Informationen

  Ludwig Mooslechner
Urverbindung: Austria Innsbruck (27.10.1929)
Bandverbindungen: AW, Cl
Geboren: 20.08.1910, Wels (Oberösterreich)
Gestorben: 10.04.1945, erschossen auf der Hebalm (Steiermark)
Position: NS-Opfer, Arzt
Politische Haft: 1944 und 1945 Polizeihaft

Lebenslauf

Mooslechner wurde als Sohn eines Postbeamten geboren, die Familie stammte aus Scharnstein bei Gmunden. Nach der Volksschule absolvierte er 1928 das Stiftsgymnasium in Kremsmünster. Danach begann er das Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck, wo er der Austria beitrat (Couleurname Moses). In der Folge studierte er an den Medizinischen Fakultäten zuerst im Wintersemester 1932/33 an der Universität Wien, wo er bei der Austria Wien aktiv wurde, und dann ab dem Sommersemester 1933 an der Universität Graz (dort Dr. med. 1934), wo er bei der Carolina aktiv wurde.

Nach Studienende begann Mooslechner eine Tätigkeit beim Landeskrankenhaus Graz, wo er im März 1938 aus politischen Gründen entlassen wurde. Danach war er in Schwanberg (Bezirk Deutschlandsberg, Weststeiermark) als praktischer Arzt bzw. auch als Zahnarzt tätig, erhielt aber als politischer Unzuverlässiger keine Kassenstelle. Im Krieg wurde er zusätzlich in das nahe St. Martin im Sulmtal als Arzt kriegsdienstverpflichtet.

Im September 1944 wurde bei Mooslechner, dessen antinazistische und christlichsoziale Gesinnung allgemein bekannt war, ein Flugblatt gefunden, woraufhin er wegen „Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ verhaftet, aber jedoch aus Krankheitsgründen bald wieder freigelassen wurde.

Ab 1943 verstärkte sich im Grenzgebiet Kärnten–Steiermark–ehemaliges Jugoslawien die Tätigkeit slowenischer Partisanen. Im Sommer 1944 wurde eine Gruppe von 25 Österreichern (ehemalige Interbrigadisten und Schutzbündler) abgesetzt, die sich zuerst auf der Saualpe und dann auf der zur Tarnung besseren Koralpe festsetzte, um eine Partisanentätigkeit zu entfalten (sog. „Koralmpartisanen“).

Im Laufe des Spätwinters und des Frühjahrs 1945 wuchs die Zahl dieser Gruppe bis auf 500, meistens Österreicher und desertierte, gutausgerüstete Wehrmachtsangehörige. Dabei wurde sowohl von den Slowenen wie von den Österreichern eine regelrechte Kampftätigkeit entfaltet, die mehrere hundert Mann der Deutschen Wehrmacht gebunden hatte.

Mooslechner unterstützte bereits vor seiner ersten Verhaftung Deserteure und Partisanen sowie andere Untergetauchte mit Medikamenten, Informationen und Lebensmitteln sowie mit medizinischer Versorgung. Diese Aktionen setzte er nach seiner Enthaftung weiter fort.

Am 15. März 1945 wurde ein Gendarm bei einer Verhaftungsaktion von einem untergetauchten Holländer erschossen, der jedoch fliehen konnte. Am darauffolgenden Tag durchsuchten SS und Volkssturm die Gegend und konnten diesen Holländer zusammen mit zwei Frauen und einem Mann auffinden und festnehmen. Eine dieser Frauen, offenbar in Panik geraten, beschuldigte im folgenden Verhör zehn weitere Schwanberger, darunter Mooslechner, Untergetauchte unterstützt zu haben und mit den Partisanen zu sympathisieren. Sie wurden am 17. März verhaftet.

Beim Abtransport der Verhafteten soll es am Marktplatz von Schwanberg zu einer lautstarken Verhöhnung der Häftlinge gekommen sein. Rufe wie „Heute haben wir in Schwanberg einen Sieg erlebt!“ und tumultartige Freudenkundgebungen hätten den Ort in eine Jahrmarktstimmung versetzt.

Die Verhafteten wurden in das Gefängnis des Bezirksgerichts (hieß damals Amtsgericht) Deutschlandsberg gebracht, einige von ihnen nach ein paar Tagen jedoch freigelassen, andere wurden teilweise beim Verhör schwer mißhandelt, so auch Mooslechner.

Am 10. April wurde Mosslehner zusammen mit 18 anderen Gefangenen auf Befehl des berüchtigten Kreisleiters von Deutschlandsberg, Hugo Suëtte, auf die Hebalm gebracht, um angeblich nach Wolfsberg überstellt zu werden. Unterwegs gelang es einem Franzosen zu entkommen, die restlichen 18, darunter Mooslechner und zwei Frauen, wurden auf der Hebalm in einem Bombentrichter, nachdem sie zuerst ihr Grab schaufeln mußten, von SS-Leuten, Gestapo-Beamten und Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes durch Genick- und Bauchschüsse ermordet.

Die Frau Mooslechners mußte mit ihren Kindern zu einem Gebirgsbauern fliehen, da Suëtte auf einer Versammlung drohte, die ganze Familie auszurotten. Am 10. Juni wurden die Leichen in einem Grab auf dem Friedhof Deutschlandsberg beigesetzt.

Am Gründonnerstag, dem 29. März 1945, schrieb Mooslechner einen Brief an seine Frau, den er über einen Bauern aus dem Gefängnis herausschwindeln konnte und der erhalten geblieben ist. Der Bauer gab aber den Brief aus Angst erst 1948 an Frau Mooslechner weiter. In der Folge Auszüge aus diesem erschütternden Dokument:

„Meine liebe Dory!

[...] Nun schreibe ich den dritten Brief und hoffe zu Gott, daß er Dich erreicht. [...] Ich weiß nicht, was ich verbrochen habe, daß ich so schwer büßen muß. Es ist entsetzlich und furchtbar. An Dich und die Kinder darf ich gar nicht denken, da bricht mir das Herz entzwei ... Ich bitte Dich, schaue gut auf sie und erziehe sie sorgfältig. Du weißt, daß mir die Kinder alles sind, und wenn mir der Herrgott eine glückliche Heimkehr schenkt, werde ich Dir alles vergelten. [...] Erst jetzt erkenne ich, wie schön es war, als ich in Eurem Kreis sein konnte. Lasse die Kinderlein beten, daß ich sie wiedersehen möge. Obwohl ich mir nicht weiß Gott welcher Schuld bewußt bin, befinde ich mich in großer Sorge. Ich bete zu Gott und hoffe, daß alles halbwegs gut ausgeht. [...] Ich habe schon Schreckliches mitgemacht und kann Dir dies gar nicht mitteilen. [...] Gott sei Dank ist das Verhör bei der Gestapo vorbei. Es ist nicht zu schildern, was man hier mitmacht. Man hat mir das linke Trommelfell eingeschlagen, so daß ich dermalen taub bin. Ich bitte Dich, sage es niemanden. [...] Es ist einfach entsetzlich. [...] Für heute, Gründonnerstag, küsse ich Dich und unsere Kindlein herzlichst. In der Hoffnung auf ein Wiedersehen Euer Euch innigst liebender treuer Vater.“

Quellen und Literatur

Austrier-Blätter Nr. 16, 1947, S. 152–154.
Hartmann, Gerhard (Baj): Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Herausgegeben von Maximilian Liebmann im Auftrag des Altherrenbundes der K. Ö. H. V. Carolina (= Grazer Beiträge zur Theologiegeschichte und Kirchlichen Zeitgeschichte Band 2). Graz 1988, S. 395–397.
Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Hg. von Herbert Fritz und Peter Krause (Rt-D). Wien 2. wesentlich verb. Aufl. 2013, S. 435f.
Hartmann, Gerhard (Baj) – Simmerstatter, Markus (Cl): Ein großes Gehen Hand in Hand. 125 Jahre Carolina 1888 bis 2013. Graz 1913, S. 335f.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 31.05.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 03.12.2013