts auf Untreue und Diebstahl eingeleitet, jedoch mangels an Beweisen am 1. Dezember 1938 wieder eingestellt. Er wird wieder in das Polizeigefängnis Graz rückgestellt.

Wegen seines Gesundheitszustands wurde Stepan in Spitalspflege gebracht, jedoch blieb er trotzdem auf Intervention der Gauleitung in Schutzhaft. Das bedeutete die Einlieferung ins KZ Dachau am 22. April 1939, wo er kurz nach seiner Einlieferung 92 Tage im "Bunker" (Einzelhaft, teilweise Dunkelhaft) verbringen mußte. Am 27. September 1939 wurde er in das KZ Mauthausen (bzw. dann in das Nebenlager Gusen) überstellt. Zuerst war er im berüchtigten Steinbruch dann auch als Hilfssanitäter tätig. In seinen Händen starben Adolf Hörhager (AIn) und Ferdinand Habel jr. (BbW) an den Qualen der KZ-Haft.

Stepans Villa (Graz, Körblergasse) mußte verkauft werden, seine Frau bekam eine Gnadenpension. Am 2. Oktober 1940 wurde er aus dem KZ entlassen und war dann ohne Arbeit. Ab 1. Dezember 1943 war er als Hilfsarbeiter tätig. Im Zuge des Hitler-Attentats vom Juli 1944 wurde er am 23. August 1944 neuerlich verhaftet, kam im September zuerst ins KZ Flossenbürg und dann ab 4. November 1944 wieder nach Dachau, wo er am 29. April 1945 von der US-Army befreit wurde, jedoch dort noch bis 24. Mai bleiben mußte.

Stepan war also insgesamt mehr als drei Jahre in Haft, davon die meiste Zeit in Konzentrationslagern. (Die Angaben der Daten für die Gefängnis- und KZ-Aufenthalte differieren zwischen einem persönlich ausgefüllten CV-Personalstandesblatt Stepans mit dem Angaben der KZ-Gedenkstätte Dachau, die in "Farbe tragen", siehe Literatur, wiedergegeben sind.)

STEPAN ALS GENERALDIREKTOR DER STYRIA

Im Juli 1945 kehrte er nach Graz zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren die Weichen innerhalb der ÖVP bereits gestellt, wo man sich von Stepan als Vertreter der „Systemzeit“ zu distanzieren wußte. Das führte bei ihm zu einer gewissen Verbitterung. Mit 1. Oktober 1945 übernahm er wieder die Leitung der Styria, zuerst als Öffentlicher Verwalter, dann ab 15. Februar 1946 als neuerlicher Generaldirektor.

In dieser Eigenschaft formte Stepan als außergewöhnliche Verlegerpersönlichkeit die Styria zu einem bedeutenden katholischen Verlagsunternehmen im Zeitungsbereich („Kleine Zeitung“) wie im Buchverlag Styria, wobei er hinsichtlich des letzteren die Bedeutung des deutschen Marktes erkannte und 1953 eine Niederlassung in Köln errichtete.

Am 31. Mai 1968 übergab er ein wohlbestelltes Haus, das er insgesamt (vor und nach dem Krieg) mehr als 29 Jahre leitete, an seinen Nachfolger Hanns Sassmann (Trn EM), der dann dem Unternehmen fast 27 Jahre vorstand.

Stepan wandte sich nach 1945 stark den Ideen der katholischen Jugendbewegung und der von ihr inspirierten Katholischen Aktion (KA) zu, was zum großen Teil auf seinen Erfahrungen in der Zeit von 1938 bis 1945 zurückzuführen gewesen sein dürfte. Damit einher ging auch eine gewisse Distanz zum CV, obwohl er bis 1938 Vorsitzender des steirischen Altherrenlandesbundes des CV gewesen war.

Diese Haltung verband sich auch mit seiner Verbitterung aus dem Jahr 1945, „nicht gebraucht“ worden zu sein. Daß bei der Bundespräsidentenwahl 1965 die „Kleine Zeitung“ sich sehr distanziert gegenüber dem Kandidaten der ÖVP, dem früheren Bundeskanzler Alfons Gorbach (Cl), verhielt, aufgrund dessen dieser dann in der Steiermark ein nur unterdurchschnittliches Wahlergebnis für sich verbuchen konnte, weswegen er dann auch knapp scheiterte, wird auf dieses Verhalten Stepans zurückgeführt.

Stepan engagierte sich auch im Orden der Ritter vom Heiligen Grab, dem er für die Kirche eine Elitefunktion zubilligte („Kreuzfahrer mit den Waffen des Glaubens, des Apostolats und der christlichen Caritas“, 1959). Bis 1960 war er der Kanzler der österreichischen Statthalterei.

Stepan widmete die Bezüge aus seinem Politiker-Ruhegenuß wohltätigen Zwecken und legte auf Symbolik wert. Die amtliche Kfz-Nummer seines Dienstwagens bei der Styria war seine Nummer im KZ Dachau. Und er hat verfügt, daß er in der Uniform des k. u. k. Infanterieregiments Frhr. von Hess Nr. 49, angetan mit den Burschenbändern der Norica und der Carolina, auf dem St. Leonhardfriedhof, Graz, begraben wird.

Werke

Das Kriegstagebuch Karl Maria Stepans im kaiserlich und königlichen Infanterie-Regiment Freiherr von Heß Nr. 49 (1932).
Stückwerk im Spiegel. Eine Jubiläumsschrift über katholische Arbeit für Zeitung und Buch in der Steiermark (1949).

Quellen und Literatur

Verbindungsarchiv Norica (Mitteilung von Georg Schmitz, 25. 11. 2011).
Academia 43 (1930/31), S. 273.
Binder, Dieter A.: Karl M. Stepan. Versuch einer Biographie, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 73 (1982), S. 161–181.
Hartmann, Gerhard (Baj): Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Herausgegeben von Maximilian Liebmann im Auftrag des Altherrenbundes der K. Ö. H. V. Carolina (= Grazer Beiträge zur Theologiegeschichte und Kirchlichen Zeitgeschichte Band 2). Graz 1988, S. 368.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch– autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934 – 1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 227–229.
Binder, Dieter A.: Karl Maria Stepan–Josef Dobretsberger. Verlorene Positionen des christlichen Lagers (= Reihe Kurzbiographien des Karl von Vogelsang-Instituts). Wien 1992.
Ableitinger, Alfred: Die Erste Republik–Erinnerung und Erfahrung, in: Die Landeshauptleute der Steiermark. Hg. von Alfred Ableitinger, Herwig Hösele und Wolfgang Mantl. Graz 2000, SS. 43–48.
Karl Maria Stepan. Briefe des steirischen Landeshauptmannes aus Gefängnis und KZ. Hg. von Fritz Csoklich und Matthias Opis. Graz 2001.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 109, 253, 311, 362, 390, 409, 426, 442, 461, 534, 543, 545, 569, 576, 584 und 589.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 539f.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 15.05.2012
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 12.12.2017