Informationen

  Guido Preglau
Urverbindung: Austria-Wien (16.10.1929)
Geboren: 30.07.1910, Villach (Kärnten)
Gestorben: 10.08.2001, Wien
Position: Sektionschef (Bundeskanzleramt)

Lebenslauf

Preglau wurde als Sohn eines Postbeamten geboren und begann nach der Matura im Jahr 1928 das Studium sowohl an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr. iur.) als auch an der Hochschule für Welthandel in Wien (Dkfm.), wo er der Austria beitrat (Couleurname Guy). Nach Beendigung des Studiums trat er in den Dienst der Finanzverwaltung. In der Folge engagierte er sich in der Vaterländischen Front und war dort stellvertretender Leiter der Interventionsabteilung. 1939 wurde er zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und machte den Zweiten Weltkrieg an mehreren Kriegsschauplätzen mit. Die Offizierslaufbahn lehnte er konsequent ab.

Nach dem Krieg kehrte Preglau in den Öffentlichen Dienst zurück und wurde der dem Bundeskanzleramt unterstellten „Österreichhilfe der Vereinten Nationen“ zugeteilt, die unter der Leitung von Sektionschef Rudolf Leopold (Kb) stand. Diese wurde in der Folge für die Marshall-Plan-Hilfe bzw. das ERP zuständig, 1950 als Sektion V des Bundeskanzleramtes eingerichtet und später als Sektion für wirtschaftliche Koordination benannt. Preglau wurde bereits 1955 vom damaligen Bundeskanzler Julius Raab (Nc) zum Sektionsleiter dieser Sektion bestellt und mit 1. Januar 1956 zum Sektionschef ernannt. In dieser Funktion war er u. a. auch für die Außenstellen des Bundeskanzleramtes in Brüssel, Paris und Washington betreffend OECD und EFTA zuständig. U. a. waren der spätere Bundespräsident Thomas Klestil (Baj) sowie der spätere Vizekanzler Alois Mock (Nc) an solchen tätig.

Die außergewöhnliche Kompetenz von Preglau manifestierte sich auch in seiner Bestellung zum Alleingeschäftsführer der „Gesellschaft für Ablöselieferungen“ an die damalige UdSSR, die mit der Abwicklung des diesbezüglichen Teiles des Staatsvertrages von 1955 betraut war, bei dessen Verhandlungen er auch beteiligt war. Die korrekte und pönalfreie Abwicklung des diesem unterliegenden Warenverkehrs hat schließlich zur vorzeitigen Erfüllung der staatsvertraglichen Verpflichtungen sowie zu beträchtlichen Waren- und Devisenrückflüssen zum Vorteil Österreichs geführt. Darüber hinaus war Preglau Mitautor des 1962 erlassenen ERP-Fonds-Gesetzes und Leiter bzw. Geschäftsführer des ERP-Fonds, welcher die aus Mitteln des US-Marshall-Planes dotierten Finanzmittel zwecks Wiederherstellung der Wirtschaftskraft Österreichs zu vergeben hatte.

Vom damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky zu einem zusätzlichen Dienstjahr eingeladen, wurde Preglau mit 30. Juni 1976 in den dauernden Ruhestand versetzt. Er verstarb im 92. Lebensjahr und wurde auf dem Döblinger Friedhof begraben. Sein ältester Sohn ist Herbert Preglau (Baj) war Sektionschef im Wirtschaftsministerium.

Quellen und Literatur

Mitteilung von Herbert Preglau (Email, 27. 2. 2017)

Erstellt von Gerhard Hartmann am 27.02.2017
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 11.12.2017