Informationen

  Kurt Bergmann
Urverbindung: Danubia (17.05.1956)
Geboren: 11.05.1935, Ebersberg (nunmehr Neulengbach, Bezirk St. Pölten-Land, Niederösterreich)
Gestorben: 15.01.2016, Wien
Position: Nationalratsabgeordneter, ORF-Landesintendant

Lebenslauf

Bergmann wurde als Sohn eines Bäckers geboren, dem in St. Pölten ein Bäckereibetrieb gehörte, und besuchte dort die Volksschule. Danach war er im Jesuitenkolleg Wien-Kalksburg. In dieser Zeit trat er der MKV-Verbindung Carolina St. Pölten bei. Nach der Matura in Kalksburg begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, wo er der Danubia beitrat (Couleurname Sonni). Dort war er im Wintersemester 1959/60 Senior. Nach zwei Semestern wechselte er an die dortige Philosophische Fakultät und begann mit dem Berufswunsch Journalist das Studium der Zeitungswissenschaften (nunmehr Publizistik), das er aber nicht abschloß.

1960 begann Bergmann als Redakteur beim ÖVP-Pressedienst und wurde dort 1963 stellvertretender Chefredakteur. Als Josef Klaus (Rd) 1964 Bundekanzler wurde, holte er Wolfgang Schmitz (Nc) als Finanzminister in sein Kabinett. Dieser machte Bergmann zu seinem Pressesekretär und PR-Berater. Er erfand den „Grünen Wimpel“: Immer, wenn dieser am Dienstwagen von Schmitz zu sehen war, konnte jener angehalten werden. Jeder hatte dann die Gelegenheit, den Minister persönlich zu fragen. Auch wurden Broschüren herausgegeben, die in den Finanzämtern auflagen und über die Rechte des Steuerzahlers aufklärten.

Als Schmitz 1968 aus der Regierung ausschied, holte der neue Generalintendant Gerd Bacher Bergmann in den ORF und machte ihn zum Hauptabteilungsleiter für die Öffentlichkeitsarbeit. Er gehörte damit zum engeren Führungskreis des ORF in der Phase der Reformierung von Fernsehen und Radio. Seine erste Bewährungsprobe für ihn war die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968, wo der ORF die Welt mit sensationellen Fernsehaufnahmen versorgte. Als Hauptabteilungsleiter für Öffentlichkeitsarbeit war er auch Gestalter und Moderator der ORF-TV-Kundendienstsendung „Postfach 7000“.

1973 wurde Bergmann Intendant des Landesstudios Niederösterreich. Der Besuch eines Behindertendorfes war für ihn der Anlaß zur Gründung der humanitären Hilfskampagne „Licht ins Dunkel“, die er erstmals am Heiligen Abend 1973 selbst moderierte. 1976 holte ÖVP-Bundesparteiobmann Josef Taus (Baj) Bergmann in die ÖVP-Zentrale und machte ihn zum Bundesgeschäftsführer. Sein Nachfolger als Intendant wurde Ernst-Wolfram Marboe (Baj). Bergmanns Rückkehr in den politischen Betrieb stand im Zusammenhang mit dem Wechsel des bisherigen ÖVP-Generalsekretärs Erhard Busek in die Wiener Landespolitik und der Wahl von Sixtus Lanner zum neuen ÖVP-Generalsekretär.

Bergmann wurde dann bei den Nationalratswahlen des Jahres 1979 der Wahlkampfleiter. Außerdem kandidierte er auch bei diesen Wahlen, wurde gewählt und gehörte dem Nationalrat vom 5. Juni 1979 bis zum 4. November 1990 an. Da die Wahlen für die ÖVP schlecht ausgegangen waren, trat Josef Taus als Parteiobmann zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige ÖVP-Klubobmann und ÖAAB-Bundesobmann Alois Mock (Nc). Dieser übte nun beide Funktionen, nämlich Parteiobmann und Klubobmann, gleichzeitig aus. Um sich bei der Klubführung zu entlasten, wurde Bergmann zum Politischen Direktor des ÖVP-Klubs bestellt, was vergleichsweise einem Fraktionsgeschäftsführer beim Deutschen Bundestag entsprach.

Damit gehörte Bergmann zum engeren Führungsbereich der ÖVP. Es war dies zuerst die Spätphase der Ära von Bundeskanzler Bruno Kreisky (bis 1983) und dann die Zeit der SPÖ-FPÖ Koalitionsregierung unter Fred Sinowatz und Norbert Steger, als 1983 die ÖVP die absolute Mehrheit der SPÖ brechen konnte. Im Frühjahr 1986 war Kurt Waldheim (Wl EM) bei den Bundespräsidentenwahlen erfolgreich, doch der „Skandal“ um seine Person führte zu einer gewissen außenpolitischen Isolierung.

Bei den Nationalratswahlen im Herbst 1986 konnte die ÖVP zwar neuerlich zulegen, doch die SPÖ behielt die relative Mehrheit. Es kam daraufhin Anfang 1987 zu einer SPÖ-ÖVP Koalitionsregierung bei der Mock Vizekanzler und Außenminister wurde. Sein Nachfolger als Klubobmann wurde Friedrich König (Dan EM). Bergmanns Funktion als Politischer Direktor war damit ebenfalls zu Ende.

In dieser Zeit war Bergmann von 1977 bis 1986 als Vertreter der ÖVP Mitglied des Kuratoriums des ORF und von 1976 bis 1990 auch Vorsteher des Allgemeinen Fachverbands Verkehr in der Bundessektion Verkehr der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft. Als Wolfgang Schüssel 1989 Wirtschaftsminister wurde, übernahm Bergmann dessen Funktion als Generalsekretär des Österreichischen Wirtschaftsbundes.

Als Gerd Bacher 1990 nach einer vierjährigen Pause zum dritten Mal zum Generalintendanten des ORF bestellt wurde, holte er Bergmann als Generalsekretär in den ORF. Zwischenzeitlich war die Sendung „Licht ins Dunkel“, die von Bergmann als Intendant des Landesstudio Niederösterreich ins Leben gerufen wurde, unter dem Fernsehintendanten Ernst Wolfram Marboe ein Fixstern am vorweihnachtlichen TV-Himmel geworden. Dieser mußte 1993 zurücktreten, so daß Bergmann die Agenden dieser Aktion übernahm. Durch den Bürgerkrieg in Jugoslawien kam die Aktion „Nachbar in Not“ hinzu, die er zusammen mit der Caritas und dem Roten Kreuz gründete.

Als Gerd Bacher 1994 als Generalintendant abgelöst wurde, schied Bergmann als Generalsekretär aus und übernahm für kurze Zeit die Leitung des ORF-Büros für humanitäre Angelegenheiten. Kurze Zeit später, noch im Jahr 1994, wurde er zum Intendanten des Landesstudios Steiermark bestellt und übte diese Funktion bis 1998 aus. Danach wurde er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 Chef der ORF-Abteilung für „Humanitarian Broadcasting“ und damit für „Licht im Dunkel“ und „Nachbar in Not“ verantwortlich.

2004 war Bergmann Kampagneleiter der ÖVP-Politikerin Benito Ferrero-Waldner bei den Bundespräsidentenwahlen, die aber Heinz Fischer unterlag. 2006/07 war er kurzzeitig Mitglied des Stiftungsrates des ORF.

Bergmann hatte vier Kinder, sieben Enkel, einer davon ist Johannes Bergmann (Dan), und vier Urenkel. Er starb nach kurzer schwerer Krankheit und wurde auf dem Hietzinger Friedhof in Wien begraben.

Werke

Nachbar in Not. Humanitäre Hilfe – Friedensbotschaft (1994).
25 Jahre Licht ins Dunkel (1997).
Mein Licht ins Dunkel-Buch (2002).

Quellen und Literatur

Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, S. 35 (online-Abruf www.parlament.gv.at vom 16. 1. 2016).
www.oecv.at/news/Detail/3419 (16. 1. 2016).
Die Presse, 16. 1. 2016 (http://diepresse.come/home/politik/innenpolitik/4904955)

Erstellt von Gerhard Hartmann am 16.01.2016
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 06.12.2017