Informationen

  Johann Gassner
Ehrenmitgliedschaften: Rhaeto-Danubia
Geboren: 03.12.1933, Wien
Gestorben: 05.07.1985, Wien
Position: Nationalratsabgeordneter, stellvertretender Vorsitzender des Bundesrates, Vizepräsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Generalsekretär des ÖAAB, Vizebürgermeister (Mödling), Landesbeamter (Niederösterreich)

Lebenslauf

Gassner besuchte die Volksschule sowie die Unterstufe eines Gymnasiums, um dann an die Höhere Technische Lehr- und Versuchsanstalt Mödling, Abteilung Tiefbau, zu wechseln, wo er 1952 maturierte. Damit war der Berufstitel Ingenieur (Ing.) verbunden. Danach trat er in den Dienst der niederösterreichischen Landesregierung (Bundesstraßenverwaltung).

Gassner engagierte sich bald sowohl in der Personalvertretung wie in der Mödlinger Kommunalpolitik. Seit 1962 Mitglied der Zentralpersonalvertretung der niederösterreichischen Landesbeamten wurde er 1964 deren Obmann-Stellvertreter. Dadurch entstand ein Bezug zum ÖAAB, und er kam 1967 sowohl in den Landesvorstand Niederösterreich wie in die Bundesleitung des ÖAAB. Am 1. August 1967 wurde er zum Landessekretär des ÖAAB Niederösterreich bestellt, welches Amt er bis zum 12. Dezember 1970 ausübte. Am 1. Juli 1972 wurde er von Alois Mock (Nc) zum Generalsekretär des ÖAAB berufen und bekleidete dieses Amt bis zum 30. Oktober 1975.

Dieses parteipolitische Engagement zog politische Funktionen nach sich. Am 20. November 1969 wurde er vom niederösterreichischen Landtag zum Mitglied des Bundesrates gewählt, welches Amt er bis zum 4. November 1975 ausübte. Vom 6. Dezember 1973 bis zum 4. November 1975 war er Nachfolger von Fritz Eckert (Am EM) als ständiger stellvertretender Vorsitzender des Bundesrates, womit die Funktion eines ÖVP-Fraktionsführers im Bundesrat verbunden war. Sein diesbezüglicher Nachfolger war dann Herbert Schambeck (Rd). 1975 kandidierte Gassner dann bei den Wahlen für den Nationalrat, wurde gewählt und gehörte diesem vom 4. November 1975 bis zu seinem Tod an.

Durch sein Engagement in der Personalvertretung war Gassner automatisch bei der Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes und der Fraktion Christlicher Gewerkschafter im ÖGB aktiv involviert. Bereits ab 1974 war er stellvertretender Vorsitzender der Landesexekutive Niederösterreich des ÖGB. Als Erwin Altenburger (Rt-D EM) 1975 als Vizepräsident des ÖGB und als Bundesvorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) zurücktrat, wurde Gassner vorerst nur zum Bundesvorsitzenden der FCG gewählt. Seitens der Fraktion sozialistischer Gewerkschafter bemängelte man, daß Gassner im ÖGB nicht genügend verankert war, so daß seine Wahl zum Vizepräsidenten des ÖGB erst am am 14. September 1979 erfolgte.

Parallel zu seiner politischen bzw. gewerkschaftlichen Tätigkeit engagierte sich Gassner auch in der Kommunalpolitik. So wurde er bereits 1965 in den Gemeinderat von Mödling gewählt, der ihn gleich zum Stadtrat (Gemeindevorstand) berufen hatte. Gleichzeitig war er auch ÖVP-Fraktionsführer im Gemeinderat und ÖVP-Stadtparteiobmann. Von 1973 bis 1975 bekleidete er das Amt eines Ersten Vizebürgermeisters. Danach schied er aus der Kommunalpolitik.

Gassner war ab 1967 Mitglied der Landesparteileitung der ÖVP Niederösterreich sowie ab 1972 Mitglied der ÖVP-Bundesparteileitung und ab 1979 Vizepräsident der Europäischen Union Christlich-Demokratischer Arbeitnehmer.

Gassner starb überraschend und relativ jung im 52. Lebensjahr. Er hatte seinen Vorgänger Altenburger nur knapp mehr als ein Jahr überlebt. Unter normalen Umständen hätte seine politische Tätigkeit bis um die Jahrhundertwende gedauert. Möglicherweise wären noch weitere politische Funktionen auf ihn zugekommen, insbesondere nach dem Wiedereintritt der ÖVP in die Regierung Anfang 1987. Nicht zuletzt unter dem Eindruck des frühen Todes wurde das „Christliche Vereinshaus“ in der Laudongasse (Wien-Josefstadt), in dem der ÖAAB und die Fraktion Christlicher Gewerkschafter ihren Sitz haben, in „Johann-Gassner-Haus“ unbenannt.

Quellen und Literatur

Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, S. 144f.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 06.06.2014
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 02.06.2017