Informationen

  Hans Karl Frhr. Zeßner von Spitzenberg
Urverbindung: Teutonia Freiburg i.d. Schweiz (07.11.1905)
Bandverbindungen: Fd, NbW
Geboren: 04.02.1885, Dobritschan (Dobříčany, Nordwestböhmen, südöstlich von Saaz [Zatec])
Gestorben: 01.08.1938, Dachau (Bayern)
Position: Mitglied des Bundeskulturrates, Hochschulprofessor, NS-Opfer
Politische Haft: 1938 Polizeigefängnis und Landesgericht Wien, KZ Dachau

Lebenslauf

Zeßner wurde auf Schloß Dobritschan als Sohn des Gutsbesitzers Heinrich Frhr. Zeßner von Spitzenberg und der Elisabeth, geb. Gräfin Nostiz-Rieneck, geboren. Die Familie Zeßner wurde bereits 1598 in Böhmen geadelt. 1698 wurde sie in den Reichsritterstand erhoben, 1768 erfolgte durch Kaiserin Maria Theresia in ihrer Eigenschaft als Königin von Böhmen die Erhebung in den böhmischen Freiherrenstand. Seit 1821 war die Gutsherrschaft Dobritschan (749 ha) im Besitz der Familie. Heinrich Frhr Zeßner von Spitzenberg erbte als einziger Sohn das Gut. Dieser hatte zwei Söhne – darunter den jüngeren Karl – und fünf Töchter.

Ab 1891 wurde Zeßner von einem Privatlehrer unterrichtet, ab Herbst 1895 besuchte er das humanistische Gymnasium im nahegelegenen Saaz (Žatec), das er 1903 absolvierte. Seine Erziehung durch seine Eltern war stark religiös und habsburgisch-österreichisch geprägt, was auch dazu führte, daß er das deutschnationale Gedankengut scharf ablehnte. Sein Vater war zeitweise böhmischer Landtagsabgeordneter und aktiver Duellgegner.

Im Oktober 1903 begann Zeßner das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag (Dr. iur. 1909). Aufgrund seiner starken religiösen Ausrichtung bemühte er sich in Prag um die Wiedererrichtung einer Adeligenkongregation, was dann im April 1905 in die Tat umgesetzt wurde. Er fand in Prag auch Kontakt zur Ferdinandea, trat ihr aber vorerst nicht bei, weil es damals für einen Adeligen als standeswidrig betrachtet wurde, in einer Studentenverbindung aktiv zu werden. Sein Vater dürfte auch anfänglich dagegen gewesen sein.

Ab dem Wintersemester 1905/06 studierte Zeßner in Freiburg/Schweiz. Dort wurde er zum einen für die Soziale Frage interessiert, zum anderen trat er – nachdem offenbar familiäre Widerstände überwunden werden konnten – der Teutonia bei (Couleurname Götz). Nach seiner Rückkehr nach Prag 1908 konnte er dann seinem ursprünglichen Wunsch folgen und wurde bei Ferdinandea aktiv.

Während seiner Studienzeit in Prag hielt Zeßner weiterhin engen Kontakt zu seiner unmittelbaren Heimat, die ja nur eine Eisenbahnstunde entfernt war. So gründete er in Dobritschan einen Christlich-deutschen Volks- und Leseverein. Ebenso arbeitete er für die Landarbeiter einen kollektiven Arbeits- und Tarifvertrag aus. Dies war der erste dieser Art nicht nur in Österreich, sondern im ganzen deutschen Sprachraum.

Nach Absolvierung seines rechtswissenschaftlichen Studiums studierte Zeßner an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin Kameralistik und Nationalökonomie (Dr. phil. 1911). Danach trat er in den Dienst der k. k. Statthalterei in Prag, war dann in den Jahren 1913/14 in der Abteilung Agrarstatistik der Statistischen Zentralkommission in Wien tätig und wechselte 1914 nach Oberösterreich, wo er bis 1918 an der Bezirkshauptmannschaft in Braunau/Inn tätig war. Wegen einer Hauterkrankung wurde er nicht assentiert und ersparte sich dadurch den Kriegsdienst.

BERUFLICHE LAUFBAHN

Im Mai 1918 wurde Zeßner in das k. k. Ackerbauministerium nach Wien berufen. Anfang 1919 wurde er in den Verfassungsdienst der Staatskanzlei, später Bundeskanzleramt, versetzt und war dort u. a. Mitarbeiter von Hans Kelsen, der die Entstehung der Bundesverfassung betreute. Bis zu seinem Wechsel 1931 an die Hochschule für Bodenkultur war er zuletzt als Sektionsrat stellvertretender Leiter des Verfassungsdienstes.

1920 habilitierte sich Zeßner für Allgemeines und Österreichisches Verwaltungsrecht an der Hochschule für Bodenkultur. 1931 wurde er zuerst zum ao., dann zum o. Hochschulprofessor für Verfassungs- und Verwaltungsrecht an der Hochschule für Bodenkultur berufen. Dort lehrte er die für die Ausbildung in Land- und Forstwirtschaft sowie Kulturtechnik notwendigen juristischen Kenntnisse.

Auf dieser Hochschule nahm Zeßner wegen der dort herrschenden nationalliberalen Gesinnung eine Außenseiterposition ein. Er bekämpfte dort die deutschnationale bzw. dann nationalsozialistische Agitation unter den Studenten und Professoren. So fand nach den deutschen Reichstagswahlen vom März 1933 im Festsaal eine Anschlußkundgebung der Studentenschaft statt, gegen die sich nur zwei Professoren, nämlich Zeßner und Emmerich Zederbauer (NbW EM) (o. Prof. für Obst- und Gartenbau), aussprachen.

Der nationalsozialistische Terror auf der Hochschule nahm derart zu, so daß sie gegen Ende des Sommersemesters 1933 geschlossen wurde. Anfang 1934 wurden Vorlesungen Zeßners gestört und die Tür seines Dienstzimmers mit Hakenkreuzen beschmiert. In der Folge kam es auch zu Sprengstoffattentaten vor und in der Hochschule. In dieser angespannten Situation übernahm er die Funktion eines Disziplinaranwaltes der Hochschule, wo er radikale nationalsozialistische Studenten auch relegieren mußte. Das förderte nicht zuletzt sein Feindbild bei den Nazis.

1935 übernahm Zeßner an der dortigen Hochschule sowie an der Hochschule für Welthandel und 1937 auch an der Technischen Hochschule die „Vorlesungen zur weltanschaulichen und staatsbürgerlichen Erziehung über die ideellen und geschichtlichen Grundlagen des österreichischen Staates“ gemäß des Hochschulerziehungsgesetzes von 1935. Bereits 1932 wurde ihm der Titel Hofrat verliehen.

ZESSNERS POLITISCHE GRUNDIDEEN

Nach der Zäsur von 1918, die Zeßner als Katastrophe empfand, schloß er sich seiner Einstellung gemäß der monarchistischen Bewegung an. 1921 entstand aus mehreren Gruppen der „Reichsbund der Österreicher“, dessen Vizepräsident er dann auch zeitweise war. Er engagierte sich auch im Bestreben, die Habsburgergesetze juristisch zu überprüfen. Er entwickelte nicht nur eine glühende Anhänglichkeit an den monarchischen Gedanken, sondern auch an die Person des letzten Kaisers Karl I. und dann an dessen Sohn Otto Habsburg-Lothringen (NbW EM).

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte Zeßner den Gedanken einer eigenen österreichischen Nation auf der Basis einer „sozialen Monarchie“. Österreich sollte eine Brückenfunktion im südosteuropäischen Raum ausüben und Bindeglied in Mitteleuropa sein. In Ernst Karl Winter (NbW) fand er einen Partner für seine Ideen. Zusammen mit u. a. August Maria Knoll (NbW) und Alfred Missong (NbW EM) gründeten sie im Herbst 1926 im Hause Zeßners die „Österreichische Aktion“, die sich dann 1927 der Öffentlichkeit präsentierte.

Diese „Österreichische Aktion“ war ein bemerkenswerter Kontrapunkt gegen den damaligen deutschnationalen Grundkonsens, der fast in allen politischen Lagern vorhanden war und eine Anschlußsehnsucht förderte. Mit ihr wurde erstmals eine österreichische Nationsidee jenseits einer deutschen Schicksals- bzw. Kulturgemeinschaft sichtbar, die dann teilweise in der spezifischen österreichischen Idee des „Ständestaates“ quasi zu einer Staatsideologie wurde und dann vor allem nach 1945 Früchte zeigen sollte.

Die „Österreichische Aktion“ blieb aber damals weitgehend ohne Resonanz, nicht zuletzt weil deren Legitimismus und die damit verbundene gewisse intellektuelle Abgehobenheit in breiteren Kreisen keinen Anklang gefunden hatte bzw. finden konnte. Zeßner war „mit seinem idealistischen, emphatischen Österreich-Bekenntnis nicht zuletzt am Zeitgeist einer in ihrer überwiegenden Mehrheit, wenn auch in unterschiedlichen Nuancierungen, ‚deutsch“ fühlenden Gesellschaft gescheitert“ (Welan/Wohnout 2012). Allerdings wurde später so mancher seiner Widerparte durch das nationalsozialistische Herrschaftssystem eines besseren belehrt.

POLITISCHE TÄTIGKEITEN

Nicht zuletzt durch seinen in Prag gewonnen Kontakt mit Richard Wollek (AIn), der damals die daniederliegende Ferdinandea rettete, kam Zeßner in Berührung mit den Christlichsozialen, so daß er diese beim Wahlkampf 1907 unterstützte. Dabei lernte er auch deren „Generalstabschef“ Albert Geßmann (AW EM) kennen. Auch nach dem Krieg engagierte er sich in der Christlichsozialen Partei und war zeitweise Mitglied der Wiener Parteileitung.

Zeßner unterstützte 1933/34 voll den autoritären Regierungskurs in Richtung „Ständestaat“. Unter Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg (AIn) war er Kontaktmann zwischen diesem und Otto von Habsburg. Ab dem Frühjahr 1934 gehörte er jener Kommission an, die die Modalitäten zwecks Aufhebung der Habsburger-Gesetze ausarbeiten sollte. Es war daher keine Überraschung, daß er mit 1. November 1934 als Vertreter der Gruppe Schulwesen/Eltern- und Erziehungswesen in den Bundeskulturrat berufen wurde. Diesem gehörte er vom 1. November 1934 bis zum 12. März 1938 an.

Im Februar 1937 wurde in der Vaterländischen Front (VF) ein Traditionsreferat gegründet, das ein Gegenpol zu den Volkspolitischen Referaten auf der anderen Seite des politischen Spektrums sein sollte, dessen Wurzeln jedoch bereits in das Jahr 1935 reichten. Mit der Leitung wurde Zeßner betraut, der aber in dieser Position nicht mehr viel ausrichten konnte, weil Deutschland drohte, monarchistischen Bestrebungen in Österreich nicht tatenlos zuzusehen. Der politische Spielraum Schuschniggs schränkte sich in diese Jahren zunehmend ein. Das Traditionsreferat „blieb nur ein Konzept, das niemals zu wirklichen Leben erweckt wurde“ (Helmut Wohnout).

ZESSNERS LEIDENSWEG

Nicht zuletzt wegen seiner betont katholischen und österreichischen Gesinnung war Zeßner ein kompromißloser Gegner des Nationalsozialismus. Er leistete somit bereits vor 1938 in Österreich aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime. Mit dem Anschluß Österreichs am 11. März 1938 begann daher für ihn ein Leidensweg. Zu Hause hörte er im Kreis der Familie die Abschiedsrede von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (AIn) im Radio, danach betete man gemeinsam den Schmerzhaften Rosenkranz. Noch vor Mitternacht meldete sich telefonisch Otto von Habsburg, der ihm riet, sich in Sicherheit zu bringen.

In der Früh des 12. März begab sich Zeßner in das in der Nähe des Cobenzl befindliche Kloster der „Schwestern vom armen Kinde Jesu“, wo er zwecks innerer Einkehr zwei Tage blieb. Dort reifte in ihm der Entschluß, Österreich nicht zu verlassen und sich zu stellen. Am Abend des 13. März kehrte er nach Hause zurück und begab sich am Morgen des 14. März in das Hauptquartier der Gestapo, wo er die Weisung erhielt, wieder nach Hause zu gehen. Am selben Tag wurde er auch als Hochschulprofessor beurlaubt.

Am 18. März ging Zeßner wie fast täglich mit seiner Frau in die 8-Uhr-Messe in die Krypta der nahe gelegenen Kaasgrabenkirche (Kirche Maria Schmerzen). Nach dem Evangelium erschienen zwei Polizeibeamte, die ihn abführten. Sein Ersuchen, noch die Kommunion empfangen zu dürfen, wurde abgelehnt. Zuerst wurde er in das Polizeigefängnis an der Elisabethpromenade (heute Roßauer Lände) gebracht, wo er bis 29. April blieb. Danach wurde er ins Landesgericht Wien überstellt.

Am 15. Juli wurde Zeßner im Rahmen eines Österreichertransports ins KZ Dachau überstellt, der am 16. Juli dort ankam. Während des Transports kam es gegenüber ihn zu tätlichen Übergriffen und Quälereien seitens der SS-Wachmannschaft. Durch einen Schlag in die Nieren erlitt er schwere innere Verletzungen, wurde dadurch stark geschwächt und konnte den „Anforderungen“ eines KZ-Aufenthaltes nicht standhalten – nicht zuletzt auch durch die extreme Sommerhitze. Er bekam über 40 Grad Fieber.

Am 1. August 1938 gegen 22 Uhr erlag Zeßner ohne ausreichende medizinische Pflege seinen Verletzungen. Als offizielle Todesursache wurde „beidseitige“ Lungenentzündung angegeben. Er war einer der ersten Österreicher – und der erste österreichische CVer – , der in einem KZ ums Leben kam.

Am 2. August wurde Zeßners Ehefrau von seinem Tod verständigt. Es wurde ihr angeboten, entweder die Asche oder den Leichnam in Empfang zu nehmen. Durch finanzielle Unterstützung des französischen Konsulats in Wien (früher Gesandtschaft) konnte der Sarg überstellt werden. Zeßner und der Schwiegersohn von Bundespräsident Wilhelm Miklas (AW EM) sollen die einzige in Dachau ums Leben Gekommenen gewesen sein, deren Särge der Familie übergeben wurden.

Am 6. August fand in der Kaasgrabenkirche das Requiem für Zeßner statt. Trotz Polizeiüberwachung ließ es sich der Organist nicht nehmen, die Melodie zu „Selig sind, die Verfolgung leiden“ aus der Oper „Der Evangelimann“ von Wilhelm Kienzl zu intonieren. Zeßner wurde auf dem Grinzinger Friedhof begraben.

Zeßner war mit Elisabeth, geb. Freiin von Handel, verheiratet und hatte sechs Kinder.

ZESSNER UND DER CV

Zeßner war einer der ganz wenigen Adeligen, die als Studenten als Urmitglied einer CV-Verbindung beigetreten sind. Zwar wurden viele Adelige, die sich vor allem in der katholischen Vereinsbewegung engagiert hatten, Ehrenmitglieder einer CV-Verbindung, jedoch gehörte es nicht zum normalen Curriculum eines standesbewußten Adels, als Student einer katholischen Verbindung beizutreten. Adelige fanden sich – vor allem in Deutschland – eher in den sich elitär gebenden Corps.

Für Zeßner waren solche Vorbehalte aufgrund seiner starken familiären religiösen Sozialisation nicht richtungsweisend. Aufgrund eigener Darstellungen wurde er in seiner ersten Prager Studentenzeit von der starken katholischen Prägung der Ferdinandea angezogen.

Es war dies die Zeit, wo dort u. a. der spätere Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliothek, Josef Bick (Fd), ebenfalls Mitglied des Bundeskulturrates, der spätere steirische Landesrat Adolf Enge (Fd) sowie vor allem Richard Wollek (AIn) aktiv waren. Es war dies auch die Zeit, wo die Ferdinandea in personellen Schwierigkeiten war, die vor allem durch den Einsatz Wolleks behoben werden konnten. Es muß für Zeßner sicherlich schmerzhaft gewesen sein, hier durch seinen Beitritt nicht helfen zu können, auch bei der dann Anfang 1905 gegründeten Vandalia.

Infolge seines Studienortwechsels nach Freiburg/Schweiz lösten sich offensichtlich die familiären Vorbehalte, und Zeßner trat 1905 der Teutonia bei. Nach seiner Rückkehr wurde er 1908 – seinem ursprünglich Wunsch nun folgen könnend – Verkehrsaktiver bei der Ferdinandea, die ihn in den Status eines Bandinhabers bzw. Bandphilisters aufnahm.

Als Zeßner sich beruflich in Wien etablierte, fand er – nicht zuletzt über legitimistische Kreise – Kontakt zur Nibelungia, die ihn am 28. Februar 1924 als Bandphilister h. c. aufnahm. Dieser Status – Urmitglied bei Teutonia 1905, Bandphilister der Ferdinandea 1908 und Bandphilister h. c. der Nibelungia 1924 – wird in den CV-Gesamtverzeichnissen bis 1931 korrekt dokumentiert.

Im ersten Gesamtverzeichnis des ÖCV aus dem Jahr 1935 wird hingegen Zeßner bei der Nibelungia als Urmitglied mit dem Aufnahmedatum 1924 sowie als Bandphilister bei der Ferdinandea geführt. Nach Mitteilung von Gottfried Mazal (NbW) ist dieser Eintrag jedoch fehlerhaft. Zeßner hätte ich immer als Urmitglied der Teutonia gefühlt, er sei auch nie als solcher bei der Nibelungia aufgenommen bzw. ein entsprechender Wechsel der Urmitgliedschaft vollzogen worden

Zeßner wurde 1926 auch Ehrenphilister der katholischen Pennalie Ottonia Wien, die später in die MKV-Verbindung Vindobona I aufgegangen ist. 1936 wurde er Ehrenphilister bei der MKV-Verbindung Ostgau Wien.

Aufgrund seiner legitimistischen Haltung fand Zeßner Kontakt zu den seit 1922 entstanden Katholischen Landsmannschaften. 1926 wurde er Ehrenphilister der Maximiliana Wien (wo er auch Philistersenior war), später dann auch der Starhemberg Wien, der Austria Salzburg, der Carolina Wien und der Ferdinandea Graz.

Ebenso legt die Familie Zeßner großen Wert auf die Schreibweise mit scharfem ß. Die gelegentliche Schreibung mit Doppel-ss ist daher falsch. Sie dürfte darauf zurückzuführen gewesen sein, daß es von 1879 bis 1901/02 in Österreich-Ungarn eine amtliche Regel gab, daß – im Unterschied zum Deutschen Reich – nach einem kurzen Vokal immer ein Doppel-ss zu stehen hat, also eine Vorwegnahme der Rechtsschreibreform um die letzte Jahrhundertwende. Zeßner wurde in dieser Periode geboren, so daß in den damals ausgefüllten amtlichen Dokumenten (Tauf- bzw. Geburtsschein) Zeßner mit Doppel-ss steht. In den Amtskalendern vor 1938 steht er immer mit scharfem ß (unter Bundeskulturrat und Hochschule für Bodenkultur), ebenso in den Gesamtverzeichnissen des CV bis 1931. Im ersten Gesamtverzeichnis des ÖCV 1935 steht er hingegen wieder mit Doppel-ss. Auch im Gothaischen Genealogischen Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser ist die Schreibweise mit Scharfen-ß belegt.

Werke

(Auswahl)
Einführung in die Landarbeiterfrage (Habilitationsschrift, 1920).
Die kaiserliche Familie in Lequeito. Reiseerinnerungen eines Österreichers (1924).
Die Österreichische Aktion. Programmatische Studien, gemeinsam mit u. a. August M. Knoll (NbW), Alfred Missong (NbW EM) und Ernst Karl Winter (NbW) (1927).
Die Zukunft des Hauses Habsburg (1927).
Das österreichische Agrarrecht. Studium und Praxis (1930).
Otto von Österreich. Seine Kindheit, seine Jugend, sein Bildungsgang (1931).
Der Rechtslehrer und das Wesen des Rechts (1931).

Quellen und Literatur

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1909. Gotha o. J. (1909), S. 959.
Welan, Manfried (F-B): Kann nicht untergehen. Hommage à Hans-Karl Zeßner-Spitzenberg, in: Österreichische Academia 29 (1978), Januar/Februar, S. 10f.
Widerstand und Verfolgung im CV. Die im Zweiten Weltkrieg gefallenen CVer (Zählbild). Eine Dokumentation. Hg. von der Gesellschaft für Studentengeschichte und studentisches Brauchtum e. V. München 1983, S. 195–197.
Wohnout, Helmut (Nc): Hans Karl Zeßner-Spitzenberg, in: Österreichische Academia 39 (1988), Heft 4, S. 6–9.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 269–271.
Wohnout, Helmut (Nc): Das Traditionsreferat der Vaterländischen Front. Ein Beitrag über das Verhältnis der legitimistischen Bewegung zum autoritären Österreich 1933–1938, in: Österreich in Geschichte und Literatur 36 (1992), S. 65–82.
Zeßner-Spitzenberg, Pius: Hans Karl Freiherr Zeßner-Spitzenberg. Ein Leben aus dem Glauben. Wien 2003.
Paradeiser (geb. Zeßner-Spitzenberg), Johanna: Leben und Sterben von Hans Karl Zeßner-Spitzenberg, in: Hundert (100) Jahre Nibelungia. Festschrift zum hundertsten Stiftungsfest der Katholisch-Österreichischen Studentenverbindung Nibelungia zu Wien im ÖCV. Wien 2008, S. 40–45.
Welan, Manfried (F-B)/Wohnout, Helmut (Nc): Hans Karl Zeßner-Spitzenberg – einer der ersten toten Österreicher in Dachau, in: Forschungen zum Nationalsozialismus und dessen Nachwirkungen in Österreich. Festschrift für Brigitte Bailer. Hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands. Wien 2012, S. 21–41.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 607f.
Mitteilung von Gottfried Mazal (NbW), 3. Juni 2013.
Welan, Manfried (F-B)/Wohnout, Helmut (Nc): „Es ist Zeit, vor Gott und der Geschichte“, in: Die Furche, 14. August 2013.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 06.06.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 12.12.2017