Informationen

  Carl Heinrich Bobleter
Urverbindung: Austria Innsbruck (04.11.1931)
Bandverbindungen: M-D
Geboren: 05.07.1912, Feldkirch (Vorarlberg)
Gestorben: 24.10.1984, Feldkirch (Vorarlberg)
Position: Staatssekretär, Diplomat, Vizepräsident der OECD

Lebenslauf

AUSBILDUNG UND BERUFSEINSTIEG

Bobleter wurde als Sohn des Gymnasialdirektors Karl Bobleter (AIn) geboren und absolvierte 1931 das Gymnasium in Feldkirch. Während dieser Zeit trat der Katholischen Pennalie (später MKV) Clunia bei. Danach studiert er an den Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten Innsbruck (Dr. iur. 1935), wo er der Austria Innsbruck beitrat (Couleurname Stauf), in Wien, wo er 1933/34 bei der Marco-Danubia aktiv wurde und dort im Sommersemester 1934 Fuchsmajor war, und in Frankfurt/Main. Später – 1940 bis 1943 – studierte er auch an der Wiener Hochschule für Welthandel.

Nach dem Studium war Bobleter ab Ende November 1935 zuerst Rechtsanwaltsanwärter. Ab Mitte März 1936 war er dann beim Bezirksgericht Feldkirch und ab Mitte September 1936 beim Landesgericht Feldkirch tätig. Danach war er ab Jahresbeginn 1937 in Wien beim Handelsgericht und ab Mitte April 1937 beim Exekutionsgericht.

Vom 22. Juli 1937 bis Ende 1938 war Bobleter Angestellter bei der Creditanstalt-Bankverein. Während seiner Zeit in Wien bewarb er sich um Aufnahme in den Diplomatischen Dienst, jedoch vereitelte der Anschluß diese Bemühungen. Mit Beginn des Jahres 1939 wurde er zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und machte den Zweiten Weltkrieg mit. Eine zeitlang war er als Dolmetscher im Kriegsgefangenenlager Kaisersteinbruch (Burgenland) eingesetzt, wo hauptsächlich Franzosen interniert waren, denen er, so weit es möglich war, helfen konnte. Dort war er bei einer Widerstandsgruppe, an der u. a. auch Max Riccabona (Trn), ebenfalls Dolmetscher, beteiligt war Am 27. April 1945 geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er bereits am 25. August 1945 entlassen wurde. Danach war er für die US-Militärregierung in Salzburg Rechtskonsulent und Verbindungsmann zu den österreichischen Behörden.

BOBLETER ALS DIPLOMAT UND STAATSSEKRETÄR

Mit 13. Januar 1947 begann Bobleters Dienst im Bundeskanzleramt/Auswärtige Angelegenheiten. Anfang 1948 wurde Bobleter mit dem Aufbau der österreichischen Konsulate in Hamburg und Düsseldorf (britische Zone Deutschlands) betraut. Anfang Mai 1950 wurde er wieder in die Wiener Zentrale einberufen.

Vom 22. April 1953 bis zum 27. April 1958 war Bobleter Ständiger Vertreter Österreichs bei der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohl und Stahl (EGKS) in Luxemburg, aus der dann die EWG hervorging. Danach war er Leiter der Österreichischen Vertretung bei der OEEC in Paris, ab 17. Februar 1960 bei der OECD in Paris. Am 1. Januar 1961 wurde er zum ao. Gesandten und bev. Minister (Ministerialrat) ernannt und 1962 zum Vizepräsidenten der OECD gewählt.

Vom 2. April 1964 bis zum 19. Januar 1968 war Bobleter Staatssekretär im Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten in den Regierungen Josef Klaus (Rd) I und II unter den Außenministern Bruno Kreisky sowie Lujo Toncic-Sorinj (ÖVP). Danach war er neuerlich Leiter der österreichischen Vertretung bei der OECD in Paris und ab 1970 wiederum deren Vizepräsident. Aufgrund seines langen Aufenthalts in Paris hatte er dort einen zweiten Wohnsitz.

Mit 31. Dezember 1977 wurde Bobleter pensioniert. Er starb überraschend und wurde auf dem Friedhof St. Peter und Paul in Feldkirch begraben. Am offenen Grab sprach der damalige ÖVP-Bundesparteiobmann Alois Mock (Nc). Am 30. November 1984 wurde für ihn in der Kirche Notre Dame in Paris ein Requiem zelebriert, an dem viele ehemalige französische Kriegsgefangene aus Kaisersteinbruch teilgenommen hatten.

Quellen und Literatur

Austrier-Blätter Nr. 54, 1985, S. 83–87.
Agstner, Rudolf–Enderle-Burcel, Gertrude–Follner, Michaela: Österreichs Spitzendiplomaten zwischen Kaiser und Kreisky. Biographisches Handbuch des Höheren Auswärtigen Dienstes 1918 bis 1959. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 2009, S. 140f.
Plitzner, Klaus: Korporierte Vorarlberger Politiker 1848 bis 2003. Wien–Frankfurt/Main–Straßburg–Brüssel, in: Acta Studentica 149-150 (2004), S. 47f.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 11.05.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 06.02.2017