Informationen

  Alfred Ebenhoch
Urverbindung: Austria Innsbruck (14.10.1874)
Bandverbindungen: Nc, Cl, M-D
Geboren: 18.05.1855, Immenstaad am Bodensee (Württemberg)
Gestorben: 30.01.1912, Wien
Position: k. k. Minister, Landeshauptmann (Oberösterreich), Reichsratsabgeordneter, Klubobmann der Christlichsozialen Vereinigung im Abgeordnetenhaus, Landtagsabgeordneter (Oberösterreich), Präsident der Katholischen Volksvereins für Oberösterreich, Rechtsanwalt

Lebenslauf

HERKUNFT UND AUSBILDUNG

Ebenhoch wurde als Sohn eines aus Vorarlberg stammenden Spediteurs geboren. Der in manchen Darstellungen über Ebenhoch genannte falsche Geburtstort Bregenz rührt daher, daß er in Bregenz getauft und damit in die Matrikel der dortigen Pfarrkirche verzeichnet wurde.

Ebenhoch besuchte die Volksschule in Bregenz und die Gymnasien zuerst in Innsbruck, dann von 1868 bis 1872 in Feldkirch (Stella matutina) und schließlich in Brixen, wo er 1874 maturierte. Sein Einjährig-Freiwilligenjahr absolvierte er 1874/75 bei den Kaiserjägern in Innsbruck, gleichzeitig begann er das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. iur. 1881), wo er der Austria beitrat (Couleurname Dr. cer. Castor). Dort bekleidete er durch 13 Semester hindurch die Funktion eines Bierzeitungs-Redakteurs. 1875/76 war er Fuchsmajor. 1877/78 studierte er in Prag.

Sein Studium wurde unterbrochen, als Ebenhoch 1878 zu den Tiroler Kaiserjägern eingezogen wurde, um den bosnisch-herzegowinischen Okkupationsfeldzug mitzumachen. Dabei hatte er an den Gefechten von Citluk, Damanoric und Cremenac sowie am Entsatz von Stolac teilgenommen. Als besondere Ehrung für diesen Einsatz promovierte die Austria ihn zum Dr. cer.

Nach dem Studienende absolvierte Ebenhoch bis 1884 die Gerichtspraxis in Bregenz und Wien und wurde danach Rechtsanwaltskonzipient in der Kanzlei des Landtagsabgeordneten Andreas Naschberger (AIn) in Linz. Dadurch kam er in Kontakt zu den Katholisch-Konservativen bzw. mit dem Katholischen Volksverein, für die er ab dann in Oberösterreich tätig war. Bald danach machte er sich als Rechtsanwalt selbständig.

EBENHOCHS EINSTIEG IN DIE POLITIK

Bei den Reichsratswahlen des Jahres 1885 engagierte sich Ebenhoch im Wahlkampf, ohne selbst zu kandidieren. Aber bei den Ersatzwahlen im Jahre 1888 wurde er im Wahlkreis Landgemeindebezirk 11 (Oberes Mühlviertel) in den Reichsrat gewählt, dem er dann vom 6. November 1888 bis zu seiner krankheitsbedingten Mandatsniederlegung am 16. November 1911 angehörte (Wahlperioden VII bis partiell XII). In dieser Zeit wurde er mehrmals in die Delegationen gewählt.

Im selben Wahlkreis wurde Ebenhoch auch in den oberösterreichischen Landtag gewählt, dem er vom 14. Oktober 1890 bis zum 19. Dezember 1908 angehörte. Bei den Landtagswahlen des Jahres 1909 kandidierte er nicht mehr.

Wie stark Ebenhoch bereits politisch etabliert war, sieht man daran, daß er bereits am 12. Oktober 1891, nach sieben Jahren Aufenthalt in Oberösterreich, zum Präsidenten des Katholischen Volksvereins gewählt wurde, was einem Landesobmann der Katholisch-Konservativen entsprach. Diese Funktion bekleidete er bis 1898.

Als Parlamentarier im Reichsrat und im Landtag vertrat Ebenhoch zum einen die bäuerlichen Interessen, wobei er deren sozialen Probleme zu lindern versuchte. Zum anderen bemühte er sich um die Sicherung des Kleingewerbes. Im Reichrat setzte er sich für die Novellierung des Volksschulgesetzes ein. Ebenso vertrat er im Reichsrat die Interessen der katholischen Studentenverbindungen im universitären Kulturkampf und trat gegen den Duellunfug auf.

EBENHOCH ALS LANDESHAUPTMANN

Am 16. Januar 1897 wurde Ebenhoch zum Mitglied des Landesausschusses gewählt, dem Exekutivorgan des Landtags für die autonome Landesverwaltung, eine Vorform der Landesregierung. In dieser Periode war er vor allem durch das Hochwasser von 1897 gefordert.

Am 6. Mai 1898 wurde Ebenhoch vom Kaiser Franz Joseph zum Landeshauptmann von Oberösterreich ernannt, womit auch der Vorsitz im Landtag (Landtagspräsident) verbunden war. In seiner Amtszeit wurde die Rechtsstellung der Landeslehrer verbessert. Außerdem plädierte er für den Ausbau der oberen Donau als Schiffahrtsweg im Hinblick des schon damals geplanten Rhein-Main-Donau-Kanals. Besonders förderte er den Fremdenverkehr in Oberösterreich. Neu war auch die Einführung von Bürgermeisterkonferenzen unter Vorsitz des Landeshauptmanns.

Infolge seiner reichspolitischen Beanspruchung – er war gerade zum k. k. Minister ernannt worden – trat Ebenhoch am 30. Dezember 1907 als Landeshauptmann zurück. Er bekleidete etwas mehr als neuneinhalb Jahre dieses Amt.

EBENHOCHS ROLLE BEI DER VEREINIGUNG DER KATHOLISCH- KONSERVATIVEN MIT DEN CHRISTLICHSOZIALEN

Bereits 1889 lernte Ebenhoch in Wien Karl Lueger (Nc EM) kennen. Vor allem trafen sie sich bei den sog. „Enten-Abenden“ von Franz Martin Schindler (Fd EM). Am 13. November 1894 kam es anläßlich eines Kommerses des CV beim niederösterreichischen Katholikentag zur demonstrativen Freundschaftsschließung mit Lueger, seitdem trat Ebenhoch für die Vereinigung der Katholisch Konservativen mit den Christlichsozialen ein.

1895 trat Ebenhoch im Abgeordnetenhaus für die Bestätigung Luegers zum Wiener Bürgermeister ein, und im selben Jahr war er einer der Initiatoren für den Austritt aus dem Hohenwart-Klub und mit Abgeordneten aus Oberösterreich, Salzburg, Tirol sowie Vorarlberg Mitbegründer der Katholische Volkspartei, der Obmannstellvertreter er dann zeitweise unter dem Klubobmann Theodor Frhr. von Kathrein (AIn) war.

Die Verluste der Konservativen bei den Reichsratswahlen des Jahres 1901 beschleunigten den Prozeß der Einigung zwischen diesen und den Christlichsozialen. Im Mai 1907 kam es anläßlich der Reichsratswahlen dann dazu, so daß die nunmehrige „Christlichsoziale Vereinigung“ die stärkste Fraktion im Reichsrat wurde. Unbestreitbar hatte Ebenhoch wesentlichen Anteil an dieser Einigung des parteipolitischen Katholizismus in Österreich. Das war nicht zuletzt auch auf seine soziale Grundhaltung zurückzuführen.

Ein weiteres Moment seines politischen Wirkens in dieser Zeit war Ebenhochs Eintreten für das allgemeine Wahlrecht, womit er mit einer wesentlichen Forderung der Christlichsozialen übereinstimmte.

ALS ERSTES URMITGLIED DES CV WIRD EBENHOCH MINISTER

Nach dem fulminanten Wahlsieg der Christlichsozialen für den Reichsrat im Mai 1907 war es im Zuge einer Parlamentarisierung des österreichischen Regierungssystems der konstitutionellen Monarchie nur eine Frage der Zeit, bis Christlichsoziale in die Regierung einzogen. Ministerpräsident Max Vladimir Frhr. von Beck schlug Kaiser Franz Joseph I. Ebenhoch zum Ackerbauminister vor, der ihn dann am 9. November 1907 dazu ernannte. Diese Funktion bekleidete er knapp mehr als ein Jahr bis zum 15. November 1908, als die Regierung zurücktrat.

Ebenhoch war das erste Urmitglied einer CV-Verbindung Deutschlands und Österreichs, das Minister wurde. Nachdem im Juni 1969 Alois Mock (Nc) als letzter CVer in die Regierung Josef Klaus (Rd) eintrat, hieß es bis Anfang 1987, als Mock wieder Vizekanzler wurde, im Rückblick auf „CV und parteipolitischem Katholizismus“: Von Ebenhoch bis Mock.

Ebenhoch trat dann als Landeshauptmann von Oberösterreich zurück. Nach einem Interregnum von fast einem halben Jahr wurde Johann Hauser (AW EM) zum Landeshauptmann ernannt.

Nach dem Tod Luegers wurde dessen engster Vertrauter in der Christlichsozialen Partei, Albert Geßmann (AW EM), Obmann der Christlichsozialen Vereinigung im Abgeordnetenhaus des Reichsrates, also Fraktionsführer. Ebenhoch wurde dessen Stellvertreter. Als Geßmann im Frühjahr 1911 nicht mehr in das Abgeordnetenhaus gewählt wurde, ist Ebenhoch am 6. Juli 1911 zum Obmann der Christlichsozialen Vereinigung gewählt worden. Diese Funktion bekleidete er bis zur Mandatsniederlegung am 16. November 1911.

Es gab auch eine außerpolitische Facette Ebenhochs, die sich bereits bei seiner Tätigkeit als Bierzeitungs-Redakteur der Innsbrucker Austria abzeichnete. Am Anfang seiner Zeit in Linz war er von 1884 bis 1886 Theaterkritiker des „Linzer Volksblattes“. Bis zu seinem Tod nahm er zu wichtigen politischen und gesellschaftlichen Fragen in der Presse immer wieder Stellung und veröffentlichte Broschüren. In diesem Zusammenhang steht auch sein Kauf der „Mühlviertler Nachrichten“ im Jahr 1889.

Als einer der ganz wenigen Politiker versuchte sich Ebenhoch auch als Bühnenschriftsteller. Er schrieb zahlreiche Dramen und Schauspiele, die zum Teil u. a. am Linzer Landestheater, dessen Intendant er seit 1898 sogar zeitweise war, oder am „Intimen Theater“ in Wien aufgeführt wurden. Der bekannte Literaturhistoriker der Zwischenkriegszeit, Josef Nadler (ehemals Fd), urteilt über seine Stücke: „Um Erfolg zu haben, waren sie zu akademisch. Haltung hatte ein jedes auf seine Art.“

Ebenhoch war einer der profiliertesten Politiker des frühen Politischen Katholizismus Österreichs. In seiner Person wurde auch eine wichtige Aufgabe des CV erstmals manifest, nämlich für die Elite des Politischen bzw. des Verbandskatholizismus zu sorgen.

Kaiser Franz Joseph verlieh ihm 1908 den Orden der Eisernen Krone I. Klasse (Großkreuz) und den Titel Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. In Linz wurde 1931 eine Straße nach ihm benannt.

Ebenhochs Ehefrau entstammte aus der in Vorarlberg weitverbreiteten Sippe Rhomberg, ohne jedoch mit Adolf Rhomberg (AIn EM) eng verwandt gewesen zu sein. Der Ehe entsprangen vier Töchter. Wilhelmine ehelichte den Arzt Ferdinand Rochard (Fd), Marie den späteren Sektionschef Rudolf Schober (Nc) und Isabella den späteren Bundesminister Hans Pernter (Nc).

Ebenhoch litt schon in frühen Jahren an Gicht, von dessen Anfällen er sich durch Kuraufenthalte erholen konnte. Im Laufe der Zeit kam eine Arteriosklerose hinzu, die nach seinem Rücktritt als Minister sich immer stärker bemerkbar machte. Nachdem ihm der Wiener Männerapostel P. Heinrich Abel SJ (AW EM) die Krankensalbung gespendet hatte, verstarb er zweieinhalb Monate nach seinem Ausscheiden aus der Politik an Herzlähmung und wurde in Wels begraben.

Werke

(Auswahl)
Elf Jahrhunderte deutsches Studententum (1886).
Hundert Fragen und Antworten für den Bauernstand (1887).
Sieben Vorträge über die „Sociale Frage“ (1887).
Der Sozialdemokrat. Schauspiel (1888)
Schärfere Tonart (1889).
Anno neun. Schauspiel (1903).
Queretaro. Sechs Bilder aus der mexikanischen Kaisertragödie. Schauspiel (1904).
Johann Philipp Palm. Trauerspiel (1906)
Was sind und was wollen die Socialdemokraten (o. J.)

Quellen und Literatur

Academia 20 (1907/08), S. 249–251, 21 (1908/98), S. 277. und 24 (1911/12), S. 401–404.
Gipp, Susanne: Dr. Alfred Ebenhoch (1855–1912). Wien phil. Diss. 1974
Slapnicka, Harry: Oberösterreich. Die politische Führungsschicht. 1861 bis 1918. Linz 1983, S. 60–65.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 11.05.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 07.12.2017