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Karl Buresch

Karl Buresch

Ehrenmitgliedschaften: Welfia

Geboren: 12.10.1878, Groß-Enzersdorf (Niederösterreich)
Gestorben: 16.09.1936, Wien
Bundeskanzler, Landeshauptmann von Niederösterreich, Nationalratsabgeordneter (Klubobmann), Landtagsabgeordneter (Niederösterreich), Rechtsanwalt

Lebenslauf:

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BERUFSEINSTIEG

Buresch wurde als Sohn eines Kaufmanns und Landwirts geboren, der früh verstarb und dessen Familie aus Mähren stammte. Buresch absolvierte das Gymnasium in Wien-Döbling (Matura 1897) und studierte anschließend an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1901). Danach schlug er die Berufslaufbahn eines Rechtsanwalts ein, war Rechtsanwaltsanwärter und eröffnete 1910 eine eigene Rechtsanwaltskanzlei in Groß-Enzersdorf.

Dort gelangte Buresch im Rahmen der Christlichsozialen Partei bzw. des Bauernbunds bald in die Politik, war seit 1909 Gemeinderat und von 1916 bis 1919 Bürgermeister von Groß-Enzersdorf. Im Krieg war er zeitweise eingerückt (Leutnant der Reserve).

POLITISCHE LAUFBAHN

Aus dieser kommunalpolitischen Position heraus wurde Buresch für die Wahlen am 16. Februar 1919 zur Konstituierenden Nationalversammlung aufgestellt und gewählt. Dieser gehörte er als Nachrücker erst ab 23. Mai 1919 bis 9. November 1920 an, daran anschließend war er vom 10. November 1920 bis – nach Wiederwahlen – zum 2. Mai 1934 Nationalratsabgeordneter.

Parallel dazu – das war damals nicht unüblich – war Buresch auch in der niederösterreichischen Landespolitik tätig. Im Zuge des Trennungsprozesses zwischen Niederösterreich und Wien ab 1920 wurde am 24. April 1921 ein eigener Landtag Niederösterreich-Land gewählt. Buresch kandidierte bei diesen Wahlen, wurde gewählt und gehörte dem Landtag vom 11. Mai 1921 bis zum 20. Mai 1927 an.

Als sich der bisherige niederösterreichische Landeshauptmann Johann Mayer aus dem politischen Leben zurückzog, wurde Buresch am 9. Juni 1922 zum Landeshauptmann gewählt. Am 30. Juni 1931 legte er dieses Amt zurück, weil er zuvor zum Bundeskanzler ernannt wurde. Nach seinem Rücktritt von dieser Funktion wurde er am 21. Mai 1932 neuerlich zum Landeshauptmann gewählt, welches Amt er dann bis zum 12. Mai 1933 ausübte, zusammengerechnet rund elf Jahre.

Buresch interessierte sich neben der Landespolitik zunehmend auch für die Bundespolitik. Intensiviert wurde dieses Interesse, als er am 1. Juli 1929 zum Nachfolger von Jodok Fink zum Klubobmann der Christlichsozialen Partei im Nationalrat gewählt wurde. Diese Funktion übte er – mit kurzer Unterbrechung vom 5. Februar bis 27. Mai 1932, als Leopold Kunschak (Nc EM) dieses Amt innehatte – bis zum 2. Mai 1934 aus. Dieses Amt war neben dem des Landeshauptmanns von Niederösterreich eine wichtige Ausgangsbasis für seine Ernennung zum Bundeskanzler am 20. Juni 1931, was er nicht einmal ein Jahr bis zum 20. Mai 1932 blieb (Kabinette Buresch I und II). Sein diesbezüglicher Vorgänger war Otto Ender (AIn). Seinen beiden Regierungen gehörten u. a. Emmerich Czermak (NdW), Engelbert Dollfuß (F-B), Eduard Heinl (Baj EM), Josef Resch (Nc EM) und Carl Vaugoin (Rd EM) an. Sein Nachfolger wurde dann Dollfuß.

Am 10. Mai 1933 wurde Buresch zum Bundesminister für Finanzen ernannt, welches Amt er bis zum 17. Oktober 1935 ausübte (Regierungen Dollfuß I und II sowie Schuschnigg I). Danach war er bis zum 30. Januar 1936 Bundesminister ohne Portefeuille (Regierung Schuschnigg I). Nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung war er für kurze Zeit (rund acht Monate) bis zu seinem Tod Gouverneur der Postsparkasse.

BURESCH ALS LANDESHAUPTMANN, BUNDESKANZLER, KLUBOBMANN UND FINANZMINISTER

Als Landeshauptmann vertrat Buresch die finanziellen Interessen seines Landes und hatte ein gutes Verhältnis zu Oskar Helmer, seinem sozialdemokratischen Stellvertreter und Innenminister nach 1945. Er geriet jedoch in den Jahren 1924 bis 1926 wegen Spekulationsverluste bei der von ihm gegründeten Bauernbank ins Gerede, wobei auch Vorwürfe wegen privater Bereicherung erhoben wurden. Von 1928 bis 1932 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Newag, von welcher Position er wegen eines Skandals zurücktreten mußte.

Nachdem die Regierung Ender wegen der Creditanstalt-Krise scheiterte und Ignaz Seipel (Nc EM) keine Große Koalition mit den Sozialdemokraten zusammenbrachte, wurde der erfahrene Taktiker Buresch mit der Regierungsbildung betraut, wobei sein Kabinett als Übergang betrachtet wurde. Aufgrund der wirtschaftlich desolaten Situation und der leeren Kassen war das für ihn keine gute Ausgangsbasis. Einen beträchtlichen Teil seiner Zeit verbrachte er in Genf (Völkerbund), um Finanzhilfen zu bekommen. In seiner Regierungszeit radikalisierte sich die österreichische Innenpolitik weiter. So fielen in seine Amtszeit der Putsch des steirischen Heimwehrführers Walter Pfrimer am 13. September 1931 sowie der Beginn der verstärkten Agitation der Nationalsozialisten in Österreich.

Im Jänner 1932 scheiterte sein Koalitionskabinett, als die Großdeutschen die Regierung verließen. Diese wollten einen „deutschen Kurs“ in der Außenpolitik und fürchteten, von den Nationalsozialisten zerrieben zu werden. Buresch bildete nun eine Minderheitsregierung (Buresch II) aus Christlichsozialen und dem Landbund. In diese trat Kurt von Schuschnigg (AIn) als Justizminister ein. Diese Regierung wurde von den Sozialdemokraten geduldet.

Nach den für die Christlichsozialen schlecht ausgegangenen Landtagswahlen in Niederösterreich, Salzburg und Wien im April 1932, wo die Nationalsozialisten stark zulegten, trat Buresch zurück und wurde wieder Landeshauptmann von Niederösterreich. Das schlechte Wahlergebnis interpretierten die Christlichsozialen als Absage an eine Große Koalition. Ein Ruf nach Neuwahlen wurde aus verständlichen Gründen abgeblockt, weil man fürchtete, daß die Nationalsozialisten 20 bis 25 Prozent erreichen würden.

Als Klubobmann spielte Buresch bei der sog. Ausschaltung des Nationalrates eine gewichtige Rolle im Hintergrund, als es darum ging, welchen Kurs nun die Regierung Dollfuß einschlagen solle.

Als Finanzminister ab Mai 1933 konnte Buresch einige Erfolge erzielen, jedoch wurde die Geldwertstabilitätspolitik mit einer hohen Arbeitslosenquote erkauft, ein Vorwurf, der von ausgabenorientierten Ökonomen, Politikern und Historikern, die eher der linken Seite zuzurechnen sind, erhoben wird. Am 12. Februar 1934 bekam er den Beginn des Schutzbundaufstandes gar nicht mit und empfing noch am Nachmittag den sozialdemokratischen Finanzstadtrat von Wien, Robert Danneberg, zu einem Gespräch. Danach wurde dieser verhaftet.

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde Buresch Gouverneur der Postsparkasse. Diese kurze Ära wurde von verschiedenen Skandalen, u. a. dem der Versicherung Phönix, geprägt. Nach etwas mehr als einem halben Jahr in dieser Funktion verstarb er, was Gerüchten Auftrieb verschaffte, Buresch hätte sich mit einer Überdosis von Beruhigungstabletten das Leben genommen. Das Requiem zelebrierte in der Wiener Schottenkirche der Erzbischof von Wien, Theodor Kardinal Innitzer (NdW). Begraben wurde er auf dem Friedhof von Groß-Enzersdorf.

Sein Sohn war der spätere Diplomat Eugen Buresch (ehemals Nc), der nach 1945 wegen Wiederverheiratung aus dem CV ausgeschieden ist.

Quellen und Literatur:

Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 1, Wien 1957, S. 128,
Borodajkewcz, Taras (ehem. Nc): Karl Buresch, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 42 (Online-Version: www.deutsche-biographie.de./gnd117186007)
Kriegler, Johann: Politisches Handbuch des Burgenlands. I. Teil (1921–1938). Eisenstadt 1972, S. 84.
Goldinger, Walter–Binder, Dieter A.: Geschichte der Republik Österreich 1918–1938. Wien 1992, bes. S. 185, 188–194 .
Fritz, Wolfgang: Für Kaiser und Republik. Österreichs Finanzminister seit 1848. Wien 2003, S. 193f.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 378ff.
Bezemek, Ernst–Dippelreiter, Michael: Politische Eliten in Niederösterreich. Bei biografisches Handbuch 1921 bis zur Gegenwart (= Schriftenreihe des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg, Band 38). Wien 2011, S. 44f.
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