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LT-Präs. Abg. z. NR a.D. MinR i.R. Dr. Viktor Kolassa

LT-Präs. Abg. z. NR a.D. MinR i.R. Dr. Viktor Kolassa

Urverbindung: Nordgau Wien (15.06.1900)

Bandverbindungen: Alp, NdP, Pan, Rt-D

Geboren: 05.02.1880, Gleiwitz (Oberschlesien, nunmehr Gliwice, Polen)
Gestorben: 18.10.1962, Wien
Nationalratsabgeordneter, Zweiter Präsident des Wiener Landtags, Generalsekretär der Christlichsozialen Partei, Beamter (Ministerialrat)
Politische Haft: Polizeihaft 1938/39 und 1944

Lebenslauf:

Kolassa stammte aus dem katholisch geprägten Oberschlesien. Sein Vater betrieb später eine Apotheke in Troppau (nunmehr Opava, Tschechien, der Hauptstadt des Kronlands Österreichisch-Schlesien. Er übersiedelte offenbar alleine nach Wien und absolvierte 1898 das Landstraßer Gymnasium. Danach begann er das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur,), wo er dem gerade gegründeten Nordgau beitrat (Couleurname Flott) beitrat und wo er auch Senior war. 1908 trat er in den Dienst der niederösterreichischen Statthalterei und war an den Bezirkshauptmannschaften Gänserndorf und Neunkirchen eingesetzt.

Kurz vor dem Krieg wurde Kolassa nach Wien in das k. k. Handels-Ministerium versetzt und war von 1914 bis 1917 Kriegsteilnehmer. Nach dem Krieg war er zuerst Leiter des Volksbekleidungsamtes und wurde bald als Sektionsrat in den Stand des Bundesministeriums für Handel und Verkehr übernommen. 1930 erhielt er den Berufstitel Hofrat.

Kolassa engagierte sich nicht nur im katholischen Bereich und im CV – hier war er 1921 einer der Gründer der Alpenland – , sondern auch bei der Gewerkschaft Christlicher Angestellter im Öffentlichen Dienst. Hier wurde er 1926 Obmann der Akademikersektion. Dadurch gelangte er in eine vorpolitische Stellung. Das führte dazu, daß er 1927 bei den Wahlen zum Wiener Gemeinderat bzw. Landtag kandidierte, gewählt wurde und diesem vom 20. Mai 1927 bis zum 24. Mai 1932 angehörte. Vom 5. Dezember 1930 war er bis zum Ende der Wahlperiode Zweiter Präsident des Landtags.

Nach dem überraschenden Tod des Generalsekretärs der Christlichsozialen Partei, Franz Odehnal, Ende 1928 – er war in diesem Amt der kurzeitige Nachfolger des Anfang April 1928 verstorbenen Friedrich Schönsteiner (Alp EM) – wurde Anfang 1929 Kolassa zum Generalsekretär gewählt. Dieses Amt war damals nicht vergleichbar mit dem Generalsekretär der ÖVP nach 1945, denn vor 1934 war die Christlichsoziale Partei wesentlich stärker föderalistisch strukturiert. Er bekleidete dieses Amt bis zur offiziellen Auflösung der Partei am 28. September 1934 unter den Parteiobmännern Ignaz Seipel (Nc EM), Carl Vaugoin (Rd EM) und Emmerich Czermak (NdW).

Kolassa kandidierte 1930 bei den Wahlen zum Nationalrat, wurde noch nicht gewählt, sondern rückte erst am 13. Februar 1932 nach und gehörte dann diesem von da an bis zum 2. Mai 1934 an. Danach war Kolassa wieder Beamter in der Gewerbeabteilung des Handelsministeriums und wurde inzwischen zum Ministerialrat ernannt. Gleichzeitig beteiligte er sich am ständischen Aufbau des „Ständestaates“ und wurde 1935 Vorsitzender der neu gegründeten Beamtenkammer.

Im Zuge des Anschlusses wurde Kolassa am 17. März 1938 verhaftet, jedoch nach vier Tagen wieder entlassen. Am 31. Juli 1938 wurde er mit reduzierten Bezügen zwangspensioniert. Vom 2. November 1938 bis zum 30. März 1939 saß er in Untersuchungshaft. Nach dem Hitler-Attentat saß er vom 23. August bis zum 6. Oktober 1944 neuerlich in Polizeihaft (Roßauer Lände).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kolassa als Ministerialrat rehabilitiert und war Leiter der Abteilung Gewerbepolitik und Gewerberecht im damaligen Staatsamt (Ministerium) für Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr der Provisorischen Staatsregierung, das von Eduard Heinl (Baj EM) als Staatssekretär (Minister) geleitet wurde, später dann im Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau. Mit 1. Mai 1947 ging er in Pension. Er wurde auf dem Döblinger Friedhof begraben.

Quellen und Literatur:

Academia 43 (1930/31), 105.
Biographisches Handbuch der österreichischen Parlamentarier 1918–1993. Hg. von der Parlamentsdirektion. Wien 1993, 286.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Farbe Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, 376.
Personen | gedenkort.at (Viktor Kolassa, Abruf 23. 4. 2026).