Informationen

  Josef Tzöbl
Urverbindung: Amelungia (03.10.1919)
Geboren: 17.03.1900, Siebenhirten (nunmehr Wien-Liesing)
Gestorben: 31.10.1962, Wien
Position: Aus dem ÖCV ausgeschieden, Mitglied des Bundesrates, Generalsekretär des christlichsozialen Volksverbandes Niederösterreich

Lebenslauf

Tzöbl begann nach der Absolvierung des Gymnasiums mit dem Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur.), wo er der Amelungia beitrat (Couleurname Adalgott). Dort war er in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre einer der prägenden Gestalten in der Verbindung. Im Sommersemester 1921 war er Senior und im Sommersemester 1923 Fuchsmajor.

In seiner Studienzeit engagierte sich Tzöbl im Rahmen des Katholischen Akademiker-Ausschusses in der Studentenvertretung bzw. in der Deutschen Studentenschaft (DSt). Diese war großdeutsch organisiert, so daß er so wie viele andere, die damals in der Hochschulpolitik tätig waren, ein Vertreter des großdeutschen Gedankens wurde. Mit Ernst Klebel (BvBl, ehemals Am) gehörte er zur Gruppe der großdeutsch gesinnten Anschlußfreunde in der Amelungia. Er vertrat 1923 die Auffassung, daß die akademische Jugend der Träger „des notwendigen Zusammenschlusses aller Deutschen in einem Vaterlande“ werden müsse. Ebenso tat er sich mit antisemitischen Äußerungen hervor, was im Zusammenhang mit der Einführung des sog. „Arierparagraphen“ im Jahr 1921 bei der Amelungia steht.

Nach seinem Studium fand Tzöbl eine Anstellung als Generalsekretär des christlichsozialen Volksverbandes Niederösterreichs. Dieser ging 1919 aus der vor 1914 gegründeten christlichsozialen Städteorganisation hervor. Damals gab es keine einheitliche Landesparteiorganisation der Christlichsozialen. Die Parteiarbeit wurde durch zwei Organisationen geleistet, zum einen vom Bauernbund und zum anderen vom Volksverband, der alle Christlichsozialen außerhalb des Bauernstandes zusammenfaßte. Den Generalsekretär dieses Volksverbandes kann man durchaus mit einem heutigen Landesparteisekretär vergleichen.

Tzöbl bekleidete demnach eine für die Christlichsozialen in Niederösterreich wichtige Parteifunktion. Nach den Landtagswahlen in Niederösterreich im Jahr 1932 wurde er vom Landtag in den Bundesrat entsandt, dem er vom 3. Juni 1932 bis zu dessen Auflösung am 2. Mai 1934 angehörte. Auf diesem Mandat war er der Nachfolge von Karl-Gottfried Hugelmann (ehemals AW). Von 1930 bis 1938 war er Mitglied des Gemeindevorstands des damals noch selbständigen Siebenhirten.

Aufgrund seiner betont großdeutschen wie auch antisemitischen Gesinnung gehörte Tzöbl zum Kreis der sog. Katholisch-Nationalen. Er war Generalsekretär des Österreichischen Verbandes für volksdeutsche Ausandsarbeit, der im März 1934 auf Anregung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (F-B) gegründet wurde. Die Verbandsspitze bestand damals aus Hugo Hantsch (Fd) und Emmerich Czermak (NdW). Von diesem herausgegeben wurde Tzöbls Schrift „Österreich und das Minderheitenrecht“. Nach ihm sind die „Juden nicht lediglich als Bekenntnis, sondern vornehmlich als Rasse und Volk zu behandeln“. Seine betont katholisch-nationale Gesinnung und sein Antisemitismus sind damals wegen ihrer Affinität zum Nationalsozialismus in manchen Kreisen der Vaterländischen Front bereits suspekt geworden.

Beruflich war Tzöbl ab 1933 Geschäftsführer der Staatlichen Milchverkehrsstelle. Nach dem Hitler-Attentat im Juli 1944 wurde er von der Gestapo Wien am 8. September 1944 erkennungsdienstlich behandelt. Nach 1945 fand er eine Anstellung bei der Österreichischen Volkspartei und war dort Leiter des Politischen Büros. Von 1960 bis 1964 war er auch Mitglied des Aufsichtsrates der Österreichischen Alpine Montangesellschaft. Tzöbl wurde nach 1945 nicht mehr als Mitglied der Amelungia geführt und auf dem Friedhof Wien-Siebenhirten begraben.



Werke

Kardinal Piffl – Ein Lebensbild des großen Wiener Volksbischofs (1932).
Vaterländische Erziehung (1934).
Österreich und das Auslandsdeutschtum (1934)
Österreich und das Minderheitenrecht (1936).

Quellen und Literatur

Gehler, Michael: Studenten und Politik. Der Kampf um die Vorherrschaft an der Universität Innsbruck 1918-1938 (= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte Band 6). Innsbruck 1990, S. 169f.
Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, S. 607.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 346 und 486f.
Hundert (100) Jahre Katholische Österreichische Hochschulverbindung Amelungia im ÖCV. Für Volk und Altar. Redaktion Oskar Mayer. Wien 2008, S. 33, 312f., 369
Bezemek, Ernst–Dippelreiter, Michael: Politische Eliten in Niederösterreich. Bei biografisches Handbuch 1921 bis zur Gegenwart (= Schriftenreihe des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg, Band 38). Wien 2011, S. 350.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 16.02.2017
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 18.07.2017