Informationen

  Jakob Weinbacher
Urverbindung: Nibelungia (23.05.1923)
Bandverbindungen: NdW, Baj, Wl, Rd
Geboren: 20.12.1901, Wien
Gestorben: 15.06.1985, Wien
Position: Weihbischof und Generalvikar von Wien
Politische Haft: 1939 Polizeihaft Wien, 1943/44 Gefängnis Stettin

Lebenslauf

Weinbacher wurde in Wien-Margareten geboren. Die Angabe Guntramsdorf als Geburtsort in Hundert Jahre Nibelungia, Bischöfe, Äbte, Pröpste aus dem CV und ÖCV und Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45, Ausgabe 2013, (siehe Quellen und Literatur) ist falsch und beruht auf einen Irrtum. Weinbacher absolvierte 1919 das Gymnasium in Baden (Niederösterreich). Nach der Matura trat er in das Wiener Priesterseminar ein und begann das Studium an der Theologischen Fakultät der Universität Wien (abs. theol. 1924; Dr. theol. 1930), wo er der Nibelungia Wien beitrat (Couleurname Gebhard). Am 20. Juli 1924 wurde er zum Priester geweiht. In diesem Jahr wurde er auch von der katholischen Pennalie Vindobona (nunmehr MKV) aufgenommen.

Nach einer Kaplanstätigkeit in Laa/Thaya war Weinbacher von 1926 bis 1930 Zeremoniär des Wiener Erzbischofs Friedrich Gustav Kardinal Piffl (Wl EM) und studierte dann von 1930 bis 1932 in Rom an der päpstlichen Institut S. Apollinare (nunmehr Lateranuniversität) Kirchenrecht (Dr. iur. can. 1932). Nach seiner Rückkehr wurde er zuerst 1932 Direktor des Allgemeinen Kirchenbauvereins und 1933 Sekretär des neuen Wiener Erzbischofs Theodor Innitzer (NdW) sowie 1934 zusätzlich Domprediger.

Nach dem Rosenkranzfest der Katholischen Jugend am 7. Oktober 1938 im Wiener Stephansdom geriet Weinbacher am nächsten Tag in den Sturm auf das Wiener Erzbischöfliche Palais durch die HJ. Vom 9. September bis 8. Dezember 1939 wurde er in der Wiener Gestapozentrale (ehemals Hotel Metropole) festgehalten, weil man ihn verdächtigte, der Widerstandsgruppe „Hebra“ anzugehören. Am 27. Mai 1940 wurde er nach Parchim (Mecklenburg) gauverwiesen. Dort wurde er am 4. Februar 1943 neuerlich verhaftet und in Stettin (Pommern, nunmehr Polen) inhaftiert. Er ist erst am 11. November 1944 wieder freigekommen. Zur Jahreswende 1944/45 durfte er wegen des Todes seiner Mutter nach Wien zurückkehren.

Nach seiner Rückkehr wurde Weinbacher am 1. April 1945, also kurz vor der Befreiung Wiens, zum Direktor der Caritas ernannt, was er bis zum 17. November 1950 blieb. Vorsitzender der Caritaszentrale Österreichs war er vom 1. Oktober 1945 bis zum 1. Oktober 1952. Diese Funktionen waren unmittelbar nach dem Krieg eine besondere Herausforderung für Weinbacher. Am 4. September 1945 erfolgte seine Berufung in das Domkapitel. Am 4. März 1950 wurde er erstmals zum Generalvikar für Wien ernannt, welche Funktion er nominell bis zum 20. April 1953 ausübte.

Am 13. Juli 1952 wurde Weinbacher als Nachfolger von Alois Hudal (BbG EM) zum Rektor der deutschen Nationalstiftung Santa Maria dell’ Anima in Rom bestellt und übersiedelte in der Folge dorthin. Sein Nachfolger als Generalvikar wurde Josef Streidt (AW). In Rom wurde er im Juli 1954 Konsultor der Konzilskongregation (nunmehr Kongregation für den Weltklerus) und im Juni 1958 Leiter deutschsprachigen Seelsorge in Italien.

Am 1. März 1961 wurde Weinbacher anstelle des verstorbenen Streidt vom Erzbischof von Wien, Franz Kardinal König (Rd EM), neuerlich zum Generalvikar für Wien und am 4. Juni 1962 von Papst Johannes XXIII. zum Titularbischof von Thala sowie Weihbischof für Wien ernannt. Am 1. Juli 1962 erfolgte die Bischofsweihe. Zusätzlich zum Amt des Generalvikars übernahm Weinbacher auch die Leitung des erzbischöflichen Amtes für Unterricht und Erziehung und das Amt eines Sekretärs der Österreichischen Bischofskonferenz.

Nach seinem Rücktritt als Generalvikar am 31. August 1969 wurde Weinbacher am 1. September 1969 Bischofsvikar für die Orden. 1977 trat er von all seinen Funktionen. Sein Nachfolger als Sekretär der Österreichischen Bischofskonferenz wurde sein dortiger Kanzleidirektor Alfred Kostelecky (Rd). Weinbacher war auch Präsident der Katholischen Akademie Wien und Großprior des Ordens vom Heiligen Grab.

Weinbacher war ein bekennender CVer, der vielen durch seine menschliche Art geholfen hat. Er war auch Ehrenmitglied der Katholischen Landsmannschaft Maximiliana. Nach seinem Tod wurde er in der Domherrengruft von St. Stephan beigesetzt.

Quellen und Literatur

Diözesanarchiv Wien. Priesterdatenbank. Personaldaten Jakob Weinbacher
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz, Reinhart Handl, Peter Krause (Rt-D) und Gerhard Taus (Am). Wien o. J. (1988), S. 364.
Gelitten für Österreich. Christen und Patrioten in Verfolgung und Widerstand. Hg. vom Karl von Vogelsang-Institut. Wien o. J. (1988), S. 128f.
Fenzl, Annemarie: Jakob Weinbacher, in: Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945-2001. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Erwin Gatz. Berlin 2002, S. 580.
Hundert (100) Jahre Nibelungia. Festschrift zum hundertsten Stiftungsfest der Katholisch-Österreichischen Studentenverbindung Nibelungia zu Wien im ÖCV. Wien 2008, S. 22–24.
Bischöfe, Äbte, Pröpste aus dem CV und ÖCV. Hg. vom Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und vom Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen. Regensburg–Wien 2009, S. 134f.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 581.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 20.05.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 24.05.2016