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Siegmund Guggenberger

Siegmund Guggenberger

Urverbindung: Kürnberg (13.10.1911)

Geboren: 31.12.1891, Schindlau (Gemeinde Ulrichsberg, Bezirk Rohrbach, Oberösterreich)
Gestorben: 21.05.1969, Wien
Öffentlicher Verwalter der RAVAG (Radioverkehrs AG), Schriftsteller

Lebenslauf:

Guggenberger wurde als Sohn eines Finanzbeamten geboren. Nach der Volksschule absolvierte er 1911 das Stiftsgymnasium Kremsmünster und begann anschließend das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur. 1918), wo er dem Kürnberg beitrat (Couleurname Lancelot) und dort im Sommersemester 1919 Senior war. Während des Ersten Weltkriegs, Guggenberger war nicht eingerückt, bekleidete er im Kriegsausschuß das Amt des Fuchsmajors. Gleich nach dem Krieg war er auch bei der Sammlung der katholischen Studentenschaft aktiv. Bei dem von Karl Rudolf (Am) initiierten Katholisch-Deutschen Hochschul-Ausschusses wurde er am 2. November 1918 zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Nach Studienende war Guggenberger kurz bei einer Bank beschäftigt sowie als Hauslehrer bei der Familie Windischgrätz tätig. Ende 1920 fand er beim Volksbund der Katholiken Österreich eine Anstellung und war als Kulturreferent tätig. In dieser Position setzte er sich schon früh mit dem Nationalsozialismus kritisch auseinander und verfaßte bereits 1923 die Broschüre „Was wollen die Nationalsozialisten?“. Darin warnte er vor der Agitationskraft der Nationalsozialisten und analysierte recht genau deren Programm. Insbesondere erkannte er dessen Feindschaft gegenüber Christentum und Katholizismus

Am 21. November 1923 hielt Guggenberger vor dem WCV-Ausschuß ein Referat über die Unmöglichkeit einer Mitarbeit in der NSDAP wegen ihres antikirchlichen und kulturpolitischen Programms. Anschließend hatte der WCV-Ausschuß einstimmig beschlossen, daß das Hakenkreuz von keinem CVer getragen werden darf. 1932 erschien dann von ihm die Broschüre „In diesem Zeichen? Was der Katholik von Nationalsozialismus wissen muß“. Darin ging er noch deutlicher auf die weltanschaulichen Grundsätze des Nationalsozialismus ein und analysiert sie vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens. Hier behandelte er auch die Judenfrage, wobei er seinen christlichsozialen Antisemitismus nicht verleugnete. Allerdings schrieb er in bemerkenswerter Weise: „Wenn der Nationalsozialismus behauptet, die Judenfrage sei nur mit brutaler Gewalt zu lösen, dann begibt er sich in bewußtem Gegensatz zum Christentum.“

Aufgrund seiner Tätigkeit im Volksbund war Guggenberger häufig als Vortragender im katholischen Bereich tätig, so u. a. bei den Steirischen Katholikentagen 1922 und 1933. Bei der Vorbereitung des Allgemeinen Deutschen Katholikentags 1933 in Wien war er auch eingesetzt.

1933 wechselte Guggenberger vom Volksbund zur Radioverkehrs AG (RAVAG). Dort wurde er Leiter der wissenschaftlichen Abteilung. Nach dem Anschluß im März 1938 wurde er entlassen. Aufgrund seiner Beziehungen zur Kirche konnte er 1939 eine Anstellung bei der Finanzkammer der Erzdiözese Wien finden, wo er dann bis 1945 war.

1945 wurde Guggenberger vom Rundfunk bzw. der RAVAG rehabilitiert und war dann deren Öffentlicher Verwalter vom 12. November 1945 bis zur Gründung der Österreichischen Rundfunk GmbH am 1. Januar 1958. In dieser Eigenschaft war er maßgeblich am Wiederaufbau des Österreichischen Rundfunks beteiligt. Sein Nachfolger als Geschäftsführer bzw. Generaldirektor wurde Karl Czejka (Alp). Bereits in Pension wurde Guggenberger 1960 in einer schwierigen Situation für ein Jahr zum Direktor der erzbischöflichen Finanzkammer Wiens berufen.

Guggenberger war auch schriftstellerisch tätig und verfaßte zahlreiche Volksstücke, utopische Romane, Erzählungen und Hörspiele. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.

Werke:

(Auswahl)
Kirche und Staat in Österreich (1922).
Was wollen die Nationalsozialisten (1923).
Eurofasia. Die Welt in 30 Jahren. Roman (1927).
In diesem Zeichen? Was der Katholik vom Nationalsozialismus wissen muß (1932).
Praktischer Rednerkurs (1933).
Aus kleiner Welt (1938)
Aus Dorf und Stadt. Erzählungen für das Volk (1939).
Maria Königin der Apostel. Die ersten Zeiten der Kirche Christi (1939).
Der lateinische Bauer. Volksstück (1947).
Mutti. Volksstück (1948).
Festschrift zum 60jährigen Bestand der K. Ö. St. Kürnberg (Herausgeber, 1960).

Quellen und Literatur:

Hartmann, Gerhard (Baj): Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Kevelaer 2006, S. 252–254, 291,
Polgar, Michael: 100 Jahre K. Ö. St. V. Kürnberg 1900–2000. Wien 2000, S. 230f.