Ich glaube, wir müssen mit Weihnachten wachsen. Den Glauben wie ein Kind anzunehmen und im Glauben selbst Geborgenheit zu finden, ist völlig in Ordnung. Doch wir müssen bereit sein, das Kind, den Mensch gewordenen Gott und somit den Glauben an ihn groß, erwachsen werden zu lassen – und selbst mit ihm zu wachsen. Auf das Wort des Erwachsenen Jesus zu hören , ihm in Gebet und Gottesdienst zu begegnen, unser menschliches Miteinander von ihm leiten zu lassen, auf ihn hin zu leben und ihm in der Stille Wachstumsraum zu geben.
Das Kind in der Krippe groß werden zu lassen und mit ihm zu wachsen heißt, so formuliert es der Theologe Michael Tillmann, auch, ihn letzten Endes nach Golgata zu begleiten, uns unter sein Kreuz zu stellen und – so gut wie möglich – bereit zu sein, im Vertrauen auf ihn unser eigenes Kreuz zu tragen. Die Menschwerdung Gottes endet nicht im Windelalter, sie geht bis in den Tod und vollendet sich im Licht des Ostermorgens. Kreuz und Passion stören vielleicht unsere „Weihnachtsidylle“, doch sie sind Teil der Menschwerdung Gottes, die wir feiern. Deshalb dürfen wir aus ganzem Herzen Weihnachten feiern, weil da unsere Erlösung beginnt. Weil da Gott Mensch wird, um zu jeder Zeit, selbst im Tod bei uns zu sein. Diese Verheißung wurde vor über 2000 Jahren in Betlehem handgreiflich. Wir dürfen aus ganzem Herzen Weihnachten feiern. Aber nicht nur als Kindergeburtstag. Wenn wir das Kind in der Krippe nicht groß werden lassen, legen wir es noch nachträglich aufs Kreuz. Und dann wird uns dieses Fest nichts Wesentliches fürs Leben sagen.
Mit den besten Wünschen für Euch und Eure Familien
Euer
Msgr. Bernhard Hippler,
Universitätspfarrer in Innsbruck
Autor: Lucas Stefan Krackl. Geschrieben am 12.12.2007 um 11:30 Uhr