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Heinrich Prinz zu Schwarzenberg

Heinrich Prinz zu Schwarzenberg

Urverbindung: Austria Innsbruck (11.12.1923)

Bandverbindungen: R-D, Cl, GlL, Gu, M-D

Geboren: 29.01.1903, Preßburg (damals Ungarn, heute Bratislava)
Gestorben: 18.06.1965, Wien
Reichsständischer Adel, Gutsbesitzer, Diplomat
Politische Haft: 1943/44 u. a. im KZ Buchenwald

Lebenslauf:

Heinrich Karl Borromäus Maria Franz von Sales Prinz zu Schwarzenberg wurde als zweiter Sohn des Prinzen Felix zu Schwarzenberg und der Prinzessin Anna von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg geboren. Sein Großvater Adolf Joseph war der 8. Fürst zu Schwarzenberg. Sein Vater war Offizier, so daß er seine Kindheit und Jugend als „Tournisterkind“ in Preßburg (damals Pozsony), Wien, Lemberg (heute L’viw), Pardubitz (Pardubice), Stanislau (heute Iwano-Frankowsk) und Brandeis an der Elbe (heute Brandýs nad Labem) verbrachte. Prinz Felix war u. a. Kommandant der „Windischgrätz“-Dragoner (Dragonerregiment Nr. 14) und beendete seinen Dienst als k. u. k. Generalmajor.

Heinrich Schwarzenberg besuchte die Gymnasien u. a. in Budweis (heute Ceské Budejovice), St. Paul im Lavanttal und in Kalksburg, wo er 1922 maturierte. Danach begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Im Wintersemester 1923/24 wechselte er nach Innsbruck (dort Dr. iur. 1928), wo er der Austria beitrat (Couleurname ursprünglich Klips, dann Dr. cer. Heinrich). Gleichzeitig mit ihm wurde Georg Graf von Thun und Hohenstein rezipiert. Während des Vorortes der Autstria Innsbruck bekleidete er im Sommersemester 1925 das Amt des 2. Vorortsschriftführers.

Bei der Gründung der Rheno-Danubia 1927 war Heinrich Schwarzenberg beteiligt und gilt als Gründungsmitglied. Dort bekleidete er das Amt des Conseniors (Wintersemester 1927/28) und Fuchsmajors (Wintersemester 1928/29).

Nach Studienende trat Heinrich Schwarzenberg in den Dienst der Tiroler Landesregierung. Ab 1930 war er beim Aufbau der Ostmärkischen Sturmscharen unter dem späteren Bundeskanzler Kurz Schuschnigg (AIn) beteiligt. Ende 1933 wechselte er nach Wien in den Diplomatischen Dienst und war jeweils kurze Zeit an den österreichischen Gesandtschaften in Budapest und Rom tätig, um dann als Sekretär dem Staatssekretär bzw. Unterrichtsminister Hans Pernter (Nc) zugeteilt zu werden.

Als in Österreich 1936 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, meldete sich Heinrich Schwarzenberg 1937 als Einjährig-Freiwilliger zur Artillerie und war damals der älteste dieser Art. Nach dem Anschluß wurde er in die Deutsche Wehrmacht übernommen, jedoch im September 1938 entlassen. Zwischenzeitlich wurde er auch als Beamter entlassen (letzter Rang Ministerialsekretär, nach 1945 war das die VI. Dienstklasse, die später in Rat umbenannt wurde).

Heinrich Schwarzenbergs Vetter, der 10. Fürst Adolf zu Schwarzenberg, war kinderlos geblieben, so daß er ihn adoptierte. Als entschiedener Gegner der Nazis emigrierte Fürst Adolf nach der Besetzung der Rest-Tschechei im März 1939 über die Schweiz und Italien in die USA und setzte Heinrich Schwarzenberg zum Generalbevollmächtigten seiner Besitzungen (Schwarzenberg’sches I. Majorat) ein. Diese wurden auf dem Gebiet „Großdeutschlands“ (inkl. dem Protektorat Böhmen-Mähren) konfisziert.

Als Heinrich Schwarzenberg im Zuge einer Inspektionsreise zu den Gütern nach Italien reiste, wurde er in seiner Abwesenheit als „reichsfeindlich“ eingestellt. Eine Einreise nach „Großdeutschland“ wurde ihm verwehrt, so daß er vorläufig in Italien bleiben mußte. Als es im Sommer 1943 zum Sturz Mussolinis kam und Deutschland Italien besetzte, wurde er auf Weisung Heinrich Himmlers am 28. Oktober 1943 verhaftet. Nach Stationen in Gefängnissen in Genua, Mailand, Verona, Innsbruck und Linz wurde er am 28. Januar 1944 ins KZ Buchenwald eingeliefert. Von dort konnte er auf Intervention von Freunden am 19. Juli 1944 – einen Tag vor dem Hitler-Attentat – freikommen. Danach wurde er in einem Linzer Rüstungsbetrieb zwangsweise dienstverpflichtet, wo er bis zum Kriegsende blieb.

Nach dem Krieg gelang es Heinrich Schwarzenberg, die beschlagnahmten Schwarzenberg’schen Besitzungen in Österreich und Westdeutschland zurückzubekommen, wegen der sog. Benesch-Dekrete und der kommunistischen Machtübernahme nicht jedoch den bedeutenden Anteil in der Tschechoslowakei. Als Generalbevollmächtigter widmete er sich der wirtschaftlichen Restrukturierung dieser Besitzungen, in Österreich vor allem in der Obersteiermark (Bezirk Murau) und in Wien (Palais Schwarzenberg). Nachdem sein Vetter Fürst Adolf 1950 verstarb, erbte er als nunmehriger Majoratsherr die Schwarzenberg’schen Besitzungen.

Der Fürstentitel ging jedoch nach dem Schwarzenberg’schen Hausgesetz auf Prinz Joseph, dem älteren Bruder von Heinrich Schwarzenberg, über, der nun 11. Fürst zu Schwarzenberg (des 1. Majorats) wurde, jedoch auf die Besitzungen auch verzichtete. Auch dieser blieb söhnelos. Heinrich Schwarzenberg heiratete 1946 Elisabeth Gräfin zu Stolberg-Stolberg, aus deren Ehe lediglich 1947 Elisabeth Prinzessin zu Schwarzenberg entstammte. Da sich nun ein Erlöschen des 1. Majorats im Mannesstamme abzeichnete, adoptierte Heinrich Schwarzenberg 1960 Karl Prinz zu Schwarzenberg (*1937, MKV Tegetthoff Wien), den Sohn von Karl, VI. Fürst zu Schwarzenberg, vom 2. Majorat, das nicht so begütert ist wie das 1. Majorat. Das selbständige 2. Majorat entstand 1802, als Fürst Joseph Johann dieses an seinen jüngeren Bruder Karl, dem Sieger der Völkerschlacht bei Leipzig von 1813, abtrat, womit 1804 eine eigenständige fürstliche Linie entstand.

Als Heinrich Schwarzenberg 1965 starb, erbte nun Prinz Karl die Besitzungen des 1. Majorats. Als Joseph, 11. Fürst zu Schwarzenberg, 1979 verstarb, war das 1. Majorat im Mannesstamme erloschen. Als Karl, VI. Fürst zu Schwarzenberg, 1986 verstarb, erbte nun Heinrichs Adoptivsohn Karl als VII. Fürst zu Schwarzenberg dessen Titel und Besitzungen. Spätestens seitdem gibt es nur mehr eine Linie des Fürstenhauses Schwarzenberg. Karl VII. gelang es nach 1990, den Großteil der Schwarzenberg’schen Besitzungen in Böhmen zurückbekommen und engagierte sich in der Tschechoslowakei politisch. So war er nach 1990 Kanzleileiter unter Präsident Vaclav Havel und von 2007 bis 2009 sowie von 2010 bis 2013 tschechischer Außenminister.

Elisabeth, die einzige Tochter von Heinrich Schwarzenberg, liegt seit Jahren mit ihm, ihrem „Adoptivbruder“, im Rechtsstreit um das Erbe. Heinrich Schwarzenberg erbte nach dem Tod seines Vaters Schloß Gusterheim (Gemeinde Pöls, Bezirk Murau), wo er schon vorher neben Wien seinen Wohnsitz hatte. Diese Besitzung ging auf dessen Tochter Elisabeth über.

Heinrich Schwarzenberg war – für einen Angehörigen des Hochadels eher untypisch – ein begeisterter katholischer Couleurstudent, der immer wieder zu seinen Verbindungen kam und sie stets förderte. In der Zeit zwischen 1949 und 1954 erhielt er vier Bänder: Alpinia Innsbruck, Marco-Danubia, Carolina und Glückauf Leoben (das Gesamtverzeichnis 1954 führt diese in vorstehender Reihenfolge an, sie dürfte wohl nach den Verleihungsdaten gereiht worden sein). Weiters erhielt er noch das Band der Guestfalia Tübingen (nach Gesamtsverzeichnis 1959). Die Austria Innsbruck verlieh ihm wegen seiner Verdienste den Dr. cerevisiae. Er war auch Mitglied der MKV-Verbindung Cimbria Innsbruck und der SMV-Verbindung Laurinia Brixen.

Heinrich Schwarzenberg erfuhr im Frühjahr 1965, daß er Blasenkrebs hatte und nur mehr kurze Zeit zu leben hatte, starb in Wien und wurde in der Familiengruft in Murau beigesetzt. Altbundeskanzler Alfons Gorbach (Cl) und Landeshauptmann Josef Krainer sen. (BbG EM) gaben ihm u. a. das letzte Geleit.

Quellen und Literatur:

Verbindungsarchiv Carolina. Carolinas Tote 11, 57–122.
Gothaischer Genealogischer Hofkalender nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuche 1911. 148. Jahrgang. Gotha o. J. (1911), S. 201f.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 519f.
Hartmann, Gerhard (Baj) – Simmerstatter, Markus (Cl): Ein großes Gehen Hand in Hand. 125 Jahre Carolina 1888 bis 2013. Graz 1913, S. 348f.