Informationen

  Konrad Walcher
Ehrenmitgliedschaften: Rudolfina
Geboren: 22.11.1871, Reichenfels (Bezirk Wolfsberg, Kärnten)
Gestorben: 03.06.1928, Klagenfurt
Position: Reichsratsabgeordneter, Mitglied des Bundesrates, Landtagsabgeordneter (Kärnten), Chefredakteur, Weltpriester

Lebenslauf

Walcher wurde als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Nach der Volksschule besuchte er das nahegelegene Benediktinergymnasium in St. Paul im Lavanttal, wechselte jedoch dann an das Staatsgymnasium in Klagenfurt, wo er 1892 maturierte. Danach trat er in das Klagenfurter Priesterseminar ein und studierte an der dortigen Philosophisch-Theologischen Hauslehranstalt.

1896 wurde Walcher zum Priester geweiht. Nach kurzer Tätigkeit als Kaplan wurde er Chefredakteur der 1893 gegründeten katholischen Tageszeitung „Kärntner Tagblatt“, die vom St.-Josefs-Verein herausgegeben wurde. Das war der katholische Preßverein der Diözese Gurk. Diese Funktion bekleidete er bis Ende 1911. Sein Nachfolger wurde Michael Paulitsch (Rd EM). Durch diese Funktion kam Walcher zwangsläufig in Kontakt mit dem Politischen Katholizismus, bei dem er sich zunehmend engagierte. Er wurde als glänzender Redner und Schreiber sowie als „Kampfnatur“ bezeichnet, der sich in einem „Zweifrontenkrieg“ zwischen nationalem Freisinn und Sozialdemokratie bewährte.

1907 kandidierte Walcher für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates, wurde im Wahlkreis Wolfsberg-St. Paul-St. Leonhard Land gewählt und gehörte dann dem Reichsrat vom 17. Juni 1907 bis zum 30. März 1911 an. Außerdem war er vor dem Ersten Weltkrieg Abgeordneter im Kärntner Landtag. Dort wie im Reichsrat galt sein hauptsächliches politisches Interesse landwirtschaftlichen Fragen.

Die Auseinandersetzungen rund um das Wahrmundjahr 1907/08, in dem es u. a. um die Gleichberechtigung der katholischen Studentenverbindungen ging, wurden am 23. März 1908 (und an folgenden Tagen) im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses zur Sprache gebracht. Walcher gehörte diesem Ausschuß an und schilderte anhand eines reichen Materials publizistischer und offizieller Provenienz die „via crucis“ der katholischen Studentenschaft an den österreichischen Hochschulen und die absichtliche und beklagenswerte Machtlosigkeit aller bisherigen Unterrichtsminister gegenüber der starren Rechtsverweigerung der freisinnigen Professoren. In Graz, so Walcher, herrsche anstatt des akademischen ein Geist der Unduldsamkeit, und man könne dort eher von einer Prügel- als von einer Gelehrtenrepublik sprechen.

Walchers Einsatz für die katholischen Verbindungen bzw. den CV in dieser Sache bewog offenbar die Rudolfina, ihn bald danach zum Ehrenphilister zu ernennen.

Walcher kandidierte neuerlich bei den Reichsratswahlen des Jahres 1911 und erhielt in seinem Wahlkreis im ersten Wahlgang auch die meisten Stimmen. Im zweiten Wahlgang votierten die Sozialdemokraten für den zweitplazierten Kandidaten von der Deutschen Volkspartei (deutschnational), so daß dieser dann gewählt wurde.

Nach dem Krieg war Walcher weiterhin für die Christlichsozialen tätig und wurde vom Kärntner Landtag in den Bundesrat gewählt, dem er vom 1. Dezember 1920 bis zum 15. Juni 1927 angehörte. Des weiteren war er Stadtpfarrer von St. Veit an der Glan sowie Dechant des dortigen Dekanats.

Walcher und der drei Jahre jüngere Paulitsch, die sich vom Studium bzw. dem Priesterseminar her kannten und die beide aus derselben Gegend (Lavanttal) stammten, waren die beiden führenden Persönlichkeiten der Christlichsozialen Partei in Kärnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Daß beide Priester waren, lag in dem Umstand begründet, daß im nationalliberalen Milieu Kärntens, wo es auch keine Universität gab, der Aufbau einer katholisch-akademischen Führungsschicht kaum möglich war. Somit mußten dort vermehrt als anderswo Priester diese Rolle einnehmen. Der Politische Katholizismus hatte es zwischen der nationalliberalen und später der ebenfalls dominanten sozialdemokratischen Grundstimmung im Land schwer – was sich im Grunde bis in die Gegenwart nicht geändert hat. Die Ehrenmitgliedschaftsverleihungen der Rudolfina an Walcher und Paulitsch begründeten bei ihr eine gewisse „Kärntner Tradition“.

Eine Erkrankung nötigte Walcher, dem öffentlichen Wirken zu entsagen, und er starb nach längerem Leiden.

Werke

Der Socialdemokrat am Ende des neunzehnten Jahrhunderts oder Die Socialdemokraten aus ihren eigenen Worten und Taten gerichtet (1899).

Quellen und Literatur

Freund, Fritz: Das österreichische Abgeordnetenhaus. Ein biographisch-statistisches Handbuch. 1907–1913. XI. Legislaturperiode. Wien 1907, S. 236.
Reichspost, 4. 6. 1928, S. 2.
Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, S. 624.
Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 151.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 28.05.2014
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 12.12.2017