Informationen

  Wolfgang Schmitz
Urverbindung: Norica (15.02.1946)
Bandverbindungen: E-Rh
Geboren: 28.05.1923, Wien
Gestorben: 16.11.2008, Wien
Position: Bundesminister, Präsident der Österreichischen Nationalbank, Kammerbeamter

Lebenslauf

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BERUFSEINSTIEG

Schmitz wurde als Sohn des Universitätsprofessors Hans Schmitz (Nc) geboren. Sein Großvater mütterlichseits war Ferdinand Habel sen. (Nc EM), Domorganist zu St. Stephan, seine Onkeln waren Vizekanzler Richard Schmitz (Nc) (Bruder des Vaters) und der im KZ Mauthausen umgekommene Ferdinand Habel jr. (BbW) (Bruder der Mutter). Sein Firmpate war der bekannte Sozialethiker Johannes Messner. Dieser, sein Onkel und Taufpate Richard Schmitz sowie vor allem sein Vater waren für ihn Vorbilder. Ein stetes Bemühen um ethische Maßstäbe prägte daher sein Leben.

Nach der Volksschule besuchte Schmitz das Albertus-Magnus-Gymnasium (Semperstraße, damaliger offizielller Rechtsträger „Privat-Realgymnasium des Katholischen Schulvereins“). In seiner Jugend war er in der Pfadfindergruppe „Währing“, die unter der Führung des Gersthofer Kaplans Heinrich Maier (NbW) stand und der auch sein Religionslehrer war. Dessen Martyrium im März 1945 war sehr prägend für sein Leben.

Nach seiner Matura 1941 wurde Schmitz zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. Durch den wohlwollenden Eingriff eines militärischen Vorgesetzten blieb ihm ein Einsatz in Stalingrad erspart. Bei seinem ersten Fronteinsatz östlich von Warschau wurde er verwundet, geriet aber nicht in Gefangenschaft. Mit Hilfe des österreichischen Widerstands entging er einem Fronteinsatz gegen Kriegsende. Während des Krieges stand er in einem engen brieflichen Kontakt mit Richard Schmitz, den er in Wehrmachtsuniform auch mehrmals im KZ Dachau besuchen konnte.

Nach dem Krieg begann Schmitz das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1948), wo er der Norica beitrat (Couleurname Wolf). Einer seiner Leibfüchse war der spätere niederösterreichische Landesamtsdirektor Leopold Speiser (Nc), den er im Juli 1943 bei der Deutschen Wehrmacht in Olmütz kennen lernte. In den Monaten Mai bis Oktober 1946 war er Gast der Katholischen Universität Freiburg/Schweiz, wo er Kontakt zur Akademischen Verbindung Staufer (StV) fand. Im Sommersemester 1949 war er Senior der Norica. In der Zeit nach 1945 betätigte er sich auch beim Aufbau der Katholischen Jugend der Pfarre Wien-Weinhaus und als Redakteur der Zeitschrift der katholischen Jugend, „Die Wende“.

Nach dem Gerichtsjahr trat Schmitz im November 1949 in den Dienst der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, deren Präsident damals Julius Raab (Nc) war, und war dort zuerst Sekretär des Generalsekretärs Anton Widmann (Wl). Im Studienjahr 1950/51 konnte er mittels eines Fulbright-Stipendiums an der Catholic University of America in Washington studieren. Sein besonderes Interesse galt dabei der Wirtschaftpolitik bzw. der Nationalökonomie. 1963 wurde er in der Bundeskammer Leiter der Wirtschaftpolitischen Abteilung. Im November 1963 wurde von den Sozialpartnern der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen als Unterausschuß der Paritätischen Kommission für Lohn- und Preisfragen eingerichtet. Schmitz wurde erster Vorsitzender dieses Beirates.

ALS FINANZMINISTER

Als Josef Klaus (Rd) 1961 Finanzminister wurde, machte er Schmitz zu einem seiner Berater. Als dann Klaus 1964 Bundeskanzler wurde, schlug er ihn zum Finanzminister vor. Dieses Amt bekleidete Schmitz vom 2. April 1964 bis zum 19. Januar 1968. Sein Nachfolger in der Bundeskammer wurde Alfred Klose (Nc). Klaus und Schmitz waren einer Meinung, daß es eine stabile, harte Währung geben müsse und daß sich die Ausgaben nach den Einnahmen zu richten hätten.

Aus den Vorschlägen des Beirats für Wirtschafts- und Sozialfragen übernahm Schmitz u. a. eine längerfristige Budgetvorschau. Kapitalmarkt- und Wachstumsgesetze wurde bereits drei Monate nach seinem Amtsantritt vom Nationalrat beschlossen. Bei seinen Vorhaben unterstützte ihn u. a. Franz Helbich (Nc), der Generalsekretär der Österreichischen Industriellenvereinigung. Nach den Hochwasserkatastrophen der Jahre 1965 und 1966 wurde der Hochwasserfonds (heute Katastrophenfonds) gegründet. Hier wirkte auch die Tätigkeit seiner ersten Frau Elisabeth als Präsidentin der Katastrophenhilfe Österreichischer Frauen unterstützend.

Neu war auch seine Öffentlichkeitsarbeit. Schmitz holte sich dafür als Pressesekretär und PR-Berater Kurt Bergmann (Dan), der den „Grünen Wimpel“ erfand. Immer, wenn dieser am Dienstwagen von Schmitz zu sehen war, konnte jener angehalten werden. Jeder hatte dann die Gelegenheit, den Minister persönlich zu fragen. Auch wurden Broschüren herausgegeben, die in den Finanzämtern auflagen und über die Rechte des Steuerzahlers aufklärten.

Bei den Wahlen im März 1966 erreichte die ÖVP die absolute Mehrheit und bildete eine Alleinregierung. Nun konnten die finanzpolitischen Vorstellungen ohne Rücksicht auf einen Koalitionspartner umgesetzt werden. Um die notwendigen Investitionen bei der Infrastruktur (Straßenbau, Bahn, Post) vornehmen zu können, wurden die Mineralölsteuer sowie die Bahn- und Posttarife erhöht. Gleichzeitig wurden bei dem Ende 1966 beschlossenen Budget für 1967 Preisstützungen für Milch und Getreide gekürzt, was zu Lebensmittelpreissteigerungen führte.

Im Jahr 1967 erfolgte ein internationaler Konjunktureinbruch. Wenige Monate nach der Bildung der ÖVP-Alleinregierung hatte sich eine wirtschaftliche Verschlechterung ergeben. Bundeskanzler Klaus holte sich Stephan Koren (Le EM) im März 1967 als Staatssekretär ins Bundeskanzleramt, der im Laufe des Jahres ein wirtschaftspolitisches Konzept („Koren-Plan“) erarbeitete, und durch einen von ihm ins Leben gerufenen „politischen Koordinierungsausschuß“ entstand eine gewisse Rivalität mit Schmitz. Nach dem Mißerfolg bei den oberösterreichischen Landtagswahlen im Anfang Oktober 1967 kam es in der ÖVP zu verstärkten Koordinierungsdefiziten, die sich vor allem bei den Budgetverhandlungen für 1968 bemerkbar machten.

Schmitz versuchte nun, dem durch einen Weg in die Öffentlichkeit Herr zu werden, was aber die anderen Minister ebenfalls nachahmten. Die Regierung bot nun das Bild eines Durcheinanders. Ebenso bestand die Gefahr einer Explosion des Budgetdefizits. Dadurch entstand auch die Diskussion über eine sog. „Hofübergabe“, d. h. einen Rücktritt von Bundeskanzler Klaus. Dieser mußte nun reagieren. Herausgekommen ist aber lediglich eine Regierungsumbildung, bei der Schmitz als Finanzminister am 19. Januar 1968 aus der Regierung ausschied. Einer der Gründe für sein Ausscheiden war die im Oktober 1967 durchgeführte Steuersenkung, die aufgrund der Wirtschaftslage so nicht vertretbar gewesen wäre.

NATIONALBANKPRÄSIDENT UND DIE JAHRE AB 1973

Schmitz wurde jedoch bereits mit 1. Februar 1968 als Nachfolger von Reinhard Kamitz zum Präsidenten der Österreichischen Nationalbank ernannt. Hier war er an der Entstehung der Hartwährungspolitik beteiligt. Der österreichische Schilling wurde an Hartwährungen gebunden, insbesondere an die D-Mark. Damit entstand eine der Grundlagen für ein gemeinsames europäisches Währungssystem. Er blieb jedoch nur eine Periode im Amt und schied am 31. Januar 1973 aus diesem Amt.

Als Fünfzigjähriger kehrte Schmitz wieder zu seinem alten Dienstgeber, der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, zurück. Für diese nahm er verschiedene Sonderaufgaben wahr. Darüber hinaus hielt er zahlreiche Vorträge, ebenso publizierte er viel. Nach 1973 wurde er auch im Preßverein bzw. Verlag Herold aktiv, zu dem auch die von Friedrich Funder (Cl) gegründete Wochenzeitung „Die Furche“ gehörte und die im Laufe der Jahre in eine wirtschaftliche Schieflage geraten war. Gemeinsam mit Hanns Sassmann (Trn EM) vom Verlag Styria, den er aus Studentenzeiten her kannte, konnte die „Furche“ auf eine neue Basis gestellt werden. Von 1976 bis 2003 war er ihr Mitherausgeber.

Noch während seiner Amtszeit als Nationalbankpräsident wurde Schmitz 1971 als Nachfolger von Alfred Weiser (Baj) Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft im ÖCV, des späteren Wirtschaftsclubs. Diese Funktion bekleidete er bis Anfang 1989. Sein Nachfolger wurde Manfred Leeb (AW).

Ein weiteres Thema, das Schmitz in den Jahren nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik beschäftigte, war die Familienpolitik, insbesondere deren steuerliche Entlastung. Auch interessierten ihn ethische Frage, insbesondere die Wirtschaftsethik, wobei er hier sicherlich von seinem Firmpaten Johannes Messner inspiriert wurde, dessen Werkedition er mitbetreute.

Schmitz litt seit vielen Jahren an Diabetes. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich in den letzten Jahren vor seinem Tod, in denen er u. a. von Othmar Förster (AIn, Nc) ärztlich betreut wurde. Er starb im Kreise seiner Familie im Rudolfinerhaus, wo auch sein Bruder Robert fast auf den Tag genau 64 Jahre davor – nämlich am 17. November 1944 – an den Folgen einer Explosion eines Bomben-Zeitzünders erlegen war.

Schmitz war auch Ehrenphilister der mit dem CV bzw. ÖCV befreundeten Verbindung Edo-Rhenania Tokyo. Er wurde im Familiengrab auf dem Friedhof Neustift am Wald begraben und hinterließ neben seiner zweiten Frau fünf Kinder, neun Enkelkinder und zwei Urenkel. Im Oktober 2018 wurde die Promenade am Donaukanal zwischen der Marienbrücke und der Radetzkybrücke über den Wienfluß auf Initiative des Bezirksvorstehers des ersten Bezirks, Markus Figl (Nc), in „Dr.-Wolfgang-Schmitz-Promenade“ umbenannt.

Werke

(Auswahl)
Der Welthandel geht jeden an (1955).
Die österreichische Wirtschafts- und Sozialpolitik. Würdigung, Kritik, Ansatzpunkte (1961).
Die Währung – eine offene Flanke staatlicher Verfassungsordnung. Ihre Schließung – ein Beitrag zur Festigung der freiheitlichen Demokratie (1983).
Familie zwischen Steuerdruck und Sozialstaatsdebatte. Die Besteuerung der gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen in Österreich, Mängel und Korrekturvorschläge (1995).
Wirtschaftsethik als Ordnungsethik in ihrem Anspruch an Sozial-, Konjunktur- und Währungspolitik (2004).

Quellen und Literatur

Marktwirtschaft und Gesellschaftsordnung. Wolfgang Schmitz zum 60. Geburtstag. Hg. von Alfred Klose (Nc) und Gerhard Merk. Berlin 1983.
Kriechbaumer, Robert (R-J): Geschichte der ÖVP, in: Volkspartei – Anspruch und Realität. Zur Geschichte der ÖVP seit 1945. Hg. von Robert Kriechbauer und Franz Schausberger (Rp). Wien 1995, S. 50.
Wolfgang Schmitz – wirtschaftspolitische Weichenstellungen. 1963–1973, Reminiszenzen eines Jahrzehnts. Hg. von Karl Socher Wien 1996.
Fritz, Wolfgang: Für Kaiser und Republik. Österreichs Finanzminister seit 1848. Wien 2003, S. 242–244.
Parte (im Besitz des Verfassers).
Georg Schmitz (Nc), in: Das Fenster. Zeitschrift der K. a. V. Norica, Dezember 2008, S. 13–16.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 24.03.2014
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 04.11.2018