Der ÖCV auf den Hochschulen nach 1945

Nach 1945 wurde die studentische Vertretung bzw. Selbstverwaltung neu organisiert. Es wurde die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. Für die einzelnen Fakultäten und Universitäten (Hochschulen) wurden Vertretungskörper eingerichtet, zu denen es allgemeine Wahlen nach dem Verhältniswahlrecht gibt. Auf Bundebene gibt es den Zentralausschuß (nunmehr Bundesvertretung), zu dem es ab 2005 nur mehr eine indirekte Wahl gibt.

Für die Hochschülerschaftswahlen waren daher wahlwerbende „Parteien“ notwendig. Die Funktion für die katholische Seite (bzw. die der ÖVP) nahm bis 1967 der Wahlblock (Union Österreichischer Akademiker) wahr. Dieser war – ähnlich wie die Katholischen Akademiker-Ausschüsse vor 1933 – dachverbandsartig organisiert. Mitglieder waren u. a. die studentischen Korporationsverbände CV, KV und Katholische Landsmannschaften sowie die Freie Österreichische Studentenschaft als Sammelbecken von Einzelmitgliedern, wobei dort die Katholischen Hochschulgemeinden Einfluß gewannen.

Dieses Dachverbandsmodell war nicht mehr weiterführbar. Daher wurde 1967 die Österreichische Studentenunion (ÖSU) als „Mitgliederpartei“ gegründet, bei der anfänglich der ÖCV seinen Einfluß behielt. Die ÖSU geriet aber Mitte der siebziger Jahre in den Strudel ideologischer Auseinandersatzungen, die zu Abspaltungen führten. Von CVern wurde das Studentenforum gegründet, das von Innsbruck und Graz seinen Ausgang nahm und dann auch bundesweit Erfolg hatte. 1981 bis 1983 gelang ein Zusammenschluß der Rest-ÖSU mit den Studentenforen zur Aktionsgemeinschaft (AG).

Der Wahlblock konnte bei den alle zwei Jahren stattfinden Hochschulwahlen in den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren eine Vormachtstellung erreichen und auch erhalten, so daß von ihm immer der Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft gestellt wurde (vielfach CVer). Der Hauptgegner zu dieser Zeit war der ab 1953 agierende Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), der auch ein Sammelbecken der schlagenden Studenten war bzw. ist. Im Gegensatz zur Zwischenkriegszeit erreichte dieser aber nur max. 30 Prozent der Stimmen. Die Sozialisten blieben weit unter 20 Prozent.

Trotz des Jahres 1968 mit der international agierenden „Studentenbewegung“ konnte in den siebziger, achtziger und dann bis Mitte der neunziger Jahre die Vormachtstellung der ÖSU bzw. der AG gewahrt werden. Das war im internationalen Vergleich, vor allem auch mit Deutschland, eine einmalige Situation und u. a. auch dadurch möglich, daß der RFS bei den Wahlen dieser Jahre marginalisiert wurde.

Auf der „linken“ Seite gab es jedoch ein Anwachsen. Zum einen konsolidierten sich die Sozialisten (VSStÖ), zum anderen entstanden die Grün-Alternativen (GRAS). Das führte dazu, daß 1995 zum ersten Mal ein nicht dem Wahlblock/ÖSU/AG angehörender Mandatar zum Vorsitzenden der Österreichischen Hochschülerschaft gewählt wurde. 1997 wurde dann wieder ein AG-Kandidat gewählt, 2001 drehte sich das wieder zugunsten der Linken um. 2003 und 2005 verlor die AG sogar die relative Mehrheit, um sie ab 2007 dann wieder zu behaupten. Doch es gelang der AG mangels Koalitionspartner bislang nicht mehr, den Bundesvorsitzenden der ÖH zu stellen.

Es liegt aber nach wie vor im Interesse des ÖCV, daß sich viele seiner Mitglieder hochschulpolitisch engagieren. So war z. B. 2005 war rund ein Drittel der Mandatare der AG auf der Ebene der Universitätsvertretungen CVer. Doch entscheidend ist es vor allem, die entsprechenden Mehrheiten bei den Wählern zu bekommen.