Informationen

  Georg Prader jr.
Urverbindung: Norica (15.09.1937)
Geboren: 15.06.1917, St. Pölten
Gestorben: 16.03.1985, Wien
Position: Bundesminister, Nationalratsabgeordneter, Mitglied des Bundesrates, ÖVP- und ÖAAB-Landesparteivorsitzender, Landesbeamter

Lebenslauf

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Prader wurde als Sohn des Gymnasiallehrers und späteren niederösterreichischen Landesrats Georg Prader sen. (Nc) geboren und absolvierte 1936 das Gymnasium der Benediktiner in Seitenstetten. In seiner Jugend wurde er durch seine Eltern und durch sein Engagement in katholischen Jugendorganisationen geprägt und sozialisiert. Im Herbst 1937 begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1946), wo er der Norica beitrat (Couleurname Hinze).

Im Jahr 1940 wurde er zur Deutschen Wehrmacht einberufen und war an der Ost- und Westfront eingesetzt. Im letzten Kriegsjahr wurde er schwer verwundet (Amputation des rechten Beines). Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft konnte er 1946 sein Studium beenden und trat nach dem Gerichtsjahr in den niederösterreichischen Landesdienst ein, dem er bis zu seiner Pensionierung als wirklicher Hofrat angehörte, obwohl er aufgrund seiner politischen Funktionen die meiste Zeit dienstfreigestellt war.

PRADERS POLITISCHER AUFSTIEG

Prader engagierte sich ab 1949 in der Personalvertretung bzw. der Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten und konnte im niederösterreichischen Landesdienst den ÖAAB bzw. die Fraktion Christlicher Gewerkschaft (FCG) zur dominierenden Kraft machen, so daß die ÖAAB-FCG-Liste bei der Personalvertretungswahlen 1962 im Zentralausschuß 18 von 19 Mandate erhielt.

Unter Praders Führung wurden die niederösterreichischen Landesbediensteten zur dominierenden Kraft im niederösterreichischen ÖAAB. All das hatte Folgen für weitere politische Funktionen. So war er vom 10. November 1954 bis 9. Juni 1959 Mitglied des Bundesrates (vom niederösterreichischen Landtag entsandt), obwohl der niederösterreichische Landesparteobmann Julius Raab (Nc) ihm gegenüber Reserven hatte, weil er vor 1933 bzw. 1938 ein innerparteilicher Gegner von Georg Prader sen. war. Ab 9. Juni 1959 gehörte Prader dann bis zum 4. Juni 1979 – also fast genau 20 Jahre – dem Nationalrat an.

Es folgten dann auch Parteifunktionen. Ab 1956 war Prader stellvertretender Landesobmann des ÖAAB Niederösterreich, am 27. Mai 1967 wurde er zum Landesobmann gewählt. Damit wurde er auch Mitglied des Bundesparteivorstands der ÖVP, was er bis 1972 blieb. Bereits am 25. September 1965 wurde er stellvertretender Bundesobmann des ÖAAB. Am 5. März 1967 wurde er zum Landesparteiobmann der ÖVP Niederösterreich gewählt. Es war dies die Zeit der sog. Affäre Viktor Müllner (ehemals Dan EM), deren Bereinigung u. a. die wichtigste Aufgabe Praders war. Dies gelang ihm weitgehend, so daß die Landtagswahlen im Oktober 1969 für die ÖVP glimpflich ausgingen.

PRADER ALS VERTEIDIGUNGSMINISTER

Bei der Bildung der neuen Regierung von Josef Klaus (Rd) wurde Prader Bundesminister für Landesverteidigung. Dieses Amt bekleidete er knapp mehr als sechs Jahre vom 2. April 1964 bis zum 21. April 1970.

In seiner Amtszeit wurden 1965 die Zielsetzungen für die Umfassende Landesverteidigung verabschiedet und 1967 die bisherige Stabsakademie zur Landeverteidigungsakademie erweitert. Prader rückte bei der Traditionspflege von Bezügen zur Deutschen Wehrmacht ab und betonte die österreichische Tradition. So ließ er auch Kasernen nach Widerstandskämpfern benennen (z. B. Biedermann-Huth-Raschke in Wien-Breitensee).

Die Mobilisierungs- und Landwehrorganisation wurde in seiner Zeit weitgehend ausgebaut, und bei den Unteroffizieren wurden besser Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen. Vor allem legte Prader auf spezifische Öffentlichkeitsarbeit wert. So wurden unter ihm die Angelobungsfeierlichkeiten in der Öffentlichkeit abgehalten, und die Militärmusikkapellen wurden zu Konzerten herumgeschickt.

In Praders Amtszeit fielen zwei heikle und in ihrer Art einmalige Einsätze des Bundesheeres. Im Sommer 1967 mußte Einheiten des Bundesheeres die Grenze zu Italien wegen der Terroranschläge in Südtirol kontrollieren.

Der zweite Einsatz des Bundesheeres fand anläßlich der Besetzung der Tschechoslowakei am 21. August 1968 durch Truppen des Warschauer Paktes statt. Dabei kam es zu Kritik an Prader. Er stellte im Ministerrat den Antrag, die Einheiten des Bundesheeres 30 km von der Grenze zu stationieren, um die Lage nicht zu eskalieren.

Ein nicht gerade günstiges Licht fiel auf die Umstände, daß Bundeskanzler Josef Klaus in der Nacht zum 21. August in seinem Sommerhaus im Tullner Feld ohne Telefonanschluß weilte und von seinem Sekretär, dem späteren Bundespräsidenten Thomas Klestil (Baj) zeitig in der Früh geweckt abgeholt werden mußte; und daß Prader ebenfalls in seinem Sommerhaus am Erlaufsee war. Das Bild, das damals die Bundesregierung gab, war u. a. eine der Ursachen für die Wahlniederlage 1970.

DIE ZEIT NACH 1970

Prader blieb nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt politisch aktiv. Mit 53 Jahren war er für ein Ausscheiden noch zu jung, obwohl er als „abgewähltes“ Regierungsmitglied natürlich nicht mehr zu den Hoffnungsträgern der ÖVP zählte. Daher zog er sich in den folgenden Jahren sukzessive von politischen Funktionen zurück.

Doch davor sollte 1971 Prader bei der Nachfolge von Alfred Maleta (Cl) als ÖAAB-Bundesparteiobmann eine zentrale Rolle zukommen. Im März wurde er vom Bundesvorstand als dessen Nachfolger designiert. Als es daraufhin zu einer medialen Kampagne gegen ihn kam, verzichtete er auf diesen Posten und schlug überraschend Alois Mock (Nc) als Kandidaten vor, dessen politische Karriere damit begann.

Am 5. April 1974 endete Praders Funktion als stellvertretender Bundesobmann des ÖAAB. Ein Jahr später, am 5. März 1975 übergab er den Landesparteiobmann Niederösterreichs an Landeshauptmann Andreas Maurer, wobei dann der spätere Landeshauptmann Siegfried Ludwig (AW) geschäftsführender Landesparteiobmann wurde. Den Obmann des niederösterreichischen ÖAAB legte er am 19. November 1978 zurück, Siegfried Ludwig wurde hier sein Nachfolger,

Prader verstand es vorzüglich, den politischen Nachwuchs zu fördern. Dazu zählten u. a. die bereits genannten Mock und Ludwig, aber auch der spätere Landesverteidigungsminister und Zweite Nationalratspräsident Robert Lichal (Rt-D) und der Vorsitzende der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, Johann Gassner (Rt-D EM).

Prader engagierte sich aufgrund seiner schweren Kriegsverletzung beim Kriegsopferband, dessen Vorstandsmitglied er bis zu seinem Tod war. Er war auch Ehrenphilister der MKV-Verbindungen Ostgau Wien und Marko-Danubia Korneuburg. Er war verheiratet, sein Sohn Thomas Prader (ehemals Nc) ist engagierter Rechtsanwalt.

Prader wurde in St. Pölten begraben.

Werke

Über die Gesellschaft nach bürgerlichem Recht (Jur. Diss. 1946).
Niederösterreichische Gemeindeordnung (1952).
Österreich – seine Neutralität und sein Schutz. Gemeinsam mit Marian Heitger (Wf) und Manfred Scheich (F-B) (1969).
Die Spott-Drossel. Poetische Kurzweil für die politische Bierbank. Den Wählern gewidmet (o. J.).

Quellen und Literatur

Martens, Christian: Georg Prader, in: Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik. Hg. von Herbert Dachs, Peter Gerlich und Wolfgang C. Müller. Wien 1995, S. 455–460.
Lichal, Robert (Rt-D)/Rozum, Karl (Hg.): Gelebte Politik – Georg Prader 1917–1985. Maria Enzersdorf o. J.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 16.05.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 11.12.2017