Informationen

  Erwin Wenzl
Urverbindung: Alpinia-Innsbruck (09.05.1947)
Bandverbindungen: AIn, A-D, Kb, BbG, Le, Se
Geboren: 02.08.1921, Annaberg (Bezirk Lilienfeld, Niederösterreich
Gestorben: 17.10.2005, Linz
Position: Landeshauptmann (Oberösterreich), Landtagsabgeordneter (Oberösterreich), ÖVP-Landesobmann (Oberösterreich), Vorstandsvorsitzender (Generaldirektor) der Oberösterreichischen Kraftwerke AG (OKA)

Lebenslauf

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Wenzl wurde als Sohn eines Bergmanns aus dem Böhmerwald geboren. Zuerst war er bis 1938 am bischöflichen Gymnasium Petrinum in Linz. Als dieses nach dem Anschluß geschlossen wurde, ging er auf das Linzer Akademische Gymnasium, das er 1940 absolvierte. Dort war sein Schulkollege der spätere sozialdemokratische Landeshauptmannstellvertreter Oberösterreichs, Rupert Hartl. Nach der Matura war er kurz beim Reichsarbeitsdienst und konnte bereits im selben Jahr mit dem Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien beginnen.

1941 wurde Wenzl zur Deutschen Wehrmacht einberufen und war als Funker einer Luftnachrichtentruppe im Kaukasus, in Südrußland und in Ungarn eingesetzt (letzter Dienstgrad Obergefreiter). 1945 setzte er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. iur. 1947) fort, wo er der Alpinia beitrat (Couleurname Dr. cer. Attila).

Nach seinem Studium trat Wenzl am 1. Oktober 1947 eine Stelle bei der Anwaltschaft der land- und forstwirtschaftlichen Genossenschaften Oberösterreichs an, die später in den Raiffeisenverband umgewandelt wurde. Gefördert er vom damaligen Landeshauptmannstellvertreter Felix Kern (AW).

WENZLS EINSTIEG IN DIE POLITIK

Wenzl kandidierte erfolglos bei den Nationalratswahlen 1949, wurde aber dann am 1. Januar 1952 zum oberösterreichischen ÖVP-Landesparteisekretär unter dem Landesobmann bzw. Landeshauptmann Heinrich Gleißner (S-B) bestellt. Die ÖVP-Landesparteileitung war damals kaum vorhanden, und so organisierte Wenzel das Landesparteisekretariat zu einer schlagkräftigen Einrichtung. Er war derjenige, der nach 1945 eigentlich die ÖVP Oberösterreichs auf- und ausbaute.

Wenzl holte sich als Mitarbeiter Josef Ratzenböck (AlIn EM), der ihm dann sowohl als Landesparteisekretär als auch als Landeshauptmann nachfolgen sollte. Der Erfolg seiner Arbeit zeigte sich bei den Landtagswahlen der Jahre 1955 und 1961, wo die ÖVP jeweils über 48 Prozent erreichte.

Wenzls parteipolitisch erfolgreiche Tätigkeit schlug sich auch in politische Funktionen wieder. Bei den Landtagswahlen 1955 wurde er in den Landtag gewählt, dem er vom 19. November 1955 bis zum 19. Oktober 1977 angehörte. Ebenso wurde er am 19. November 1955 zum Landesrat gewählt, wo er als Nachfolger von Felix Kern das Baureferat übernahm. Mit diesem Ressort war er mit dem Ausbau der Infrastruktur (Autobahn, Donaubrücken, Wohnbauförderung) befaßt. Am 24. Januar 1966 rückte er dann zum Landeshauptmannstellvertreter auf. Das Bauressort behielt er auch als Landeshauptmann.

Damit war Wenzl endgültig in die Rolle des „Kronprinzen“ geraten. Eine Zäsur in der Geschichte der ÖVP Oberösterreichs waren die Landtagswahlen im Herbst 1967. Sie standen im Schatten des Ansehensverlustes der Bundesregierung unter Josef Klaus (Rd). Daher kam es zum Gleichstand der Mandate zwischen ÖVP und SPÖ, so daß der beliebte und angesehene Landeshauptmann Gleißner, der damals bereits 74 Jahre alt war, nur mit Hilfe der FPÖ zum Landeshauptmann gewählt werden konnte.

WENZL ALS LANDESHAUPTMANN

Die Folge war, daß Wenzl am 1. Dezember 1968 zum Landesparteiobmann gewählt wurde und am 3. Mai 1972 Gleißner als Landeshauptmann nachfolgte. Bei den nächsten Landtagswahlen im Jahr 1973 konnte die ÖVP wieder stärkste Partei werden – zweifelsohne ein persönlicher Erfolg Wenzls, der aber durch einen „Pendelschlag“ aufgrund der Oppositionsrolle der ÖVP im Bund begünstigt wurde. Bei dieser Wahl wurden moderne Werbemethoden eingesetzt und Wenzl als „Löwe“ (wegen seines Sternzeichens) hochstilisiert. Von 1968 bis 1977 war er auch Mitglied des Bundesparteivorstandes der ÖVP.

In Wenzls Amtszeit als Landeshauptmann wurde eine neue Landesverfassung beschlossen und schon relativ früh Maßnahmen für den Umweltschutz gesetzt. Ebenso wurden eine neue Bauordnung und ein Flächenwidmungsgesetz in die Wege geleitete. Die Linzer Universität wurde gefördert, und eine Kunsthochschule errichtet.

WENZLS ABSCHIED VON DER POLITIK

Aus privaten und teils gesundheitlichen Gründen trat Wenzl am 19. Oktober 1977 als Landeshauptmann und am 26. Oktober 1977 als ÖVP Landesparteiobmann zurück. Sein Nachfolger wurde Josef Ratzenböck (AlIn EM), dessen Nachfolger als bisheriger Landesparteisekretär Helmut Kukacka (A-D).

Wenzl, der bereits seit 1956 Aufsichtsratsmitglied der Oberösterreichischen Kraftwerke AG (OKA) war, wurde mit 1. November 1977 zu deren Vorstandsvorsitzenden (Generaldirektor) bestellt, welche Funktion er bis 1989 ausübte. Darüber hinaus war er Aufsichtsratsmitglied einiger in Oberösterreich angesiedelter damals noch verstaatlichter Unternehmungen (u. a. VÖEST, Chemie Linz, Ennskraftwerke) sowie u. a. auch der ÖIAG und der Verbundgesellschaft.

Wenzl war 1966 Gründungsphilister der ersten Linzer CV-Verbindung Austro-Danubia. Weiters war er Ehrenmitglied der Katholischen Landsmannschaft Saxo-Meiningia Linz. Außerdem war er Ehrenphilister der Katholisch-Österreichischen Landsmannschaft (KÖL) Theresiana Innsbruck sowie folgender MKV-Verbindungen: Nibelungia Freistadt, Nibelungia Linz, Frankonia Linz, Hilaria Wilhering, Flavia Lambach, Gamundia Gmunden, Rugia Ried, Siegfridia Linz und Amelungia Linz.

Wenzl wurde auf dem Friedhof in Gmunden (Oberösterreich) begraben. Seit 1996 wird ein Erwin-Wenzl-Preis für außerordentliche Leistungen junger Menschen verliehen.


Quellen und Literatur

Slapnicka, Harry: Oberösterreich. Die politische Führungsschicht ab 1945 (= Beiträge zur Zeitgeschichte Oberösterreichs). Linz 1989, S. 306–318.
Beran, Gabriele: Ein Löwe für Oberösterreich. Linz 1991.
Slapnicka, Harry: Erwin Wenzl, in: Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik. Hg. von Herbert Dachs, Peter Gerlich und Wolfgang C. Müller. Wien 1995, S. 606–612.
Austrier-Blätter Nr, 74, 2005, S. 143f.


Erstellt von Gerhard Hartmann am 07.06.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 23.06.2017