Informationen

  Hans Czermak
Urverbindung: Austria Innsbruck (08.11.1932)
Bandverbindungen: NdW
Geboren: 18.07.1913, Krems (Niederösterreich)
Gestorben: 12.12.1989, Wien
Position: Universitätsprofessor (Kinderheilkunde); Facharzt

Lebenslauf

HERKUNFT, AUSBILDUNG UND BERUFLICHE LAUFBAHN

Czermak wurde als Sohn des späteren Unterrichtsministers Emmerich Czermak (NdW) geboren. Die Familie übersiedelte berufsbedingt nach Stockerau, wo Czermak das Gymnasium besuchte und dort der katholischen Pennalie Herulia (später MKV) beitrat. Im Oktober 1930 war er deren Jubelsenior zum 20. Stiftungsfest.

Nach der Matura im Jahr 1932 begann Czermak das Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck, wo er der Austria beitrat (Couleurname Elmar). Im Wintersemester 1933/34 war er dort Fuchsmajor. Ab 1934 studierte er in Wien, wo er beim Nordgau verkehrsaktiv war und auch promoviert wurde (Dr. med. 1938). Nach seinem Studium war er zuerst in Wien im Orthopädischen Krankenhaus und dann auf der Herzstation der Poliklinik tätig. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er eingezogen und war als Truppenarzt vornehmlich an der Ostfront eingesetzt.

Nach dem Krieg spezialisierte sich Czermak für das Fach Kinderheilkunde und studierte auch in Stockholm, London und Paris Sozialpädiatrie. 1948 kehrte er nach Wien zurück und übernahm 1949 die Leitung der Neugeborenenstationen an der Wiener Universitätsfrauenklinik. Nachdem 1954 seine Anstellung dort endete, errichtete er in Wien eine Praxis. 1962 wurde er Leiter der Neugeborenenabteilung des Gottfried-von-Preyer’schen Kinderspitals in Wien-Favoriten (bis 1974) sowie der dort angeschlossenen Kinderkrankenpflege- bzw. Hebammenschule.

Erst spät – 1971 – habilitierte sich Czermak an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien für Kinderheilkunde mit einer Arbeit über die Säuglingssterblichkeit. 1978 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen.

CZERMAKS EINTRETEN FÜR DIE KINDER

Eines der besonderen Anliegen Czermaks war der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit in Österreich, die in den fünfziger Jahren über dem europäischen Durchschnitt lag. Seine Bemühungen führten 1974 zur Schaffung des Mutter-Kind-Passes in Österreich, wodurch die gesundheitliche Vorsorge von Schwangeren und Kindern bis zum fünften Lebensjahr wesentlich verbessert wurde.

Später konzentrierte sich Czermak auf die Forderung einer gewaltfreien Erziehung der Kinder. Es war ihm ein wichtiges Anliegen, den Kindern von Anfang an einen unbestrittenen Platz in der Gesellschaft einzuräumen: „Denn jedes Kind hat das Recht auf eine glückliche Kindheit!“ Er konstatierte, daß 98 Prozent aller Kinder physisch und psychisch gesund geboren werden, aber später wird fast jedes zweites Kind behandlungsbedürftig. Er führte das auf die verbreitete Straf- und Prügelerziehung zurück: „Die g’sunde Watschn macht krank!“

Als Folge dieser vor allem frühkindlichen Erziehungsdefizite stellte Czermak bei Jugendlichen Agfressivität, Depressionen, Schul- und Existenzängste sowie Leistungs- und Entscheidungsschwächen fest. Seine diesbezügliche unermüdliche Lobby-Arbeit führte kurz vor seinem Tod zu einer Änderung des § 146a des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB). Diese lautete vorher: „ Das minderjährige Kind hat die Anordnungen der Eltern zu befolgen. Die Eltern habe bei ihren Anordnungen und deren Durchsetzung auf Alter, Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes Bedacht zu nehmen.“ Ergänzt wurde am 15. März 1989 diese Bestimmung mit dem Halbsatz: „die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichern oder seelischen Leides sind unzulässig.“

Czermak war Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO auf dem Gebiet über die biologischen Aspekte der pränatalen Mortalität, schrieb zahlreiche Bücher und hielt viele populärwissenschaftliche Vorträge vor allem über eine verbesserte Mutter-Kind-Beziehung. Vor allem setzte er sich auch für das Stillen ein. Er war Gründer und langjähriger Obmann des Vereins für gewaltlose Erziehung und des Österreichischen Kinderschutzbundes. Nach ihm ist die Hans-Czermak-Gasse im 21. Wiener Gemeindebezirk benannt, und zu seiner Erinnerung wird alle zwei Jahre ein Hans-Czermak-Preis für besondere Leistungen im Dienste der Gewaltfreiheit gegenüber Kindern verliehen.

Der Chronist der Austria Innsbruck berichtet über Czermak,: „Viele von uns kennen ihn aus dieser Zeit [als er eine Praxis führte, Anm. d. Verf.], stets bereit, helfend einzugreifen, und immer den Problemen der Kinder zugewandt. Seine beinahe unbändige Leidenschaft zu telefonieren, seine unwahrscheinliche Kontaktfreudigkeit entlockten wohl manchen ein Schmunzeln, machten ihn aber zu einem Anlaufzentrum für Neuigkeiten aller Art.“ Czermak selber nannte sich in Bezug auf seinen Beruf als Kinderarzt selbstironisch „Onkel Czermak“.

Im Vorwort seines Buches „Die erste Kindheit“ wird Czermaks Anliegen treffend ausgedrückt: „Das Anliegen dieses Buches ist es, dem Kind von der ersten Lebensstunde an einen unbestrittenen Platz in der Gesellschaft einzuräumen, der eine uneingeschränkte physisch-psychische Entwicklung in jeder Hinsicht gewährleistet.“ Czermak war ein Freund der Kinder und hat in seinem engagierten Berufsleben die Prinzipien des CV wohl treffend verwirklicht.

Czermak starb nach langer, schwerer und mit großer Geduld ertragenen Krankheit und wurde auf dem Friedhof Wien-Großjedlersdorf (21. Bezirk) beigesetzt.

Werke

(Auswahl)
Kinderkrankheiten (1958).
Gesundheitsprobleme der Jugend. Eine medizinstatistische Studie über Morbidität und Mortalität im Kindes- und Jugendalter in Österreich (1963).
Gesundheitspolitik (1969).
Die Gesundheitsverhältnisse der Kinder in Österreich (1970).
Die ersten zwölf Monate (1979; auch auf Türkisch und Serbokroatisch erschienen).
Die gesunde Ohrfeige macht krank. Über die alltägliche Gewalt mit Kindern (1980; 3. Aufl. 1991).
Die erste Kindheit (1982, 5. Aufl. 1992).
Stillen – ein guter Beginn (1984).

Quellen und Literatur

Austrier-Blätter Nr. 59, 1990, S. 144f.
„Der Standard“, 13. 12. 1989 und 12. 7. 2013.
Das Band, das uns umschlingt. 1900 – 2000. Festschrift der K. Ö. H. V. Nordgau Wien. Wien 2000, S. 52.

Erstellt von Gerhard Hartmann am 09.11.2013
Zuletzt geändert von Gerhard Hartmann am 25.03.2018