Informationen

  Kurt Waldheim
Ehrenmitgliedschaften: Welfia
Geboren: 21.12.1918, St. Andrä-Wördern (Niederösterreich)
Gestorben: 14.06.2007, Wien
Position: Bundespräsident, Generalsekretär der UNO, Bundesminister. Sektionschef

Lebenslauf

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND KRIEGSJAHRE

Waldheim wurde als Sohn eines Lehrers geboren. Die Familie siedelte bald nach Tulln, weil der Vater dort die Funktion eines Bezirksschulinspektors ausübte. Waldheim absolvierte 1936 das Gymnasium in Klosterneubug und trat in dieser Zeit 1933 der MKV-Verbindung Comagena Tulln bei.

Nach der Matura war Waldheim 1936/37 Einjährig-Freiwilliger beim Dragonerregiment Eugen Prinz von Savoyen Nr. 1 in Stockerau. Danach begann er mit dem Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1944) und absolvierte parallel im Juli 1939 die Konsularakademie. Nach dem Anschluß war er von August bis Oktober 1938 bei der Deutschen Wehrmacht und wurde am 15. August 1939 unmittelbar vor Kriegsbeginn neuerlich eingezogen.

Nach dem Frankreichfeldzug im Jahr 1940 bekam Waldheim einen Studienurlaub, wurde aber im Frühjahr 1941 wieder eingezogen und machte den Beginn des Rußlandfeldzuges mit. Im Dezember 1941 wurde er verwundet, war danach nicht mehr fronttauglich und setzte sein Studium fort. Im April 1942 wurde er als Dolmetscher auf dem Balkan (zuerst Montenegro, dann Griechenland) eingesetzt.

Im Herbst 1942 bekam Waldheim wieder Studienurlaub. Im April 1943 wurde er dann als dritter Ordonnanzoffizier zur Heeresgruppe E (Balkan), Armeekommando 12, versetzt, bei der er – unterbrochen durch Urlaub und Sanatoriumsaufenthalt – ab Oktober 1944 den Rückzug mitmachte und bei Schladming in US-Gefangenschaft geriet, aus der am 11. Juni 1945 entlassen wurde (letzter Dienstgrad Oberleutnant der Reserve).

BERUFLICHE LAUFBAHN

Nach dem Krieg begann Waldheim zuerst als Rechtsanwaltsanwärter, um dann nach Ablegung des „Préalable“ am 26. November 1945 in das Bundeskanzleramt/Auswärtige Angelegenheiten einzutreten. Ab Anfang 1946 war er im Kabinett von Außenminister Karl Gruber (AW), um dann Anfang 1948 der Gesandtschaft in Paris zugeteilt zu werden, von wo er im September 1951 wieder nach Wien zurückkehrte, um die Personalabteilung zu leiten.

Im Juni 1955 wurde Waldheim zum Beobachter bei den Vereinten Nationen in New York bestellt und im März 1956 zum Gesandten in Ottawa ernannt, wo er Nachfolger von Walther Peinsipp (BbW) war. Diese Stellung unterbrach er zwischen November 1956 bis März 1957, als er stellvertretender Delegierter bei der UN-Hauptversammlung war.

Im Juli 1960 kehrte Waldheim wieder nach Wien zurück, um die Westabteilung zu leiten. Mit 1. Juni 1962 wurde er zum ao. Gesandten und bev. Minister (Ministerialrat) ernannt. Vom Mai 1962 bis Juni 1964 war er Leiter der Politischen Sektion des Außenministeriums, um am 11. Juni 1964 als Leiter der österreichischen Vertretung, später als Botschafter, bei der UNO nach New York zu gehen.

AUSSENMINISTER UND ERSTE PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATUR

Am 19. Januar 1968 wurde Waldheim zum Außenminister im Kabinett Josef Klaus (Rd) II ernannt. In seine Amtszeit fielen u. a. der Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 in die Tschechoslowakei und die Aushandlung eines Abkommens mit Italien zwecks Zuerkennung der Autonomie an die Provinz Bozen sowie eines Operationskalenders. Damit wurde ein jahrelanger Konflikt dem Ende zugeführt.

Nach seinem Rücktritt am 21. April 1970 kehrte Waldheim in den auswärtigen Dienst zurück und wurde am 7. Oktober 1970 wieder Botschafter bei der UNO.

Die ÖVP nominierte Waldheim Anfang 1971 zum parteilosen Kandidaten für die Bundespräsidentschaftswahlen gegen den amtierenden Bundespräsidenten Franz Jonas, bei der er beachtliche 47,2 Prozent erreichte.

Im Zuge des Wahlkampfes, wofür Waldheim vom 1. Februar bis 30. April 1971 Sonderurlaub bekam, entstanden die sog. „Waldheim-Komitees“ speziell für Jugendliche, die zu einer teilweisen konservativen Politisierung führten und eine personelle Grundlage für die später gegründete Studentenpartei „Junge Europäische Studenteninitiative“ (JES) darstellten.

WALDHEIM ALS GENERALSEKRETÄR DER UNO

Aufgrund seiner Vernetzung in der UNO und mit Unterstützung des damaligen SPÖ-Bundeskanzlers Bruno Kreisky wurde Waldheim 1971 vierter UN-Generalsekretär. Am 21. Dezember 1971 empfahl der Sicherheitsrat die Wahl, tags darauf wurde er von der UN-Vollversammlung einstimmig gewählt. Er trat dieses Amt mit 1. Januar 1972 an, welche Position er nach seiner einstimmigen Wiederwahl 1976 dann bis zum 31. Dezember 1981 ausübte. In dieser Zeit war er vom Auswärtigen Dienst karenziert.

Zu den wichtigsten weltpolitischen Ereignisse dieser zehn Jahre zählten u. a. der sog. „Jom Kippur Krieg“ im Oktober 1973 im Nahen Osten. Darauf folgten die Ölkrise der Jahre 1973/74, die Zypernkrise 1974, die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) 1975 in Helsinki, das Ende der portugiesischen Kolonialmacht in Afrika, die Geiselaffäre 1979/80 in Teheran, der Einmarsch der Sowjettruppen 1979/80 in Afghanistan, der Ausbruch des Krieges zwischen Irak und Iran 1980 (Erster Golfkrieg). Zu den wichtigsten Erfolgen Waldheims als UN-Generalsekretär zählte sein Bemühen, den Zypern-Konflikt zu entschärfen.

Waldheim war für eine dritte Amtsperiode im Gespräch, aber China wollte jemanden außerhalb Europas auf diese Position haben. Daher kehrte er in den Auswärtigen Dienst zurück, wurde am 1. März 1982 zum Sektionschef ernannt und mit 30. Juni 1983 in den Ruhestand versetzt. Von 1982 bis 1984 war er Honorarprofessor an der Georgetown University in Washington.

WALDHEIM WIRD ZUM BUNDESPRÄSIDENTEN GEWÄHLT

Ende 1985 stellte die ÖVP neuerlich Waldheim als unabhängigen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahlen auf. Im ersten Wahlgang am 4. Mai 1986 erhielt er 49,6 Prozent, so daß es am 8. Juni zu einer Stichwahl mit dem SPÖ-Kandidaten, dem damaligen Gesundheitsminister Kurt Steyrer, kam, in der er 53,9 Prozent erreichte. Am 8. Juli 1986 wurde er angelobt. Seine Amtszeit endete am 8. Juli 1992, da er auf eine Wiederwahl verzichtete.

Im Zuge des Wahlkampfes kam es im Rahmen einer Kampagne, die internationale Dimensionen annahm, zu unbewiesenen Behauptungen über die Rolle Waldheims während seiner Wehrmachtszeit auf dem Balkan und über eine angebliche NS-Mitgliedschaft. Von den erhobenen Vorwürfen blieben letztlich nur die Tatsachen übrig, daß er in seinen Memoiren („Im Glaspalast der Weltpolitik“) seinen Einsatz auf dem Balkan sowie die Möglichkeit, daß er in seiner Eigenschaft als Ordonnanzoffizier von Verbrechen gewußt haben könnte, verschwiegen hatte. Eine Mitwirkung an solchen konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Ebenso standen nur Mitgliedschaften Waldheims bei NS-Vorfeld- bzw. Standesorganisationen (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund, Reiter-SA) fest. Waldheim war niemals bei der NSDAP. Ihn ideologisch in die Nähe des Nationalsozialismus zu stellen, war insofern absurd, da er dem katholischen Kernmilieu entstammte, das vor 1938 zu den Stützen des „Ständestaates“ zählte, weswegen auch sein Vater nach dem Anschluß verhaftet und von seinem Posten entlassen wurde.

Ein nicht ganz glückliches Reagieren auf diese Vorwürfe verschärfte jedoch die Kampagne. Sie stand auch in einem Zusammenhang damit, daß man Waldheim vor allem außerhalb Österreichs vorgehalten hatte, während seiner Zeit als UN-Generalsekretär im Nahost-Konflikt stärker für die arabische Seite Partei ergriffen zu haben.

Die Internationalisierung dieser Kampagne führte zwangsläufig auch zu einer Solidarisierung in Österreich, was auch mit eine Ursache für den deutlichen Erfolg Waldheims beim zweiten Wahlgang war. Nachdem nachgewiesen werden konnte, daß diese Kampagne auch von der SPÖ initiiert wurde, trat Bundeskanzler Fred Sinowatz nach der Wahl Waldheims am 8. Juni 1986 konsequenterweise zurück.

Die Amtszeit Waldheims als Bundespräsident war durch eine politische Isolation seiner Person und damit auch mittelbar Österreichs gekennzeichnet, die bis 1992 andauerte. Die USA erteilten für Waldheim am 28. April 1987 ein Einreiseverbot (sog. „watch list“). Am Anfang seiner Amtszeit wurde der frühere Außenminister Karl Gruber (AW) und langjähriger Botschafter in Washington als Sonderbotschafter in die USA entsandt, um vergeblich kalmierend zu wirken. Dies tat anfänglich auch Thomas Klestil (Baj), der damalige österreichische Botschafter in Washington.

Der damalige ÖVP-Generalsekretär Michael Graff (AW), ein spitzzüngiger und durchaus brillanter Formulierer, ließ sich während des internationalen Kesseltreibens gegen Waldheim im Herbst 1987 zu einer unüberlegten Bemerkung („Solange er [Waldheim, Anm. des Verf.] nicht sechs Juden eigenhändig erwürgt hat…“) hinreißen und mußte in der Folge als Generalsekretär zurücktreten.

Die Debatte um Waldheim anläßlich seiner Wahl sowie das Gedenken an 50 Jahre Anschluß im Jahr 1988 führte in diesen Jahren auch zu einer vermehrten Diskussion über die Rolle Österreichs während des Nationalsozialismus.

WALDHEIM UND DER CV

In den Jahren 1980/81 wurde innerhalb der Pannonia der Plan diskutiert, dem damaligen Generalsekretär der UNO Waldheim die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Rudolf Wicha (Pan) war der Schwager Waldheims, so daß es eine Verbindung zur Pannonia gab. In der Folge zogen sich wegen der Arbeitsbeanspruchung Waldheims die betreffenden Bemühungen hin.

Nachdem Waldheim gegenüber seinem Schwager einer Ehrenbandverleihung zugestimmt hatte, beschlossen diese die zuständigen Convente der Pannonia im Juni 1982. Jedoch wurde – nicht zuletzt wegen Terminschwierigkeiten – erst Anfang 1984 der Vorstand der Verbandsführung des ÖCV mit dieser Frage befaßt, der dann am 26. Januar 1984 der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft zugestimmt hat. Damit waren alle cartellrechtlichen Voraussetzungen erfüllt.

Die folgende Zeit war von „Kommunikations- und Terminschwierigkeiten“ geprägt. Weiters wurde bekannt, daß auch die Franco-Bavaria eine Ehrenbandverleihung beabsichtigte. Im Herbst 1985 hatte die Pannonia dann beschlossen, in dieser Angelegenheit nicht mehr initiativ zu werden.

Ebenso wurde bekannt, daß Waldheim die Frage seiner CV-Ehrenmitgliedschaft mit CVern, die dem ÖVP-Bundesparteivorstand angehört haben, besprochen hätte. Deren Meinung war dreigeteilt: Die einen meinten, daß sei eine persönliche Entscheidung, weitere maßen dieser Frage keine Bedeutung zu und andere hingegen rieten angesichts der kommenden Bundespräsidentenwahlen von einer solchen ab.

Die Pannonia kommentierte diesen Vorgang mit einem Zitat des deutschen Dichters Friedrich von Bodenstedt (1819–1892): „Wer nie verließ der Vorsicht enge Kreise, der war nie töricht, aber auch nicht weise.“

Wie erst 2010 bekannt wurde, hatte der frühere Nationalratspräsident Alfred Maleta (Cl) bereits im Februar 1985 ein Schreiben an den damaligen ÖVP-Bundesparteiobmann Alois Mock (Nc) gerichtet, in dem er massiv gegen eine Kandidatur Waldheims Stellung bezog. Ihn hielt Maleta nicht nur nicht für ungeeignet, sondern er führte dann in diesem Schreiben weiter aus:

„Ich werde auch seine [Waldheims, Anm. d. Verf.] Bitte nie vergessen, wir mögen ihn im Ministerium nicht per Du ansprechen, damit seine Mitarbeiter ihn dort nicht für einen CVer oder MKVer halten.“

Die tatsächliche Ehrenmitgliedschaft einer ÖCV-Verbindung, nämlich der Welfia, erhielt Waldheim erst nach Beendigung seiner Funktion als Bundespräsident (Couleurname Armin, von Comagena Tulln übernommen). Von der MKV-Verbindung Austro-Bavaria Wien erhielt er ebenso das Band. Seine jüngste Tochter Christa ehelichte den ÖVP-Politiker Othmar Karas (Walth).

Werke

Der österreichische Weg. Aus der Isolation zur Neutralität (1971).
Der schwierigste Job der Welt (1979).
Im Glaspalast der Weltpolitik (1985).
Im Zentrum des Sturms (1986).
Worauf es mir ankommt (1992).

Quellen und Literatur

Verbindungsarchiv Welfia (Gerhard Fuchs).
Welan, Manfried (F-B): Kurt Waldheim, in Ergänzungsheft 1987 zu: Die österreichischen Bundespräsidenten. Leben und Werk. Hg. von Friedrich Weissensteiner. Wien 1982.
Gehler, Michael: „... eine grotesk überzogene Dämonisierung eines Mannes ...“ Die Waldheim-Affäre 1986-1992, in: Politische Affären und Skandale in Österreich. Von Mayerling bis Waldheim. Hg. von Michael Gehler und Hubert Sickinger. Thaur 2. durchges. u. erw. Aufl. 1995, S. 614–665.
Exner, Ernst: Semper bonae voluntatis! Die Katholisch-österreichische Hochschulverbindung Pannonia im ÖCV zu Wien. Stationen ihrer Geschichte. 1932 – 2002. Wien 2002, S. 99–101.
Agstner, Rudolf–Enderle-Burcel, Gertrude–Follner, Michaela: Österreichs Spitzendiplomaten zwischen Kaiser und Kreisky. Biographisches Handbuch des Höheren Auswärtigen Dienstes 1918 bis 1959. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 2009, S. 459f.
Zu dem Brief Maletas siehe „Die Presse“, 21. 1. 2010, online-Ausgabe: diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/5333197/print.do. Dort wird auch angeführt, daß der Brief Maletas in dieser Ausgabe erstmals veröffentlicht wurde.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 04.05.2012
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 11.07.2017