Informationen

  Alfred Maleta
Urverbindung: Carolina (13.10.1927)
Geboren: 15.01.1906, Mödling
Gestorben: 16.01.1990, Salzburg
Position: Präsident des Nationalrats, Generalsekretär der ÖVP, Bundesobmann des ÖAAB, Herausgeber der „Oberösterreichischen Nachrichten“, Sektionschef
Politische Haft: 1938 Polizeigefängnis Linz, 1938/39 KZ Dachau, 1939/40 KZ Flossenbürg, 1940 KZ Dachau

Lebenslauf

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND IN DER HOCHSCHULPOLITIK

Maleta wurde als Sohn eines sog. „Kolonialwarenhändlers“ (namens Pertusini) geboren, der in Wien und Umgebung mehrere Filialen besaß und in Kontakt mit Julius Meinl stand. Er starb sehr früh, so daß Maleta vom zweiten Mann seiner Mutter adoptiert wurde und dessen Namen Maöeta annahm. In den ersten Jahren lebte Maleta in Wien und besuchte u. a. die Volksschule in der Reisnergasse (3. Bezirk), wo sein Sitznachbar der Sohn des damaligen k. u. k. Flügeladjutanten und späteren ungarischen Reichsverwesers, Vizeadmiral Nikolaus Horthy, war.

Ab 1914 wohnte die Familie in Baden (Niederösterreich), 1920 übersiedelte sie dann nach Linz. Zuerst besuchte Maleta daher das Gymnasium in Baden, dann in Linz, wo er 1922 der MKV-Verbindung Nibelungia Linz beitrat. Ebenso war er im Christlich-Deutschen Studentenbund (CDSB) aktiv, deren Landesobmann für Oberösterreich er wurde. Im Gymnasium in Linz war er ein Klassenkollege von Geli Raubal, der Nichte Adolf Hitlers, die 1931 Selbstmord verübte. Sie vermittelte für die Maturareise 1927, an der Maleta teilnahm, einen Besuch bei Adolf Hitler in München.

Nach der Matura studierte Maleta das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz (Dr. iur. 1932), wo er der Carolina beitrat (Couleurname Inka). Einer seiner Leibfüchse war Walther Kamschal (Cl). Im Wintersemester 1929/30 sowie im Sommersemester 1930 war er Senior. Dadurch geriet Maleta in den Katholisch-Deutschen Akademikerausschuß (KDAA) sowie in die Hochschulpolitik und war in diesem Studienjahr Fraktionsführer in der sog. Kammer der Deutschen Studentenschaft (DSt) der Universität Graz. In den damaligen Auseinandersetzungen zwischen dem CV und den Schlagenden war er involviert, ein Umstand, der in der Historiographie bislang viel zuwenig beachtet wurde.

BERUFLICHE LAUFBAHN BIS 1938

Nach Gerichts- und Rechtsanwaltspraxis in Linz versuchte Maleta zuerst vergeblich, in den Landesdienst zu gelangen. Er nahm daraufhin ein Angebot des oberösterreichischen Landeshauptmanns Heinrich Gleißners (S-B) für eine Tätigkeit in der soeben gegründeten Vaterländischen Front (VF) an. So wurde er zuerst stellvertretender, dann am 22. November 1933 für kurze Zeit Geschäftsführer der VF für Oberösterreich.

Nach der Ausschaltung der Sozialdemokratie infolge des Februaraufstands 1934 wurde Maleta am 12. März 1934 Erster Sekretär (entsprach der heutigen Funktion eines Kammeramtsdirektor) der oberösterreichischen Arbeiterkammer und des Landeskartells des Gewerkschaftsbundes. Er erhielt in relativen jungen Jahren diese Position, was gelegentlich auch neidisch beobachtet wurde. Ebenfalls in diese Position wurden damals Hans Schmitz (Nc) für Wien-Niederösterreich, Franz Latzka (Rd) für Kärnten und Peter Krauland (ehemals AW) für die Steiermark bestellt. Dieser war zur selben Zeit wie Maleta Senior.

In diese Zeit fallen auch Maletas Bemühungen um eine Verständigung mit der Arbeiterschaft. So war er aktiv in der „Sozialen Arbeitsgemeinschaft“ (SAG) der Vaterländischen Front tätig, die zu diesem Zweck errichtet wurde, und verfaßte die damals aufsehenerregende Broschüre „Als Sozialist im Dollfuß-Österreich“. Durch dieses Engagement erregte er aber auch das Mißtrauen der Staatspolizei.

DIE ZEIT VON 1938 BIS 1945

Am 13. März 1938 wurde Maleta verhaftet. Der Leiter des SS-Kommandos bei seiner Verhaftung war Anton Fellner (ehemals Nc), der zur gleichen Zeit Senior der Norica war wie Maleta bei der Carolina (Fellner trat als „Illegaler“ bereits vor 1938 aus dem CV aus). Maleta war zuerst im Linzer Polizeigefängnis inhaftiert und wurde dann mit dem dritten Österreicher-Transport am 16./17. Juni 1938 nach Dachau verbracht.

Bereits legendär ist sein Bericht über den Festsalamander anläßlich des 50. Gründungstages der Carolina am 18. August 1938 in der Kantine des KZ Dachau, der mit einem Ersatzkaffee gerieben wurde. Neben Maleta waren noch die Carolinen Josef Aigner jr., Friedrich Funder und Anton Mörl dabei. Der ebenfalls in Dachau inhaftierte Caroline Alfons Gorbach saß zu dieser Zeit in Sonderhaft im Bunker. Maleta nannte noch als Teilnehmer Karl Maria Stepan (Nc, Cl) und Walter Nestor (Cl). Das konnte aber nicht stimmen, denn diese kamen erst später nach Dachau.

Am 27. September 1939 wurde Maleta in das KZ Flossenbürg verlegt, kam dann am 2. März 1940 wieder nach Dachau, wurde am 11. November 1940 entlassen und kehrte nach Graz zurück, wo seine Frau und seine Tochter wohnten. Kurze Zeit später wurde er zu den Gebirgsjägern eingezogen und war an der Ostfront eingesetzt.

POLITISCHE LAUFBAHN

Nach dem Krieg wurde Maleta beruflich rehabilitiert und vorerst stellvertretender Leiter des oberösterreichischen Landesarbeitsamtes, jedoch bald danach ins Sozialministerium übernommen, dem er bis zu seiner Pensionierung, formell zuletzt als Sektionschef, angehörte. Er war aber dann als Politiker dienstfreigestellt. Auch begann er gleich mit seiner politischen Tätigkeit. Aufgrund seiner beruflichen Laufbahn vor 1938 war es naheliegend, daß er sich im ÖAAB engagierte. Bereits am 3. Oktober 1945 wurde er oberösterreichischer Landesobmann des ÖAAB (dies blieb er bis 27. August 1955). Bei den ersten Wahlen Ende November 1945 wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er nach Wiederwahlen vom 19. Dezember 1945 bis zum 4. November 1975 fast 30 Jahre angehörte.

Maleta arrangierte für den 26. Mai 1949 in der Villa seiner Schwiegereltern in Oberweis bei Gmunden (seine erste Frau ist 1945 tödlich verunglückt) im Zusammenhang mit der Gründung der sog. „Vierten Partei“, des „Verbands der Unabhängigen“ (VdU), ein Treffen zwischen hochrangigen ÖVP-Funktionären und ehemaligen Nationalsozialisten. Von ÖVP-Seite nahmen neben Maleta u. a. Julius Raab (Nc) und der oberösterreichischen ÖVP-Landesparteiobmann Albert Schöpf (AIn) teil. Seitens der „Ehemaligen“ war u. a. Taras Borodajkewycz (ehemals Nc) dabei. Das Treffen, das in die Historiographie als „Oberweiser Gespräche“ einging, blieb ergebnislos und erregte die Staatspolizei, die deswegen gegen Unbekannt wegen Landesverrat zu ermitteln begann.

Nach Jahren als „einfacher“ Abgeordneter begann Anfang der fünfziger Jahre Maletas Weg in die Spitzenpolitik. Von 1953 bis 1962 bekleidete er die Position des Klubobmannes der ÖVP im Nationalrat. Vom 19. April 1961 bis 14. Februar 1962 war er Dritter Präsident, danach als Nachfolger von Leopold Figl (Nc) bis 31. März 1970 Präsident und dann bis 4. November 1975 Zweiter Präsident des Nationalrates. Damit bekleidete er von 1962 bis 1970 das protokollarisch zweithöchste Amt der Republik. Am 9. Juni 1965 war er Vorsitzender der 9. Bundesversammlung aus Anlaß der Angelobung von Bundespräsident Franz Jonas.

Politisch bedeutender war jedoch seine Funktion als ÖVP-Generalsekretär (29. Januar 1952 bis 12. Februar 1960). Hier war Maleta der engste Mitarbeiter von ÖVP-Bundesparteiobmann Julius Raab (Nc). Mit ihm gemeinsam wurde er bereits am 14. Juni 1951 dem bisherigen ÖVP-Generalsekretär Felix Hurdes (NbW) als geschäftsführend beigegeben. Bei Raabs Ablöse als Parteiobmann verlor er das Amt als Generalsekretär an seinen innerparteilichen Konkurrenten Hermann Withalm (Nc). Doch nahtlos wurde er in ein noch bedeutenderes Amt gewählt, nämlich zum Bundesobmann des ÖAAB (30. Januar 1960 bis 22. Mai 1971), denn damit war er auch stellvertretender ÖVP-Bundesparteiobmann.

Vor allem in der letzteren Funktion sicherte sich Maleta in den sechziger Jahren den politischen Einfluß und prägte auch die Weiterentwicklung des ÖAAB von einem „Beamtenbund“ zu einer allgemeinen Arbeitnehmerorganisation, den „Hoffnungsbund“ der ÖVP. Mit Weitsicht gelang es ihm auch, seine Nachfolge im ÖAAB für Alois Mock (Nc) zu sichern.

Ebenso war Maleta während seiner Zeit als ÖVP-Generalsekretär von 1955 bis 1960 Vizepräsident der „Nouvelles Equipes Internationales“ (NEI), der damaligen Vereinigung der christlich-demokratischen Parteien Europas. Das war eine der Vorgängerinnen der nunmehrigen Europäischen Volkspartei (EVP).

Gegen Ende seiner politischen Tätigkeit bzw. nach seinem Ausscheiden aus der Politik war Maleta ab 1965 Präsident des Kuratoriums des Leopold-Kunschak-Preises, 1971 gemeinsam mit Bruno Kreisky Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission des Theodor-Körner-Stiftungsfonds und des Leopold-Kunschak-Preises zur Erforschung der Geschichte Österreichs der Jahre 1927 bis 1938. 1972 wurde er Präsident der Politischen Akademie der ÖVP, welche Funktion er bis zu seinem Tode ausübte.

Zu seinen beruflichen Funktionen zählte auch seine Tätigkeit als Mitbesitzer und Herausgeber der „Oberösterreichischen Nachrichten“. 1952 erhielt Maleta von der US-Besatzungsmacht die Erlaubnis zur Gründung dieser Tageszeitung. Erst 1954 konnte die frühere, eher deutschnational ausgerichtete oberösterreichische Tageszeitung „Tagespost“ wieder erscheinen. Im Jahr 1955 fusionierten beide, wobei Maleta an der Gesamtgesellschaft lediglich 26 Prozent behielt. Ebenso schied er als Herausgeber aus. Erst 1974, gegen Ende seiner politischen Tätigkeit, wurde er wieder einer der Herausgeber.

WÜRDIGUNG

Maleta war einer der originellsten Politiker Österreichs und der ÖVP in den ersten 30 Jahren der Zweiten Republik. Er verstand es auch, ein gewisses Maß an Intellektualität in die Politik einzubringen bzw. eine solche zu fördern. Wie kaum ein anderer ÖVP-Politiker betätigte er sich in vielfacher Hinsicht publizistisch, wobei es ihm vor allem um die theoretische Diskussion der Christlichen Demokratie ging. Er war auch Verfasser einer bis 1945 reichenden Autobiographie, die nicht nur reine Fakten beschreibt, sondern auch viel Hintergründe bietet und in ihrer Art auch originell ist. Ihr sollte noch ein zweiter Teil folgen, was aber schließlich nicht zustande kam.

Als Nationalratspräsident verschaffte sich Maleta allgemeinen Respekt und Achtung. In diesem Amt prägte er einen unverwechselbaren Stil, der sich nicht zuletzt in gewissen rituellen Formulierungen, gepaart mit der ihm eigenen Sprachfärbung, ausdrückte (etwa: „Zu Wort gemeldet hat sich der Abgeordnete XY, ich erteile es ähm!“). Sein Leben war von einer für spätere Verhältnisse beeindruckenden Vielfältigkeit geprägt, die manchmal erstaunliche Züge trägt.

Maleta blieb zeitlebens mit dem katholischen Couleurstudententum verbunden, wie auch aus seiner Autobiographie hervorgeht. Insbesondere prägte ihn die Aktivenzeit bei der Carolina, wo er ja an herausragender Stelle bei den Auseinandersetzungen mit den Schlagenden stand. Beim 60. Stiftungsfest der Carolina im Jahr 1948 in Graz hielt er die Festrede. Anläßlich des 100. Stiftungstages am 18. August 1988 erhielt er den Ehrenring der Carolina.

Anfang Januar 1990 erlitt Maleta einen Schlaganfall, dem er wenig später erlag. Er wurde zuerst in Gmunden beigesetzt. Anfang Januar 2011 erhielt er, der auch Ehrenbürger von Wien war, ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Werke

Der Sozialist im Dollfuß-Österreich. Eine Untersuchung der Arbeiterfrage (2. Aufl. 1935).
Programmatische Rede über die Arbeiterfrage (1937).
Gedanken über Politik (1946).
Christliche Demokratie in der pluralistischen Gesellschaft (1962).
Entscheidung für morgen. Christliche Demokratie im Herzen Europas (1968).
Problematik und Notwendigkeit einer wertorientierten Politik (1973).
Bewältigte Vergangenheit. Österreich 1932–1945 (1981).

Quellen und Literatur

https://stevemorse.org/dachau/details.php?lastname=MALETA&firstname=Alfred&title
Um Parlament und Partei. Alfred Maleta zum 70. Geburtstag. Hg. von Andreas Khol (R-B), Robert Prantner (Am) und Alfred Stirnemann. Graz 1976.
Slapnicka, Harry: Oberösterreich. Die politische Führungsschicht 1918 bis 1938 (= Beiträge zur Zeitgeschichte Oberösterreichs 3). Linz 1976, S. 173–175.
Hartmann, Gerhard (Baj): Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Herausgegeben von Maximilian Liebmann im Auftrag des Altherrenbundes der K. Ö. H. V. Carolina (= Grazer Beiträge zur Theologiegeschichte und Kirchlichen Zeitgeschichte Band 2). Graz 1988, bes. SS. 253–256, 273–283, 363f., 385f., 391, 402f., 466f., 470–477.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 420.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 04.05.2012
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 12.02.2018