Informationen

  Ernst Winsauer
Urverbindung: Vandalia (Prag) zu München (15.10.1909)
Geboren: 27.02.1890, Dornbirn (Vorarlberg)
Gestorben: 28.11.1962, Bregenz
Position: Landeshauptmann (Vorarlberg), Unterstaatssekretär, Nationalratsabgeordneter, Mitglied des Bundesrates, Mitglied des Länderrates, Chemiker

Lebenslauf

Winsauer wurde als Sohn eines Bauern geboren und besuchte in Dornbirn die Volksschule sowie die Realschule. In dieser Zeit war er Mitbegründer der katholischen Pennalie Siegberg (später MKV, aus diesem aber dann ausgeschieden, weil auch Schülerinnen aufgenommen werden). Nach der Matura im Jahr 1909 studierte er Chemie an der deutschen Technischen Hochschule in Prag (Dipl.-Ing. 1914), wo er der Vandalia beitrat. Als Aktiver engagierte er sich in den Ferien bei der Organisation der Vorarlberger Cartellfestes. Bereits seit 1913 war er Praktikant bei der Chemischen Versuchsanstalt des Landes Vorarlberg in Bregenz. Ab 1914 war er dort fest angestellt. Von der Kriegsdienstleistung war er befreit.

Winsauer engagierte sich aufgrund seiner Herkunft und auch seiner beruflichen Tätigkeit beim Bauernbund und wurde bereits im Dezember 1938 zum Vizepräsidenten des Landeskulturrates gewählt, aus der 1925 die Landwirtschaftskammer entstanden ist. Diese Funktion hatte er bis August 1934 inne, aufgrund derer er von seiner Tätigkeit in der Chemischen Versuchsanstalt karenziert war. Gleichzeitig gehörte er der Landesleitung des Vorarlberger Bauernbundes an.

Dem Engagement in der bäuerlichen Interessenspolitik folgten politische Funktionen. Er kandidierte für die Nationalratswahlen des Jahres 1927, wurde aber noch nicht gewählt, sondern rückte erst im Lauf der Legislaturperiode nach. Dem Nationalrat gehörte er dann vom 17. Juli 1929 bis zum 2. Mai 1934 an. Mit 14. Juli 1929 wurde er zum nominellen Direktor der Chemischen Versuchsanstalt ernannt.

Im Zuge der personellen Änderungen im Zusammenhang mit der Errichtung des „Ständestaates“ wurde der bisherige Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender (AIn) Präsident des Rechnungshofes. Am 24. Juli 1934 wurde Winsauer als dessen Nachfolger zum Landeshauptmann bestellt und übte dieses Amt bis zum 13. März 1938 aus. Damit verbunden war nach der ständestaatlichen Verfassung die Mitgliedschaft im Länderrat, dem er ab 29. November 1934 angehörte. Berichten zufolge soll er wiederholte Kritik an „diktatorische und faschistische“ Bestrebungen der Zentralstellen und an den Ermächtigungsgesetzen geübt haben, welche dem in Vorarlberg ausgeprägten demokratischen Grundgefühl nicht entsprachen.

Nach dem Anschluß im März 1938 wurde Winsauer als Landeshauptmann abgesetzt. In seiner Wohnung wurde am 27. März 1938 Otto Ender verhaftet. Im Oktober 1938 wurde dann Winsauer als Direktor der Chemischen Versuchsanstalt ohne Pensionsanspruch entlassen. Ab September 1939 war er der Vertreter einer Potsdamer chemisch-pharmazeutischen Firma in Wien, ab Oktober 1940 konnte er jedoch als Chemiker in einem Vorarlberger Betrieb arbeiten.

Nach dem Krieg wurde Winsauer mit 1. Juni 1945 als Leiter der Chemischen Versuchsanstalt in Bregenz wieder eingesetzt. Auf Beschluß der 1. Länderkonferenz trat er in die Provisorische Staatsregierung Karl Renner ein und bekleidete das Amt eines Unterstaatssekretärs (entsprach einem nunmehrigen Staatssekretär) in Staatsamt (Ministerium) für Volksernährung. Diese Funktion bekleidete er knapp drei Monate vom 26. September bis 20. Dezember 1945.

Der erste nach 1945 gewählte Vorarlberger Landtag wählte ihn in den Bundesrat, dem er vom 19. Dezember 1945 bis zum 3. August 1946 (Mandatsniederlegung) angehörte. Daneben war er noch als Obmann des Vorarlberger Genossenschaftsverbandes und der Hafenkommission des österreichischen Rheinschiffsverbandes tätig und gehörte bis zu seinem Tod dem Aufsichtsrat der Genossenschaftlichen Zentralbank an.

Quellen und Literatur

Österreich 1918 – 1938. Geschichte der Ersten Republik. Hg. von Erika Weinzierl und Kurt Skalnik. 2. Band. Graz 1982, S. 1013 und 1032.
Academia 25 (1912/1913), S. 89.
Enderle-Burcel, Gertrude: Christlich–ständisch–autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–1938. Biographisches Handbuch der Mitglieder des Staatsrates, des Bundeskulturrates, des Bundeswirtschaftsrates sowie des Bundestages. Unter Mitarbeit von Johannes Kraus. Hg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und der Österreichischen Gesellschaft für Quellenstudien. Wien 1991, S. 264f.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 06.08.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 26.02.2016