So, 1. August 2010

Die Geschichte des ÖCV - Zwischen- kriegszeit, NS Regime und 2. Weltkrieg

Der Nationalsozialismus warf bald nach dem 1. Weltkrieg seine Schatten voraus. Bereits 1923 hat ein Ausschuß des Wiener Cartellverbandes eindeutig Stellung bezogen: Wegen des mit der katholischen Lehre unvereinbaren Programms der NSDAP dürfe kein Angehöriger des CV mit oder ohne Couleur das Hakenkreuz tragen.

Als die deutschen Bischöfe 1931 zu dem Urteil kamen, "... daß für die katholischen Christen die Zugehörigkeit zur NSDAP unerlaubt ist", wurde auf der 61. Cartellversammlung 1932 in München beschlossen, daß "der CV als bewußt katholischer Verband wie in allen religiösen und weltanschaulichen Dingen so auch in der Frage des Nationalsozialismus auf dem Boden der Erklärungen der Bischöfe" steht.

Die Machtergreifung Adolf Hitlers führte 1933 innerhalb kurzer Zeit zu einer vollkommenen Änderung dieser Haltung. Die deutschen Bischöfe nahmen das Verbot der Zugehörigkeit zur NSDAP zurück. Die Verbandsleitung erklärte den Beschluß der 61. C.V. für hinfällig, der Vorort "Aenania München" gab in einem Telegramm an Hitler ein Treuegelöbnis ab. "Norica" teilte daraufhin dem Vorort mit, daß dies nur für den deutschen CV gelten könne.

Gegen die österreichischen Verbindungen wurde wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus vehement Stellung bezogen. Bereits im Dezember 1932 war es in Wien anläßlich eines Kreistages der Deutschen Studentenschaft, der alle studentischen Verbände angehörten, zu von Studenten des Waffenringes provozierten Tumulten gekommen. Die Katholische Hochschülerschaft Österreichs erklärte daraufhin die Deutsche Studentenschaft für aufgelöst.

Die deutsche CV - Verbindung "Rheno Palatia - Breslau" erhob die Forderung, jene österreichischen Verbindungen, die für die Auflösung der Deutschen Studentenschaft gestimmt hatten, aus dem CV auszuschließen. Darüber hinaus wurde der Antrag gestellt, den Ausschluß des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß (F-B) und des Heeresministers Carl Vaugoin (Rd) "... wegen ihres vaterlandslosen, undeutschen Verhaltens bei ihren Verbindungen zu erzwingen."

Dieses Verlangen wurde als "größte Schmähung des CV in Österreich" zurückgewiesen. Der Vorort "Aenania - München" drohte zwar "Rheno Palatia - Breslau" wegen ihres Verhaltens die Suspendierung an, der Untergang des großen CV war allerdings nicht mehr aufzuhalten. Der Vorortspräsident trat der NSDAP bei und wurde vom Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund zum Kommissar eingesetzt, die Geschäfte des Vororts wurden einem "Führer" und einem "Stabsleiter" übergeben. Von den österreichischen Verbindungen wurde ein vorbehaltloses Bekenntnis zum Zusammenschluß aller Deutschen im Deutschen Reich verlangt. Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß wurde aus dem CV ausgeschlossen.

Diese Ereignisse gaben den letzten Anstoß zur Gründung des 3. Österreichischen Cartellverbandes, in dem nun alle österreichischen Verbindungen zusammengeschlossen waren. In einem Schreiben an den Vorort heißt es:

Die "dem Geiste des CV widersprechenden Verfügungen haben uns belehrt, daß an unser weiteres Verbleiben im CV nicht zu denken ist." Man sehe "sich daher veranlaßt, einem hohen Vorort die Erklärung auszusprechen, daß die österreichischen Verbindungen des CV mit dem 10. Juli 1933 ihre Abschaltung vom reichsdeutschen CV vorgenommen" und sich "nunmehr als 'Österreichischer CV' unter dem Vorort 'Norica' zusammengeschlossen" haben.

Der deutsche CV wurde 1935 aufgelöst. Der Nationalsozialismus ließ aber auch Österreich nicht zur Ruhe kommen und mit dem Verlust der Selbständigkeit durch den Anschluß an das Deutsche Reich im März 1938 kam auch das Ende für den ÖCV: Auf Grund des Reichsgesetzblattes vom 16.3.1938 wurden alle Verbindungen von der Staatspolizei aufgelöst.

Trotz Terror und Verfolgung blieb die überwältigende Mehrheit der CVer in den sieben Jahren des sogenannten "1000 jährigen Reiches" ihren beschworenen Prinzipien treu. Soweit dies möglich war, wurde ein bescheidener Verbindungsbetrieb im Untergrund weitergeführt und den in Not geratenen Bundes- und Cartellbrüdern geholfen. CVer fanden sich in den Reihen der Widerstandsbewegung, viele mußten in Konzentrationslager und Gefängnisse. Mancher von ihnen hat seinen Einsatz für Österreich und die Prinzipien des CV mit dem Leben bezahlt, viele kamen von den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs nicht zurück.

 


Fuchsenstall der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria, 1920/21


Dr.Ignaz Seipel, Nc, * 19. 7. 1876 Wien, † 2. 8. 1932 Pernitz (Niederösterreich ), Theologe, Priester (1921 Prälat) und Politiker (CS). 1922-24 (am 1. 6. 1924 durch ein Attentat schwer verletzt) und 1926-29 Bundeskanzler


Dr. Engelbert Dollfuß v. Laurin, F-B et mult.: Zum Zeitpunkt seiner Ermordung am 25.7.1934 österreichischer Bundeskanzler und Philistersenior Franco-Bavariae. Die Aufforderung des deutschen CV Dollfuß auszuschließen war der Grund für die Abspaltung der österreichischen Verbindungen und die Gründung des ÖCV.


Illegale Kneipe der K.Ö.St.V. Rudolfina im Jahr 1938

Weiterführende Links:
» Überblick
» Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg
» Zwischenkriegszeit – NS Regime – 2. Weltkrieg
» Vom Kriegsende bis heute