Die Geschichte des ÖCV - Zwischen- kriegszeit, NS Regime und
2. Weltkrieg
Der Nationalsozialismus warf bald nach dem 1. Weltkrieg seine Schatten
voraus. Bereits 1923 hat ein Ausschuß des Wiener Cartellverbandes
eindeutig Stellung bezogen: Wegen des mit der katholischen Lehre unvereinbaren
Programms der NSDAP dürfe kein Angehöriger des CV mit oder
ohne Couleur das Hakenkreuz tragen.
Als die deutschen Bischöfe 1931 zu dem Urteil kamen, "...
daß für die katholischen Christen die Zugehörigkeit zur
NSDAP unerlaubt ist", wurde auf der 61. Cartellversammlung 1932
in München beschlossen, daß "der CV als bewußt
katholischer Verband wie in allen religiösen und weltanschaulichen
Dingen so auch in der Frage des Nationalsozialismus auf dem
Boden der Erklärungen der Bischöfe" steht.
Die Machtergreifung Adolf Hitlers führte 1933 innerhalb kurzer
Zeit zu einer vollkommenen Änderung dieser Haltung. Die deutschen
Bischöfe nahmen das Verbot der Zugehörigkeit zur NSDAP zurück.
Die Verbandsleitung erklärte den Beschluß der 61. C.V. für
hinfällig, der Vorort "Aenania München" gab in einem
Telegramm an Hitler ein Treuegelöbnis ab. "Norica" teilte
daraufhin dem Vorort mit, daß dies nur für den deutschen CV
gelten könne.
Gegen die österreichischen Verbindungen wurde wegen ihrer ablehnenden
Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus vehement Stellung bezogen.
Bereits im Dezember 1932 war es in Wien anläßlich eines Kreistages
der Deutschen Studentenschaft, der alle studentischen Verbände angehörten,
zu von Studenten des Waffenringes provozierten Tumulten gekommen. Die
Katholische Hochschülerschaft Österreichs erklärte daraufhin
die Deutsche Studentenschaft für aufgelöst.
Die deutsche CV - Verbindung "Rheno Palatia - Breslau" erhob
die Forderung, jene österreichischen Verbindungen, die für
die Auflösung der Deutschen Studentenschaft gestimmt hatten, aus
dem CV auszuschließen. Darüber hinaus wurde der Antrag gestellt,
den Ausschluß des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Engelbert
Dollfuß (F-B) und des Heeresministers Carl Vaugoin (Rd) "...
wegen ihres vaterlandslosen, undeutschen Verhaltens bei ihren
Verbindungen zu erzwingen."
Dieses Verlangen wurde als "größte Schmähung des
CV in Österreich" zurückgewiesen. Der Vorort "Aenania
- München" drohte zwar "Rheno Palatia - Breslau" wegen
ihres Verhaltens die Suspendierung an, der Untergang des großen
CV war allerdings nicht mehr aufzuhalten. Der Vorortspräsident trat
der NSDAP bei und wurde vom Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund
zum Kommissar eingesetzt, die Geschäfte des Vororts wurden einem "Führer" und
einem "Stabsleiter" übergeben. Von den österreichischen
Verbindungen wurde ein vorbehaltloses Bekenntnis zum Zusammenschluß aller
Deutschen im Deutschen Reich verlangt. Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß wurde
aus dem CV ausgeschlossen.
Diese Ereignisse gaben den letzten Anstoß zur Gründung des
3. Österreichischen Cartellverbandes, in dem nun alle österreichischen
Verbindungen zusammengeschlossen waren. In einem Schreiben an den Vorort
heißt es:
Die "dem Geiste des CV widersprechenden Verfügungen
haben uns belehrt, daß an unser weiteres Verbleiben im CV nicht
zu denken ist." Man sehe "sich daher veranlaßt, einem
hohen Vorort die Erklärung auszusprechen, daß die österreichischen
Verbindungen des CV mit dem 10. Juli 1933 ihre Abschaltung vom reichsdeutschen
CV vorgenommen" und sich "nunmehr als 'Österreichischer
CV' unter dem Vorort 'Norica' zusammengeschlossen" haben.
Der deutsche CV wurde 1935 aufgelöst. Der Nationalsozialismus
ließ aber auch Österreich nicht zur Ruhe kommen und mit dem
Verlust der Selbständigkeit durch den Anschluß an das Deutsche
Reich im März 1938 kam auch das Ende für den ÖCV: Auf
Grund des Reichsgesetzblattes vom 16.3.1938 wurden alle Verbindungen
von der Staatspolizei aufgelöst.
Trotz Terror und Verfolgung blieb die überwältigende Mehrheit
der CVer in den sieben Jahren des sogenannten "1000 jährigen
Reiches" ihren beschworenen Prinzipien treu. Soweit dies möglich
war, wurde ein bescheidener Verbindungsbetrieb im Untergrund weitergeführt
und den in Not geratenen Bundes- und Cartellbrüdern geholfen. CVer
fanden sich in den Reihen der Widerstandsbewegung, viele mußten in
Konzentrationslager und Gefängnisse. Mancher von ihnen hat seinen
Einsatz für Österreich und die Prinzipien des CV mit dem Leben
bezahlt, viele kamen von den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs nicht zurück.

Fuchsenstall der K.Ö.H.V. Franco-Bavaria, 1920/21

Dr.Ignaz Seipel, Nc, * 19. 7. 1876 Wien, † 2. 8.
1932 Pernitz (Niederösterreich
), Theologe, Priester (1921 Prälat) und Politiker (CS).
1922-24 (am 1. 6. 1924 durch ein Attentat schwer verletzt)
und 1926-29 Bundeskanzler

Dr. Engelbert Dollfuß v. Laurin, F-B et mult.: Zum Zeitpunkt seiner Ermordung
am 25.7.1934 österreichischer Bundeskanzler und Philistersenior Franco-Bavariae.
Die Aufforderung des deutschen CV Dollfuß auszuschließen
war der Grund für die Abspaltung der österreichischen Verbindungen
und die Gründung
des ÖCV.

Illegale Kneipe der K.Ö.St.V. Rudolfina im Jahr 1938
Weiterführende Links:
» Überblick
» Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg
» Zwischenkriegszeit – NS Regime – 2. Weltkrieg
» Vom Kriegsende bis heute