Informationen

  Ernst Kolb
Urverbindung: Austria Innsbruck (06.11.1936)
Bandverbindungen: Rd, Cl
Geboren: 09.01.1912, Lauterach (Vorarlberg)
Gestorben: 23.09.1978, Bregenz
Position: Bundesminister, Landesstatthalter (Vorarlberg), Nationalratsabgeordneter, Mitglied des Bundesrates, Universitätsprofessor (Staats- und Verwaltungsrecht), Präsident des Österreichischen Katholikentags 1974

Lebenslauf

Kolb wurde als Sohn eines Lehrers geboren und absolvierte 1930 das Gymnasium der Zisterzienser in Mehrerau (Bregenz). Anschließend studierte er zwei Semester an der Philosophisch-Theologischen Hauslehranstalt Brixen. Danach begann er das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck (Dr. iur. 1936), wo er relativ spät der Austria Innsbruck beitrat.

Nach dem Studienende war Kolb von 1937 bis 1943 zuerst im Landesgewerbeverband Vorarlberg tätig. Nachdem über ihn 1943 das Gauverbot verhängt wurde, war dann in verschiedenen Stellungen bzw. Firmen tätig, so u. a. bei einer Molkerei in Sonthofen (Allgäu, Bayern). Gegen Ende des Krieges wurde er zu einer Artillerieeinheit einberufen.

Nach Kriegsende war Kolb im Bregenzer Rathaus sowie im Vorarlberger Landwirtschaftsamt tätig und fand so in die Politik. Er kandidierte im November 1945 für den Nationalrat und gehörte diesem vom 19. Dezember 1945 bis zum 8. November 1949 an. Anschließend war er vom 25. Oktober 1949 bis zum 29. Oktober 1959 Mitglied des Bundesrates (vom Vorarlberger Landtag gewählt).

Nach einer kurzen Zeit als Kammeramtsdirektor der Handelskammer Vorarlberg im Jahr 1946 wechselte Kolb nach Wien und wurde Konsulent des Handelsministers Eduard Heinl (Baj EM). Am 18. Februar 1948 wurde Kolb dann zu dessen Nachfolger ernannt. Als Handelsminister erreichte er 1951 seitens der USA die Anerkennung des Handelsvertrages von 1928, der einen Großteil der Versorgung Österreichs mit Bedarfsgütern ermöglichte und den Grundstein für den Wiederaufbau legte. In sein Ressort gehörte auch der Wiederaufbau, was u. a. die Infrastruktur (Straßenbau) tangierte.

Am 23. Januar 1952 wechselte Kolb das Ministeramt und wurde zum Unterrichtsminister ernannt. In dieser Zeit machte er eine Entscheidung seines Vorgängers Felix Hurdes (NbW EM) teilweise rückgängig: Das Schulfach „Unterrichtssprache“ (im Volkswitz „Hurdestanisch“ genannt) wurde in „Deutsche Unterrichtssprache“ umbenannt. Ebenso wurde in seiner Zeit der Wiederaufbau der Wiener Staatsoper entscheidend vorangetrieben, die Bundestheater auf eine rechtliche Grundlage gestellt und die Schatzkammer eröffnet.

Nach mehr als sechs Jahren schied Kolb aus der Bundesregierung. Sein Nachfolger als Unterrichtsminister wurde Heinrich Drimmel (NdW). Kolb kehrte in die Vorarlberger Landespolitik zurück. Im Herbst 1954 kandidierte er bei den Wahlen zum Vorarlberger Landtag, dem er dann kurz vom 29. Oktober 1954 bis zum 26. November 1954 (Rücklegung) angehörte, weil er ebenfalls schon am 29. Oktober 1954 zum Landesstatthalter (i. e. Landeshauptmannstellvertreter) gewählt wurde. Als Bundesminister trat er am 31. Oktober 1954 zurück. Landesstatthalter blieb er eine Wahlperiode bis zum 28. Oktober 1959.

Kolb bekleidete in der Phase des Wiederaufbaus Österreichs schon in relativ jungen Jahren zwei wichtige Ministerämter, hatte aber bei den entscheidenden Persönlichkeiten der ÖVP nicht den notwendigen Rückhalt, so daß er sich zuerst nach Vorarlberg und dann in die akademische Lehre zurückzog.

Nach 14 Jahren in der Politik wechselte Kolb in die Wissenschaft und wurde am 31. Juli 1959 ohne Habilitation o. Universitätsprofessor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck ernannt, deren Rektor er im Studienjahr 1967/68 war. Dekan war er bereits 1961/62. 1974 war er Präsident des Österreichischen Katholikentages, der den Abschluß der synodalen Phase der österreichischen Kirche bildete.

Kolb starb an einer Viruserkrankung,

Werke

(Auswahl)
Das Förderungswesen unter dem Blickwinkel des Legalitätsprinzips (1964).
Einführung in das österreichische Verfassungsrecht für Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler (1973).
Wirtschafts-Verwaltungsrecht nach dem Stand vom 1. Oktober 1976 (1977).

Quellen und Literatur

Verbindungsarchiv Carolina. Nachruf auf Ernst Kolb von Lorenz Konzett (Cl).
Festschrift für Ernst Kolb zum sechzigsten Geburtstag. Besorgt durch Herma von Bonin unter Mitarbeit von Eberhard Lang und Hans G. Knitel. Innsbruck 1971.
Zirker, Walter: Vorarlberger in Parlament und Regierung (1848-2000). Ein Lexikon der Politiker/innen von Franfurt am Mai, Kremsier, Wien, Straßburg, Luxemburg und Brüssel (= Alemannia Studens Sonderband 6). Regensburg 2001, S. 264–269.
Plitzner, Klaus (M-D): Korporierte Vorarlberger Politiker 1848 bis 2003. Wien – Frankfurt/Main – Straßburg – Brüssel, in: Acta Studentica 149-150/2004, S. 47–55.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 16.05.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 19.09.2013