Die Geschichte des ÖCV - Vom Kriegsende bis heute
Sofort nach Kriegsende nahmen die Verbindungen des ÖCV wieder
ihren Betrieb auf. Auf einer ersten Zusammenkunft im Herbst 1945 in Innsbruck,
an der nur ein Teil der Verbindungen teilnehmen konnte, wurde "Alpinia
- Innsbruck", die 1940 aus dem Geist der Widerstandskämpfer
gegründet worden war, in den CV aufgenommen. Ende November 1946
konnte in Wien wieder eine Cartellversammlung abgehalten werden. Der
von den Nationalsozialisten aufgelöste Verband wurde nunmehr auch
offiziell als "Cartellverband der katholischen österreichischen
Hochschulverbindungen" wieder hergestellt. In einem Beschluß heißt
es:
"Unser Österreichertum ist nicht nur Erbe und
Schicksal, sondern auch eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wir sehen in
der vollen und mitverantwortlichen Anteilnahme an der Schicksalsgestaltung
unseres österreichischen Vaterlandes ein demokratisches Recht, aber
auch eine sittliche Pflicht, die wir mit ganzer Kraft und Hingabe erfüllen
wollen."
In der Politik des Nachkriegs-Österreich spielten CVer eine tragende
Rolle. Die Väter des Staatsvertrages und der damit verbundenen Freiheit Österreichs,
Leopold Figl und Julius Raab waren ebenso CVer wie Alfons Gorbach und
Josef Klaus. Ein viertel Jahrhundert lagen die Geschicke unseres Landes
in den Händen dieser vier aufeinander folgenden Bundeskanzler.
Durch die Korrumpierung des nationalen Lagers in der Studentenschaft
während der NS-Zeit gelang es dem CV und der mit ihm im sog. "Wahlblock" verbündeten
Gruppen zur dominierenden Kraft in der Hochschulpolitik zu werden. Bis
1965 erreichte er regelmäßig über 50 % der Stimmen, der
RFS ca. 26-28 % und der VSStÖ 11-13 %. Eine Reihe von Vorsitzenden
des Zentralausschusses sowie der einzelnen Hauptausschüsse stellte
der ÖCV.
Mitte der sechziger Jahre war auch der ÖCV von der allgemeinen
Aufbruchstimmung (II. Vatikanisches Konzil, Politik der neuen Sachlichkeit
von Josef Klaus, Studentenbewegung) nicht verschont geblieben. Augenfälliges
Zeichen war die Änderung der Linie der "Academia" von
einem reinen Verbands- zu einem auch außerhalb des ÖCV beachteten
Diskussionsorgan. 1971 kam es aufgrund einer Initiative von Univ.-Prof.
Dr. Maximilian Liebmann (Cl) zur Gründung der Bildungsakademie des ÖCV,
die als Einrichtung auch Vorbild für den CV und KV wurde.
In der Hochschulpolitik kam es in den sechziger Jahren zu einer Bewegung.
CVer taten sich bei der Hochschulreformdebatte besonders hervor. Doch
das aktive Engagement vieler CVer hinderte nicht, dass die Struktur des "Wahlblockes" sich überlebt
zu haben schien. Bereits 1965 kam es in Graz zu einer linken Abspaltung
(Aktion), die besonders von Mitgliedern der dortigen KHG getragen wurde.
1967 rutschte der Wahlblock erstmals unter der 50 %-Marke, während
der RFS etwas zulegte. 1968 kam es zu einer Änderung des Wahlblockes
in die Österreichische Studentenunion (ÖSU). In dieser hatten
die Verbände kaum noch Einfluß, alleine die Einzelmitgliedschaft
zählte. 1969 konnte sich die ÖSU etwas verbessern, während
der RFS, der Hauptgegner des Wahlblocks, weiter etwas verlor.
Inzwischen änderte sich 1970 die politische Landschaft. Die SPÖ-Regierung
schritt an eine UOG-Reform, die 1975 endgültig beschlossen wurde.
Obwohl 1971 die ÖSU 53 % erreichte, verschlechterte sie sich ab
1974 zusehends. Geringe Wahlbeteiligung und Abspaltung an den Rändern
waren die Ursachen (Demokratische Studentenunion, JES). In der zweiten
Hälfte der siebziger Jahre entstand von Graz ausgehend die Idee
des Studentenforums, welche die christlichdemokratischen Studenten an
sich zu binden versuchte.
1970 war ein innenpolitisches Wendejahr. Der Wahlsieg der Sozialisten,
welche sich 30 Jahre lang an der Spitze des Staates halten konnten, veränderte
die politische Landschaft nachhaltig.
Alois Mock war das letzte CV Mitglied vor dieser Zeit der ein Ministerium
führte. Doch das gesellschaftliche Engagement der Mitglieder des
Cartellverbandes hat nie nachgelassen. Der Gedanke des vereinten Europas
und das damit verbundene Streben nach einem Beitritt Österreichs
zur Europäischen Union war dem Cartellverband schon sehr früh
ein zentrales anliegen. So kam es, dass 1975 der Europäische Kartellverband
gegründet wurde, in dem sich christliche Kooperationen aus Deutschland,
Belgien, Ungarn, Südtirol, Slowenien, Slowakei, der Tschechische
Republik, Ukraine und der Schweiz zusammengeschlossen haben. 20 Jahre
später trat Österreich unter der Verhandlungsführung von
Außenminister Alois Mock der EU bei.
Heute ist der ÖCV nach wie vor der größte Studenten-
und Absloventenverband. Mit 46 Verbindungen die an 11 verschiedenen Hochschluorten
ansässig sind werden die zeitlosen Prinzipien Religio, Patria, Scientia
und Amicitia Tag für Tag gelebt und erlebt. Ganz im Sinne des Wahlspruchs
des ÖCV:
IN NECESSARIIS UNITAS,
IN DUBIIS LIBERTAS,
IN OMNIBUS CARITAS.

Leopold Figl, Nc,
* 2. 10.
1902 Rust im Tullnerfeld (Niederösterreich),
+ 9.5.1965 Wien, 1945-53 Bundeskanzler

Ing. Julius Raab, Nc, * 29. 11. 1891 St. Pölten
+ 8.1.1964 Wien, 1953-61
Bundeskanzler und legendärer Handelsminister.

Dr. Alfons Gorbach, Cl, BbG *2. September 1898 Imst(Tirol) † 31. Juli 1972 Graz, Bundeskanzler von 1961 bis 1964

Dr. Josef Klaus, Rd, * 15. 8.
1910 Mauthen (
Kärnten
) † 25. 7. 2001 Wien. 1949-61 Landeshauptmann
von
Salzburg
, 1964-66 Bundeskanzler der ÖVP-SPÖ-Koalition und 1966-70
der ÖVP-Alleinregierung.

Am
26.06.2003 feiert der ÖCV
sein 70-jähriges Bestehen im Parlament. Viele Prominente ÖCVer
aus Kirche, Poltik und Wirtschaft folgen der Einladung. Im Bild
NR-Präs.
Dr. Andreas Kohl, R-B und Dr. Alois Mock, Nc.
Weiterführende Links:
» Überblick
» Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg
» Zwischenkriegszeit – NS Regime – 2. Weltkrieg
» Vom Kriegsende bis heute