Informationen

  Josef Krainer
Ehrenmitgliedschaften: Austria Innsbruck
Geboren: 26.08.1930, Graz
Gestorben: 30.12.2016, Graz
Position: Landeshauptmann (Steiermark). Nationalratsabgeordneter, Landtagsabgeordneter (Steiermark). ÖVP-Landesparteiobmann (Steiermark), Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark

Lebenslauf

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND POLITISCHER EINSTIEG

Krainer wurde als Sohn des Josef Krainer sen. (BbG EM), des damaligen Gewerkschaftssekretärs der Land- und Forstarbeiters und späteren Landeshauptmanns der Steiermark, geboren. Nach der Volksschule besuchte er das 4. Bundesgymnasium in Graz, das sog. „Oeverseegymnasium“ (bezeichnet nach der Gasse, wo sich dieses Gymnasium befindet). Nach der Matura im Jahr 1949 begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz (Dr. iur. 1954). Im Studienjahr 1951/52 studierte er als Fulbright-Stipendiat an der University of Georgia in Athens (USA).

Nach dem Gerichtsjahr und der Promotion war Krainer 1954/55 am Bologna Center of the School of Advanced International Studies der John Hopkins University Baltimore. Während seiner Universitätsjahre in Graz engagierte er sich in der Katholischen Hochschulgemeinde Graz und war Primus der dortigen Katholischen Hochschuljugend (KHJ). Nach seiner Rückkehr aus Bologna wurde er 1956 zum Generalsekretär der Katholischen Aktion (KA) der Diözese Steiermark bestellt. Krainer war stark von den Ideen der KA geprägt, die in der Steiermark in den fünfziger und sechziger Jahren eine besondere intensive Ausformung erfahren hatte und die in Konkurrenz zum und zeitweise in Konfrontation mit dem CV stand.

Von 1962 bis 1966 war Krainer Assistent am Institut für Finanzwissenschaft und Finanzrecht (Prof. Anton Tautscher). Eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn verfolgte er jedoch nicht, sondern trat 1966 als Direktorstellvertreter in den Dienst des Steirischen Bauernbundes, der damals innerhalb der steirischen ÖVP der wohl einflußreichste Bund war. 1969 wurde er dann dessen Direktor. Als Anfang Juni 1969 der damalige Unterrichtsminister Theodor Piffl-Percevic zurücktrat, war Krainer im Gespräch als dessen Nachfolger, lehnte aber ab, so daß Alois Mock (Nc) zum Minister ernannt wurde. Überlegungen, das Nationalratsmandat von Piffl-Percevic zu übernehmen, konnten nicht realisiert werden. Da Krainer nicht auf der ÖVP-Kandidatenliste stand, hätten alle anderen auf ihr verzichten müssen. Er hätte dann nachnominiert werden können, was aber zu einer öffentlichen Debatte führte.

Aufgrund seiner Stellung als Direktor des steirischen Bauernbundes war jedoch die weitere politische Karriere Krainers nicht aufzuhalten. Er kandidierte daher 1970 und 1971 bei den Wahlen zum Nationalrat, wurde gewählt und gehörte diesem ab 31. März 1970 an. Der plötzliche und relativ frühe Tod seines Vaters Josef Krainer sen. (er stand im 69. Lebensjahr), des amtierenden Landeshauptmanns der Steiermark, am 28. November 1971, dem 1. Adventssonntag, stellte für den „jungen Krainer“ die politischen Weichen neu. Das Erbe des „alten Krainer“ mußte bestellt werden. Gemäß dessen Wunsches wurde der bisherige Landeshauptmannstellvertreter Friedrich Niederl (BbG EM) zum Landeshauptmann gewählt.

IN DER STEIRISCHEN LANDESREGIERUNG 1971 BIS 1996

Auf den frei gewordenen Sitz in der steirischen Landesregierung wurde am 10. Dezember 1971 Josef Krainer jr. gewählt. Hierauf legte er am 13. Dezember sein Nationalratsmandat zurück. Ebenso beendete er formell seine Tätigkeit als Bauernbunddirektor, sein Nachfolger in dieser Position wurde für kurze Zeit Karl Maitz (BbG EM). Als Landesrat unterstanden ihm die für die ÖVP wichtigen Agrar- und Bauangelegenheiten. Im letzten Fall ging es damals um den Aus- und Weiterbau der Süd- sowie der Pyhrnautobahn und um wichtige Ortsumfahrungen.

Die politische Bedeutung Krainers wurde manifest, als er am 18. März 1972 zum geschäftsführenden Landesparteiobmann der ÖVP gewählt wurde. Niederl wurde zwar Landesparteiobmann, doch Krainers Einfluß in der Landesregierung und in der ÖVP war daher entsprechend und nicht zu unterschätzen. Wolfgang Mantl (Nc) bezeichnet ihn als „Dynamo“ hinter und neben Friedrich Niederl, Dieter A. Binder als „personelle und politische Schaltstelle“. Die siebziger Jahre waren in der Steiermark geprägt von der Umorganisierung der verstaatlichten Eisen- und Stahlindustrie. Die für die Obersteiermark wichtige steirische Alpin Montan AG wurde 1973 mit der VOEST Linz zusammengelegt.

Krainer kandidierte zwar 1974, 1978, 1981, 1986, 1991 und 1996 für die Wahlen zum steirischen Landtag, wurde jeweils gewählt, legte aber am Tag der Landtagskonstituierung am 12. November 1974, 18. Oktober 1986 und 23. Januar 1996 oder weniger Tage später sein Mandat zurück (23. Oktober bis 16. November 1978; 21. bis 28. Oktober 1981; 18. Oktober bis 5. November 1991). Als Landeshauptmann Niederl 1980 zurücktrat, wurde Krainer am 4, Juli 1980 zum Landeshauptmann gewählt. Dieses Amt bekleidete er mehr als 16 Jahre bis zum 23. Januar 1996. Insgesamt war er 24 Jahre, einen Monat und zehn Tage Mitglied der steirischen Landesregierung. Sein Vater Josef Krainer sen. war genau 25 Jahre und elf Monate Mitglied der steirischen Landesregierung. Vom 28. Dezember 1945 bis zum 23. Januar 1996 – mehr als ein halbes Jahrhundert – war der Name Krainer mit der Steiermark verbunden. Eine solche Konstellation ist in der Geschichte des republikanischen Österreichs bislang einmalig.

Krainer jr. – oft auch „Joschi“ genannt – trug in der Steiermark politische Verantwortung in einer Zeit des Wandels. In Österreich begann 1970 die Ära der sozialdemokratischen Bundeskanzler, die die Amtszeit Krainers überdauern sollte. Die Steiermark grenzte im Südosten Österreichs an den kommunistischen Machtbereich. Dieser Situation stellte sich Krainer jr. mit seiner regionalpolitischen bzw. außenpolitischen Initiative ARGE Alpen-Adria. Neben dem Strukturwandel in der obersteirischen Stahlindustrie gab es einen solchen in diesen Jahren auch in der Landwirtschaft. Es gelang aber, durch gemeinsame Anstrengungen von Bund und Land die Folgen für die Menschen im Rahmen zu halten.

Krainer jr. legte in seiner Amtszeit besonderen Wert auf den Ausbau der Infrastruktur. Hier hinkte die Steiermark gegenüber den westlichen Bundesländern besonders nach. Der Vollausbau der Südautobahn von Wien nach Graz sowie dann später weiter bis Klagenfurt, ebenso jener der Pyhrnautobahn nach Linz und der Bau einer Schnellstraße im Mürz- und Murtal waren ein wichtiges Anliegen. Ein Schwerpunkt seiner Amtszeit lag auch in der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Innovation sowie in Fortführung von Hanns Koren (Cl EM) auch in der Kultur. In diesem Zusammenhang ist vor allem die von ihm gegründete Denkwerkstatt „Modell Steiermark“ zu nennen. Landespolitisch bedeutsam waren auch die Errichtung eines Landesrechnungshofes, die Gründung einer Spitalsholding sowie die Entschwefelung von Kraftwerken.

Die steirische ÖVP kultivierte innerhalb der ÖVP seit den fünfziger Jahren eine gewisse Oppositionsrolle, die in den sechziger Jahre mit den sog. „Reformern“ erstmals bedeutsam wurde, als es um den Übergang von der Ära der Bundeskanzler Leopold Figl (Nc) und Julius Raab (Nc) ging. Die Installierung von Alfons Gorbach (Cl) als ÖVP-Parteiobmann und Bundeskanzler war ein sichtbares Zeichen dafür. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre wurde diesbezüglich ein gewisser Höhepunkt erreicht, der sogar zu Gerüchten einer Abspaltung nach dem Vorbild der CSU führte. 1985/86 wurde in der Steiermark das politisch problematische Anti-Draken-Volksbegehren initiiert, um eine ausschließliche Stationierung dieser Kampfflugzeuge auf den steirischen Fliegerhorsten Thalerhof und Zeltweg zu verhindern. Das setzte sich dann ab 1987 in der Konfrontation mit dem damaligen Verteidigungsminister Robert Lichal (Rt-D) fort, gegen den die steirischen VP-Abgeordneten sogar einen Mißtrauensantrag im Nationalrat einbrachten. Als sich Ende Juni/Anfang Juli 1991 die Krise um den Auflösungsprozeß Jugoslawiens zuspitzte, war man allerdings in der Steiermark froh, das Bundesheer zu haben. Eigentlich ging es in dieser Sache um die Demontage von ÖVP-Bundesparteiobmann Alois Mock als ÖVP-Bundesparteiobmann, die dann 1989 zugunsten des dann glücklosen Steirers Josef Riegler erreicht wurde.

Bei den Landtagswahlen der Jahre 1981 und 1986 konnten Krainer und die ÖVP zwar die absolute Mehrheit behaupten. Doch die Umwälzungen im österreichischen Parteiengefüge durch den Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider machten auch vor der Steiermark nicht halt. 1991 ging die Absolute verloren, und bei den Wahlen am 17. Dezember 1995 mußte die ÖVP einen dramatischen Verlust von 8 Prozentpunkten hinnehmen (von 44,2 auf 36,2) und blieb mit wenigen hundert Stimmen nur knapp stärkste Partei. An diesem Wahltag gab es auch Nationalratswahlen, so daß die steirische ÖVP in deren Sog geriet. Krainer trat daraufhin zurück, und Waltraud Klasnic wurde seine Nachfolgerin. Im 66. Lebensjahr stehend zog er sich ins Privatleben zurück.

KRAINER UND DER CV

Krainer jr. sowie in Wien Erhard Busek und Wolfgang Schüssel gehörten zu dem Kreis jener Politiker in der ÖVP, die ihre politische Sozialisation nicht durch CV erfahren hatten, sondern in der Katholischen Aktion (KA) bzw. in der Katholischen Hochschulgemeinde. Ab den fünfziger und sechziger Jahren hat sich hier eine gewisse Konkurrenz zum CV als institutionelles Elitereservoir für die ÖVP herausgebildet.

Die Steiermark wurde eines der „klassischen“ KA-Länder. Unterstützt vom damaligen Styria-Generaldirektor Karl M. Stepan (Nc) entstand in Verbindung mit der Redaktion der zur Styria gehörenden „Kleinen Zeitung“ und der Katholischen Hochschulgemeinde jene Vorrangstellung der KA, die auch politische Auswirkungen zeigte.

In der Steiermark trafen sich parteipolitische und kirchliche Interessen. Einerseits war man dort seitens der ÖVP der Meinung, das Erscheinungsbild des CV sei ein Hindernis „für die Amalgamierung der ehemaligen Gegner“, andererseits herrschte in der Kirche (wo in der Steiermark die vom Bund Neuland dominierte KA den Ton angab) äußerste Skepsis, ja Ablehnung gegenüber dem katholischen Vereinswesen. Für den CV in der Steiermark war es in dieser Hinsicht äußerst erschwerend, daß auch Alfons Gorbach (Cl) diesen Kurs aktiv unterstützten. Damit wurde die Steiermark das wohl intensivste „KA-Land“.

Die Spannungen zwischen ÖCV und KA übertrugen sich von der innerkirchlichen auch auf die politische Ebene, wie der aufmerksame politische Beobachter feststellen konnte. Nach der Nationalratswahl erschien am 13. Oktober 1990 in der „Kleinen Zeitung“ ein von CVern unterzeichnetes Inserat mit dem Titel „Die Zeit der Visionen ist vorbei!“ Dabei wurde die Demontierung des Parteiobmanns Alois Mock (Nc) 1989 kritisiert, um einen neuen „handzahmen Parteiobmann“ (nämlich den steirischen KA-Mann Josef Riegler) zu kreieren. Das desaströse Wahlergebnis für die ÖVP sei nun die Quittung dafür. Die von Krainer und der Landes-ÖVP oft zitierte „steirische Breite“ konnte auch erdrückend sein.

Wie eine Art „Götterdämmerung“ wirkte Ende 1995 der Verlust der jahrzehntelangen ÖVP-Mehrheit in der Steiermark, weil diese Niederlage – obwohl mehrheitlich banale hausgemachte Gründe dafür verantwortlich waren – eine Landes-ÖVP traf, wo bald nach 1945 eine besondere Spielart der KA-Ideologie personell im Vorder- wie im Hintergrund dominierte und der CV politisch weitgehend marginalisiert war.

Nach dieser Vorgeschichte war es für viele im CV und in der KA sowie bei politischen Beobachtern nahezu eine Sensation, daß die Austria Innsbruck im Juni 1984 beschlossen hatte, Krainer jr. die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Betrieben hat das nach eigener Aussage der aus Graz stammende Bandphilister und in Innsbruck lehrende Rechtshistoriker Kurt Ebert (Cl). Er und Krainer jr. kannten sich nachbarschaftlich und aus gemeinsamen Assistentenzeiten aus der Universität Graz.

Am Weihnachtskommers der Austria am 15. Dezember 1984 fand die Bandverleihung statt. Aus Graz kam mit der ÖBB ein eigener Sonderwaggon mit Angehörigen des CV angereist – jedoch ohne Chargierte. Seitens der Verbandsführung war der Vorortspräsident Georg Feith (GlL), später Vorsitzender der Verbandsführung, vertreten. Die Laudatio hielt der Ehrensenior der Austria und langjährige Rechtspfleger des ÖCV, Karl Kohlegger (AIn).

Krainer jr., umschlungen von Band der Austria, führte in seiner Dankesrede u. a. aus: „Wir dürfen uns auch nicht in unsere Schneckenhäuser und Sakristeien zurückziehen, wir dürfen kein intellektuelles Schattenboxen veranstalten, sondern wir müssen gerade auch angesichts der neuen Herausforderungen, die uns die Zeit stellt, offen christliches Zeugnis ablegen und neue Brücken schlagen. Als einen solchen Brückenschlag betrachte ich es auch, daß Ihr einen ehemaligen Primus der KHJÖ das Ehrenband der Austria verliehen habt.“ Das Band der Austria sollte er danach nie wieder tragen.

Inzwischen ist die Zeit über den Konflikt KA–CV hinweggegangen, und es gibt beim politischen Einfluß auch keine nennenswerte Konkurrenz mehr zwischen CV und Katholische Hochschulgemeinden.

DAS BEGRÄBNIS

Krainer jr. ist nach längerer Krankheit verstorben. Und wie immer in Österreich wurde sein Begräbnis eine besondere Manifestation. Am Montag, dem 9. Januar 2017, wurde die Einsegnungsmesse in der Heimatpfarrkirche Krainers, in Graz–St. Veit vom ehemaligen Diözesanbischof Egon Kapellari (Ca EM) zelebriert. Eingeladen dazu war neben den zahlreichen Familienangehörigen nur eine begrenzte Zahl von politischen Weggefährten und Freunden, so u. a. auch der aus der Nähe von Graz stammende ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. Im Anschuß an den Gottesdienst hielt Wolfgang Mantl (Nc), ein langjähriger enger Weggefährte Krainers, eine Ansprache. Danach wurde Krainer jr. auf dem Friedhof Graz–St. Veit beigesetzt.

Am nächsten Tag, am Dienstag, dem 10. Januar, wurde ein Requiem im Grazer Dom zum Gedächtnis an Krainer jr. zelebriert. Während tags zuvor bei der Messe keine Chargierten zugegen waren, chargierten neben der Austria Innsbruck alle steirischen Verbindungen. Danach gab es einen Trauerakt im Grazer Landhaus (Landtagssitzungssaal), zu dem u. a. zahlreiche amtierende wie ehemalige Landeshauptleute erschienen sind.

Quellen und Literatur

Academia intern, Februar 1985, S. V.
Austrier-Blätter Nr. 54, 1985, S. 11–24 (Reden Kohlegger und Krainer jr.)
Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, S. 302f.
Mantl, Wolfgang (Nc): Josef Krainer jun. – Politik im Wandel der Zweiten Republik, in: Die Landeshauptleute der Steiermark. Hg. von Alfred Ableitinger, Herwig Hösele und Wolfgang Mantl. Graz 2000, S. 151–198 (panegyrisch).
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 541–548 sowie 654–659 und 692–695.
Binder, Dieter A./Wassermann, Heinz P.: Die steirische Volkspartei oder die Wiederkehr der Landstände. Graz 2008, S. 80f. (und passim).
Kleine Zeitung, 31. 12. 2016 sowie 10./11. 1. 2017
Die Presse, 30. 12. 2016 sowie 10./11. 2017.
Kurt Ebert (Cl), Email vom 16. 1. 2017


Erstellt von Gerhard Hartmann am 28.01.2017
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 28.01.2017